/

Die Rückkehr der frankobelgischen Serien

Comic | Buchmesse spezial

Eine halbe Stunde im Comiczentrum der Frankfurter Buchmesse war arg knapp bemessen für die Geschichte des neuen Comicmagazins Zack. Es war vor 15 Jahren auf der Buchmesse wiederbelebt worden. Den dennoch aufschlussreichen Rückblick von drei der vier Chefredakteure des neuen Magazins und Verlagsleiter Klaus Schleiter hörte sich ANDREAS ALT an.
buchmesse13 028kl
Die Lage des frankobelgischen Comics in Deutschland war 1998 recht düster: 18 Jahre nach dem Ende von Zack im Koralle Verlag erschienen nur noch wenige Serien. Das Magazin, das in den 1970er Jahren viele Helden wie Michel Vaillant, Dan Cooper oder Leutnant Blueberry bekannt gemacht hatte, fehlte erkennbar, und mehrere Comicmacher setzten sich auf der Buchmesse zusammen, um zu überlegen, wie man so etwas wieder auf die Beine stellen könnte. Laut Martin Jurgeit, dem ersten Chefredakteur des neuen Zack, hatte der Verleger Eckart Schott (Salleck Publications) bereits wertvolle Vorarbeit geleistet. Er veröffentlichte Liebhaberausgaben alter Zack-Serien und durfte den Titel Zack auf beigefügten Stickern verwenden.

Der Koralle Verlag, eine Axel-Springer-Tochter, existierte damals noch. Dort hatte man Zweifel, ob man Zack noch einmal etablieren könne, und vergab zunächst nur eine auf zwei Jahre befristete Lizenz für den Titel. Dann konnte ihn Schleiter schließlich kaufen.

Schwarz-Weiß-Strecke im Heft war kaum zu vermitteln

Die erste Ausgabe erschien dann im Juli 1999. Laut Jurgeit hatte das neue Zack, anders als das alte, anfangs einen Schwarz-Weiß-Teil. Er sah es als Vorzug, damit auch mit Material experimentieren zu können, das nicht Zack-typisch war: »Wir wollten nicht zu nahe am alten Zack sein«, sagte er. Aber die Schwarz-Weiß-Comics kamen nicht so gut an – sie sind laut Jurgeit jüngeren Lesern generell kaum zu vermitteln. Aber Farb-Serien wie Soda oder Der Schrei des Falken konnten durch die Veröffentlichung Bekanntheit gewinnen.

Zur Buchmesse 2000 produzierte Schleiters Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag täglich eine Zack-Zeitung. Das war damals ein logistischer Kraftakt: Wenn die Messe schloss, mussten Dateien der fertigen Seiten mit einem Taxi in die Druckerei gebracht werden, wo die Zeitung über Nacht gedruckt wurde. Die Datenübermittlung per Internet war damals noch nicht leistungsfähig genug. Seit dieser Zeit liegt Zack jedes Jahr das Programm der Faszination Comic auf der Buchmesse bei.

Ab Zack #101 führte der neue Chefredakteur Martin Surmann eine wichtige Änderung bei der Veröffentlichungsweise der Serien ein. Da Surmann verhindert war, berichtete darüber Zack-Mitarbeiter Michael Marschall: Es gab nun exklusive Serien wie Es war einmal in Frankreich, die nicht in anderen Verlagen als Alben erschienen. Sie wurden meist in drei Teilen, also relativ schnell, veröffentlicht. Surmann war von Anfang an beim neuen Zack dabei und hatte für Jurgeit als Lektor gearbeitet. Er hatte einen exzellenten Überblick über die Comicprogramme und kommende interessante Serien in Frankreich. Darüber konnte man sich damals im Internet noch nicht so umfassend informieren wie heute, da die Zeichner auf ihren eigenen Webseiten Einblick in ihre aktuellen Arbeiten geben.

Zack Edition: Eigene Alben neben dem Magazin

Mark O. Fischer, Chefredakteur Nummer drei, baute die Zack Edition auf. Der Steinchen für Steinchen Verlag brachte ausgewählte Zack-Serien selbst als Alben heraus, nicht zuletzt auch, damit die Kosten für Übersetzung und Bearbeitung der Serien sich besser amortisierten. Fischer brachte aber auch Serien, die in seinem eigenen Verlag Epsilon liefen, insbesondere Franka. Ansonsten endete aber die anfangs enge Kooperation mit den Comicverlagen nach den Worten von Schleiter zu dieser Zeit. Zack durfte also keine Serien mehr vorveröffentlichen, die dann anschließend in einem anderen Verlag erschienen. Die in Frankreich ursprünglich wichtige Funktion eines Magazins als Promoter für Serien funktionierte nicht mehr.

