Killer, Clowns und Cops

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Comic | Batman-Retrospektive

Spätestens seit der ›Dark-Knight-Trilogie‹ von Regisseur Christopher Nolan ist Batman endlich wieder en vogue und vielleicht sogar der beliebteste unter den Comic-Superhelden. Kein Wunder – ist er doch nun vielschichtiger und tiefgründiger als andere heroische Comic-Protagonisten. Seine Düsternis und seine rohe, aber mehrmals hinterfragte Gewalt machen ihn selbst zum Antihelden, der in seinem eigenen ordnenden Wahnsinn zahlreiche chaotische und wahnsinnige Antagonisten generiert und brutal bekämpft. Aufgrund der neuen Beliebtheit, die Batman nun zelebrieren darf, sind im Panini-Verlag gleich drei neue Comic-Sammlungen erschienen, die aus verschiedenen Dekaden stammen und dem Leser einen kleinen Überblick über Stil und Historie des fledermäusigen Helden geben. PHILIP J. DINGELDEY hat sich die drei sehr unterschiedlichen Werke näher angesehen.

Batman Collection 4: Jim Aparo

Batman CollNachdem es schon drei Ausgaben dieser Sammlung zu Ehren des Batman-Zeichners James »Jim« gab, wird ihm nun abermals ein Sonderband gewidmet, quasi um seinem Œuvre ein kleines Monument zu setzen, mit Texten von Joe Staton, Robert Naney, Cary Burkett und Archie Goodwin. Die in dieser Anthologie versammelten Hefte und Geschichten stammen aus den Jahren 1973 bis 1979 und umfassen primär die Reihe ›The Brave and the Bold‹.

Das Konzept dieser Serie ist schnell erklärt: Bei bestimmten Missionen trifft Batman, mal gewollt, mal zufällig, auf andere Superhelden des DC-Universums, der sogenannten ›Justice League of America‹, die ein gemeinsames oder ähnliches Ziel haben. Das heißt, er kämpft mit Helden wie Superman, Supergirl, Wonderwoman, Flash, Green Arrow, Black Canary, Aquaman, dem wahnsinnigen Creeper, Mister Miracle etc. gegen die Mafia, Drogenschmuggler, extravagante Industriespione, Terroristen, die Batmans Stadt Gotham City mit einer Atombombe bedrohen, gegen zeitreisende metaphysische Wesen, gegen Außerirdische, aber auch gegen Batmans Erzfeind, den tödlichen Clown Joker.

Teils wirkt der Band heute auf uns befremdlich. Aparos versammelte Zeichnungen sind bunt, schrill, plastisch und sehr reich an Details. Zwar macht ihn das zu einem der besten Batman-Zeichner – und das hat eindeutig einen Sonderband verdient –, jedoch haben wir primär das gegenwärtige düstere (und auch viel interessantere sowie dialektische) Bild von Batman vor Augen, nicht einen bunten Superhelden aus den 1970ern, der sich in langen, altmodischen Dialogen über seine Missionen austauscht. Insofern ist der Band eher ein nostalgischer Happen für alt eingesessene Batmanfans.

Paul Dini/ Bruce Timm: Harley Quinn. Mad Love und andere Geschichten

Batman Harley QuinnZu fast jedem Antagonisten Batmans gibt es schon einen Sonderband inklusive Entstehungsgeschichte. Harley Quinn – die ehemalige Psychiaterin des Jokers, Harley Quinzel, die schließlich zur Geliebten des Schurken wird, sich ein Harlekinkostüm zulegt und fortan Harley Quinn nennt – ist jedoch ein sui generis: Denn sie stammte originär nicht aus dem Comic, sondern entstand 1993 in der Animationsserie ›The Batman Adventures‹ und wurde erst später (in der Reihe ›Niemandsland‹) von den Comics adaptiert. Der Autor Paul Dini und der Zeichner Bruce Timm, die an der TV-Serie mitwirken, haben 2004 einige dieser Geschichten in Comics weiter verarbeitet. Diese sind nun in einer Comic-Anthologie versammelt.

Der Joker gilt zurecht als Erzfeind und Nemesis von Batman, sind sie doch zwei Seiten einer Medaille; denn der Joker ist nicht nur der Gegner des Helden, der am häufigsten auf ihn trifft, sondern auch die Personifikation des bunten, anarchischen und tödlichen Wahnsinns, und somit das perfekte Pendant des mit Gewalt und Selbstjustiz Ordnung stiften wollenden dunklen Ritters. So zeigt auch der Joker selbst Batman mehrmals den eigenen Wahnsinn der Helden auf. Mit Harley Quinn bekommt der Killerclown einen ihm lästigen, aber ebenso irren Sidekick zur Verfügung gestellt, der ihn auch noch als »Pupsie« tituliert. Umso schlimmer für den Joker, dass in der ersten Folge des Bandes, ›Mad Love‹, Harley Quinn erfolgreich Batman fängt, um ihn zu töten, was der Joker als Bedrohung seiner Stellung als Erzfeind und als Verlust seines Ruhmes sieht. So kann Batman schließlich beide gegeneinander ausspielen und besiegen. In zwei weiteren Geschichten verbündet sich Harley Quinzel mit einer anderen Gegnerin Batmans, nämlich der giftigen Schönheit Poison Ivy. Gemeinsam wollen sie mit einer Killerpflanze Gotham kontrollieren, jedoch auf eher peinliche, neurotische Weise.

