Trigan rises again

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Comic | M.Butterworht (Text), D.Lawrence (Zeichnungen): Trigan 1: Kampf um Elekton

Im Rahmen seines neuen Albenprogramms legt der ›Panini-Verlag‹ die britische Science-Fiction-Reihe ›Trigan‹ aus den 60er Jahren neu auf – eine besondere Perle für Nostalgiker wie BORIS KUNZ.

TRIGANBAND1_Hardcover_828Der Kontinent Viktris auf dem Planeten Elekton besteht aus fünf großen Nationen: Das von dem kriegerischen König Zorth regierte Loka hat gerade das hochzivilisierte Tharv zurück in die Steinzeit gebombt und setzt seinen Eroberungsfeldzug jetzt in Cato fort, dem letzten Reich, das technisch fortgeschritten genug ist, um den Eindringlingen ernsthaft Widerstand zu leisten. Das Land Daveli ist von einem gewaltigen Dschungel bedeckt, unter dessen schützendem Blätterdach ein primitives Volk im Verborgenen lebt. Und dann ist da noch das von großen Wüsten dominierte Vorg, das von herumziehenden Nomadenstämmen bevölkert wird. Doch Trigo, ein Anführer dieser Nomaden, träumt davon, sesshaft zu werden und an einer Bergkette eine große und hochtechnisierte Metropole zu errichten, die den Eroberungsplänen von Zorth widerstehen kann, bevor dieser alle Völker von Viktris unterjocht hat. Der Name dieser Metropole soll Trigopolis sein. Vom Aufstieg und Fall von Trigopolis wollen Autor Mike Butterworth und Zeichner Don Lawrence uns berichten.

Die Siedler von Trigan

Durch die Prämisse, von der Gründungsgeschichte einer Metropole auszugehen, die eine wichtige Rolle in den kriegerischen Auseinandersetzungen eines gesamten Kontinents spielt, unterscheidet sich ›Trigan‹ in angenehmer Weise von anderen Genreklassikern wie ›Flash Gordon‹, ›Dan Dare‹ oder auch ›Storm‹, mit der Zeichner Don Lawrence später auch hierzulande richtig bekannt werden sollte. Dort verschlägt es meist einen ebenso aufrechten wie gut gebauten Astronauten von der Erde in eine Welt, in der archaische Kulturen auf moderne Technik und prähistorische Ungeheuer treffen. Die Erzählung folgt dann weniger einem großen Bogen, sondern schlägt sich, ihrem unermüdlichen Helden gleich, von einem Cliffhanger zum nächsten durch.

Schon der Originaltitel ›The Rise and Fall of the Trigan Empire‹ verrät: Die Reihe hat einen weiter gefassten erzählerischen Fokus, in dem nicht (nur) ein muskulöser Held im Vordergrund steht, sondern die Entstehung einer Zivilisation inmitten eines archaischen Krieges. Hier hat die Faszination des Autors Mike Butterworth für Militärgeschichte Niederschlag gefunden. Da werden dann die Siege und Niederlagen des Antagonisten Zorth in aller Ausführlichkeit geschildert, da darf dann der Held Trigo auch einmal in mehreren entscheidenden Schlachten das Krankenlager hüten, während sein Bruder Brag den aktiven Part der Geschichte übernimmt. Schließlich wurde auch das alte Rom (eindeutig das Vorbild für Trigopolis) nicht nur nicht an einem Tag, sondern auch von mehr als einer Person errichtet. Und so wird neben den draufgängerischen Nomadenführern aus Vorg auch bald der hochgebildete Wissenschaftler und Architekt Perik aus dem zerstörten Tharv eine große Rolle spielen.

»Old School« in jedem Sinne

Dennoch bleibt ›Trigan‹ ein Kind seiner Zeit, in der das Genre Science-Fiction im Comic weniger mit Raumfahrt, Technologie oder Gesellschaftskritik zu tun hatte als vielmehr mit Fantastik und Heldenepen. Der Planet Elekton bietet dem Leser einen wilden Stilmix aus Sandalenfilm, Westernelementen, Waffentechnologie aus dem Zweiten Weltkrieg und futuristischen Fluggeräten. Pferde heißen »Krieds«, obwohl sie sich nur durch blaues Fell von irdischen Pferden unterscheiden, und hin und wieder taucht ein Ungeheuer wie aus einem Godzilla-Film aus der archaischen Landschaft auf.

1438269357_image003Vor allem aber ist auch dieser Comic noch von dem unverhohlen xenophoben Weltbild jener Zeit durchdrungen: Man sieht meist schon an der Physiognomie, wer die Guten sind und wer die Bösen. Der Gelehrte Perik sieht aus wie ein griechischer Philosoph, während das Antagonistenvolk aus Loka verdächtig asiatische Züge aufweist. Trotz der etwas komplexeren Handlungsbögen, in denen es viel um Verrat, Intrige und clevere militärische Manöver geht, gibt es in diesem Comic keine große Grauzone zwischen aufrechten Helden und niederträchtigen Schurken, die man ausloten könnte. Trigo ist groß, blond und muskulös, und sein erst neidischer, dann verräterischer und schließlich grausamer Bruder Klud ist von Anfang an durch seinen fiesen Schurkenbart als solcher zu erkennen.

Diese naive inhaltliche Schwarz-Weiß-Malerei trägt viel zur nostalgischen Patina der Serie bei, die für heutige Leser natürlich immer eine gewisse unfreiwillige Komik in sich trägt. Auch das Artwork von Don Lawrence ist einerseits meisterhaft, andererseits durchdrungen von einem Pathos, den sich in dieser Ernsthaftigkeit heute kein Comiczeichner mehr erlaubt – doch das mindert das Vergnügen keineswegs. Denn aus dem Pathos heraus entwickelt Lawrence eine oft auch heute noch erstaunliche Dynamik, die man vor allem in seinen Titelbildern bewundern kann. Der Fantastik der Inhalte steht eine naturalistische Ausgestaltung entgegen, in der Lawrence durch gekonnten Einsatz von Farbe Plastizität und Tiefe erzeugt. Was das Design angeht, so sind es eher die Raumschiffe und Kriegsmaschinen als die Ungeheuer, die ihm beeindruckend gelingen. So liegen auf den Seiten von ›Trigan‹ faszinierende Schlachtengemälde und übertriebene Albernheiten nah beieinander.

›Trigan‹ ist in Deutschland bereits erschienen, hat aber – wie so viele Serien – hierzulande eine wechsel- und lückenhafte Publikationsgeschichte hinter sich. Die Neuveröffentlichung bei ›Panini‹ orientiert sich an den Originalseiten aus dem britischen Magazin ›Ranger‹, bietet zusätzliches Hintergrundmaterial über die Entstehungsgeschichte der Reihe und gibt Anlass zur Hoffnung, dass der Comicfan die Geschichte von Trigos Reich jetzt noch einmal lückenlos von vorne verfolgen kann. Das außergewöhnliche Skript von Mike Butterworth und die hochwertigen Zeichnungen von Don Lawrence verleihen der Serie ein Niveau, das auch heutige Leser bei der Stange halten kann, wenn er hier und da die Augen zwinkernd zudrückt.

| BORIS KUNZ

Titelangaben
Mike Butterworht (Text), Don Lawrence (Zeichnungen): Trigan 1: Kampf um Elekton
(The Trigan Empire: Victory for the Trigans & Crash in the Jungle)
Aus dem Englischen von James ter Beek & Mareike Viebahn
Stuttgart: Panini Verlag 2015
64 Seiten, 14,99 Euro
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Reinschauen
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