Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Kulturbuch | Elisabeth Tova Bailey: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Dass Schnecken Geräusche machen, ist ja schon kaum glaublich - auch für den, der die glibbrigen Gartenbewohner schon einmal näher & länger beobachtet hat oder sie als Gärtner hasst, weil sie, aus dem Nichts nach Regen aufgetaucht, sich gefräßig über Zier- & Nutzpflanzen hermachen & einem die schönsten gepflegten Erwartungen zunichtemachen. Von WOLFRAM SCHÜTTE

Banal mit Dunkelzonen

Roman | Karl Ove Knausgård: Lieben

›Sterben‹ hieß der erste Band eines sechsteilig geplanten autobiographischen Romanzyklus, den der norwegische Autor Karl Ove Knausgård unter dem Titel ›Mein Kampf‹ zu schreiben begonnen hat. Wegen des an Hitlers Autobiographie erinnernden Titels hat das Roman-Projekt international Aufsehen erregt. Von WOLFRAM SCHÜTTE

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JDr. & BB

Menschen | Zum Tod des Kritikers und Literaturwissenschaftlers Jörg Drews

Nicht wenige Autoren haben durch den Tod von Jörg Drews einen mitreißenden Feuerkopf und temperamentvollen Streiter für jede Art Literatur ohne Kompromisse verloren. Ein Nachruf von WOLFRAM SCHÜTTE

Das Leben geht weiter

Film | Jia Zhang-Ke: Still Life

Der englische Titel, unter dem Jia Zhang-Kes semidokumentarischer Spielfilm den Goldenen Löwen auf der venezianischen Mostra del Cinema 2006 gewonnen hat und unter dem er bei uns läuft, enthält die widersprüchliche Doppeldeutigkeit des Films in nuce. ›Still Life‹ ist zum einen die wörtliche Übersetzung des kunstwissenschaftlichen Fachbegriffs für »Stilleben«; zum anderen annonciert der Titel, dass es immer noch Leben gibt, wo alles nicht bloß »den Bach hinunter«, sondern von dem größten Staudammprojekt der Welt, dem umstrittenen »Drei- Schluchten-Damm des Yangtze«, verschlungen, nämlich überflutet wird – z.B. die 2000 Jahre alte Altstadt Fengjis. Von WOLFRAM SCHÜTTE

Frühe Hellsicht im politischen Gegenwind

Roman | Jean Améry: ›Die Schiffbrüchigen‹

Jean Améry (1912/78), der als Hans Mayer in Wien geboren wurde und unter seinem nom de guerre zu einem der bedeutendsten Essayisten und Publizisten in den Sechziger und Siebziger Jahren in Deutschland wurde, hat als 23jähriger den Roman ›Die Schiffbrüchigen‹ geschrieben, der jetzt erst postum veröffentlicht wurde. Von WOLFRAM SCHÜTTE

Die späten Geständnisse des Wilhelm Genazino

Kulturbuch | Wilhelm Genazino: Die Belebung der toten Winkel

Nachdem er vor zwei Jahren den Büchner-Preis erhielt, zählt der Schriftsteller Wilhelm Genazino zu den bekanntesten deutschen Autoren. Mit seinen nun publizierten Frankfurter Poetikvorlesungen gibt er tief reichende Einblicke in sein Schaffen und dessen geistige Hintergründe. Von WOLFRAM SCHÜTTE

Seine Jünger für die Abreise schulen

Kulturbuch | George Steiner: Der Meister und seine Schüler

Der weltweit angesehene Universalgelehrte George Steiner untersucht und beschreibt das selten geglückte und oft prekäre Verhältnis von ›Meister und Schüler‹ an ausgewählten Beispielen der Religions-, Philosophie- und Kulturgeschichte. Von WOLFRAM SCHÜTTE

»Lettre« zu preisen

Thema | Zur Vergabe des »Ulysses Award« für Reportage 2004

Es soll manchen der 550 geladenen Gästen das feine Essen im Hals steckengeblieben sein, als die zur Wahl stehenden Autoren Auszüge aus ihren Texten zum besten gaben. Das geschah jetzt bei der Verleihung des »Lettre Ulysses Award« für die »Kunst der Reportage« in einem Festzelt in der Nähe des Bundeskanzleramts in Berlin. Die Bilder, die ich davon im TV gesehen habe – weiß eingedeckte Tische mit Lämpchen, festliches Ambiente, Sommerabend, schwül –, ließen mich die Schluckbeschwerden der Eingeladenen auf der Festveranstaltung lebhaft nachfühlen. Von WOLFRAM SCHÜTTE

Mit sich selbst im Gespräch

Günter Kunert: Die Botschaft des Hotelzimmers an den Gast

Seit 1979 führt der 1929 in Berlin geborene, heute auf dem Lande bei Itzehoe (Schleswig-Holstein) lebende Lyriker, Essayist und Prosaist Günter Kunert seine mittlerweile auf 1500 Seiten angewachsenen »Sudelbücher«, die er auch noch heute fortsetzt. Aus diesem allmorgendlichen Selbstgespräch, das sich nun über 25 Jahre schon mit »Gott und der Welt«, Lektüren und Erinnerungen, Träumen und tagesbezogenen Reflexionen beschäftigt, hat jetzt, zu Kunerts 75. Geburtstag, Hubert Witt eine umfängliche Auswahl unter dem Titel »Die Botschaft des Hotelzimmers an den Gast« herausgegeben. Von WOLFRAM SCHÜTTE

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Enfant perdu

Menschen | Zum Tod von Lothar Baier

Zuletzt sollte er in der Werkausgabe Jean Améry dessen beide großen Essays »Über das Altern« und »Hand an sich legen« herausgeben. Nun erfahren wir, dass Lothar Baier in Montreal selbst »Hand an sich gelegt« und den »Freitod« gewählt hat. Von WOLFRAM SCHÜTTE