Die Geschichten selbst sind seicht und für Fans von ›The Batman Adventures‹ durchaus amüsant zu lesen, obgleich die Zeichentrickserie, wie auch dieser Band, eher kindisch ist, und die Zeichnungen von Timm – vor allem in Relation zu Aparo – grobschlächtig und abgehackt wirken. Von daher überrascht es kaum, dass sich das Comic-Pendant zum Zeichentrick nie wirklich durchgesetzt hat. Dieser Band bestätigt das abermals.

Dennis O´Neil/ Dick Giordano/ Klaus Janson: Batman: Gordon aus Gotham

Batman GordonAm neuesten unter den drei Comics ist der Band ›Gordon aus Gotham‹ vom Texter Dennis O´Neil, vom Zeichner Dick Giordano und vom Tuscher Klaus Janson. Dabei handelt es sich um eine vierteilige Miniserie aus dem Jahr 1998 zum Polizisten und Wegbegleiter Batmans, James »Jim« Gordon. Hier agiert Batman lediglich als Zuhörer, als der Police-Commissioner aus seiner Vergangenheit als Polizist in Chicago erzählt. Schon dort war er mit korrupten Kollegen und Vorgesetzten – wie dem Polizeichef – konfrontiert, sowie mit Wahlen manipulierenden Lokalpolitikern und einem Superkiller und Vigilanten, dem Söldner Cuchulain, der jedoch selbst Gordon mehrmals das Leben rettet. Gordon outet sich in der Handlung als konservativer patriotischer Cop, der erst auf der Seite der Justiz agiert, aber dabei immer vonseiten anderer Polizisten bekämpft und behindert wird, weshalb er selbst immer weiter in die Selbstjustiz abdriftet. Hinzu kommen heftige Eheprobleme.

Schließlich wird er von seinem Vorgesetzten als Detective nach Gotham City versetzt, da die Kollegen Beweise und Indizien zu seinen Ungunsten manipulierten, jedoch als Zeugen gegen Gordon ausschieden, da Cuchulain diese zuvor erschoss. Nun jedoch will der kriminelle Lokalpolitiker US-Präsident werden, und dafür soll Cuchulain dessen Frau bei einer Rede in Gotham erschießen, damit der Politiker einen Mitleidsbonus bei den Wählern erhält. Gordon, der sehr darunter litt, dass er damals eingeschüchtert den Vigilanten nicht aufhielt, besiegt nun, ausgerechnet als alter Commissioner, Cuchulain und kann den ganzen Betrug aufdecken.

Dieser Comic entstammt schon eher dem heutigen Bild der batmanschen Geschichten. Er ist dunkel, schattig und bedrohlich gehalten, die Gesichter wirken hart, plastisch und werden oft zu Grimassen verzogen, und der Protagonist agiert zwischen Gesetz und Selbstjustiz. Leider ist die Reihe ›Gordon aus Gotham‹ auch in anderer Hinsicht typisch: Ein Patriot – der mit fadenscheinigen Argumenten die polizeiliche, brutale und oft willkürliche Gewalt gegen Verdächtige und Kriminelle als rechtmäßig legitimieren will, und damit nur zeigt, wie Recht und Gewalt miteinander in einer Mittel-Zweck-Relation konnektiert sind – wird heroisiert, auch wenn er von der legalen Gewalt in die illegale abdriftet, obgleich beides illegitim bleibt.

| PHILIP J. DINGELDEY

Titelangaben
Joe Staton/ Robert Haney/ Gary Burkett/ Archie Goodwin (Texte), James Aparo (Zeichnungen): Batman Collection: Jim Aparo 4
Aus dem Amerikanischen von Marc-Oliver Frisch
Stuttgart: Panini Comics 2015
276 Seiten, 24,99 Euro
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Paul Dini (Texte), Bruce Timm (Zeichnungen): Harley Quinn: Mad Love
Aus dem Amerikanischen von Jörg Fassbender
Stuttgart: Panini Comics 2015
180 Seiten, 16,99 Euro
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Dennis O´Neil (Texte), Dick Giordano (Zeichnungen), Klaus Jordan (Tusche): Batman: Gordon aus Gotham
Aus dem Amerikanischen von Marc Schmitz
Stuttgart: Panini Comics 2015
100 Seiten, 12,99 Euro
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