Nachfolger von Fischer wurde Georg F. W. Tempel, zuvor Verleger von Feest und Redakteur bei Egmont. Er sagte, auch er habe einst Pläne gehegt, Zack neu herauszubringen. Daraus wurde dann aber ein Relaunch des Comic Spiegel. Bei Zack entwickelte Tempel ein neues Layout und führte die reguläre Zeitschriftennummerierung ein. Die Zack Edition gab es laut Schleiter nur zwei Jahre. Man hatte sich zu ambitionierte Ziele gesteckt. Zugleich wurde der Markt enger. Statt 2000 ließen sich später nur noch 1500 Exemplare von einem Titel verkaufen. So waren zwei Veröffentlichungen pro Monat nicht mehr zu finanzieren. Der Klassiker Michel Vaillant, von dem es in Frankreich bereits mehr als 70 Bände gibt, läuft allerdings als Albumveröffentlichung weiter. Wie es zur Auseinanderentwicklung von Comicverlagen und Zack kam, wurde in der Runde nicht thematisiert. Eine Erklärung hätte möglicherweise auch den Rahmen gesprengt.

Heute gibt es laut Jurgeit – sicher auch dank dem neuen Zack – insgesamt wieder monatlich 40 bis 50 frankobelgische Alben-Neuveröffentlichungen in Deutschland. In gewissem Sinn sind die deutschen Fans inzwischen sogar besser dran als die französischen, denn ein Magazin, in dem im Wesentlichen Abenteuercomics in Fortsetzungen abgedruckt werden, gibt es sonst nur noch in Holland. Die französischen Vorbilder wie Pilote oder »(à suivre)« wurden inzwischen eingestellt. Das neue Zack hat sich längst als langlebiger erwiesen als das alte.

| ANDREAS ALT

Reinschauen
Homepage des neuen Zack

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Sind es Comics oder Bücher?

Nächster Artikel

Made in Europe

Weitere Artikel der Kategorie »Comic«

Grenzenlose Unfreiheit

Comic | Michael Barck (Text) / TeMeL (Zeichnungen): No Borders Für die Freiheit, gegen das System: ›No Borders‹ ist ein dystopischer Comic in bunten Farben aus deutschen Landen. Er findet leichte Worte für ein schwieriges Thema – und lässt CHRISTIAN NEUBERT etwas zwiespältig zurück.

Bunte Denkmäler für schräge Helden

Comic | Simon Schwartz: Vita Obscura Mit großem Einfallsreichtum hat der deutsche Zeichner Simon Schwartz seit 2012 abgefahrene historische Biographien für die Zeitung ›Freitag‹ als Comicseiten umgesetzt. Jetzt ist ›Vita Obscura‹ als überarbeitete Komplettausgabe bei avant erschienen. BORIS KUNZ hat schon lange nicht mehr so viel Freude mit einem Comic gehabt.

Abtauchen in die Welt der Comics

Comic | Free Comic Book Day

Am zweiten Samstag im Mai, jeweils eine Woche nach dem US-amerikanischen Vorbild, dem Free Comic Book Day, gibt es den Gratis Kids Comic Tag. Dieses Jahr sind am 11. Mai 2024 über 900 Comic- und Buchhandlungen, Bibliotheken und Büchereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dabei. Wer mitmacht, findet man hier. Und was es an kostenlosen Comics gibt, verrät ANDREA WANNER

Milchbubis und Pornomodels

Comic | Nicolas Jarry (Texte)/ Erion Campanella Ardisha (Zeichnungen): Troja, Band 1: Das Volk des Meeres   Die ›Odyssee‹ und die ›Ilias‹ von Homer gelten als Startschüsse der Weltliteratur im siebten oder achten vorchristlichen Jahrhundert. So überrascht es nicht, dass beide Epen auch die Popkultur beeinflussen und spätestens seit dem Spielfilm ›Troja‹ von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 2004 einen dominanten Part darin einnehmen. Texter Nicolas Jarry und der Zeichner Erion Campanella Ardisha haben begonnen, eine Graphic-Novel-Reihe über den trojanischen Krieg zu kreieren. Inzwischen liegt der erste von vier Bänden vor – mit dem Titel ›Troja: Das Volk des Meeres‹.

Die Welt in den Händen einer Comic-Figur

Comic | Naoki Urasawa / Takashi Nagasaki (Co-Szenarist): Billy Bat, Vol. 1 + 2. Die Frage, ob das Schicksal der Menschen von einer höheren Macht gelenkt wird, ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Jetzt erzählt Naoki Urasawa von einer sprechenden Fledermaus, die schon seit Urzeiten das Weltgeschehen manipuliert. STEFANIE HÄB hat sich den Übeltäter angesehen und findet: Das hätte schief gehen können. Ist es aber nicht.