Lyrik | Vierzeiler der Woche – von Michael Ebmeyer

Folgen Sie dem kleinen Licht dort
in das Reich der Poesie
Das ist ein recht belebter Nicht-Ort
zwischen Yoga und Tai Chi
| MICHAEL EBMEYER
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| Webseite von Michael Ebmeyer
Lyrik | Crauss: Schönheit des Wassers Ein neuer Gedichtband von CRAUSS mit dem Titel Schönheit des Wassers ist im Berliner Verlagshaus J. Frank erschienen. Der Autor entführt in seinen 66 »pseudoromantischen kalligraphien« in bunte Wasserwelten – überall Glitzern, Blinken, Schimmern, über und unter Wasser. Das Wasser zieht magisch an, es geht stromab-, stromaufwärts und blickt in ferne Unterwasserwelten. HUBERT HOLZMANN unternimmt mit der Tauchgondel einen Versuch, in die Tiefen der CRAUSS’schen Lyrik vorzudringen.
Musik | Tim Taylor: Ein anderer Grund Die Klänge von Tim Taylors neuem Album Ein anderer Grund sind hart, nicht immer heiter, aber ehrlich. Unverblümte Texte, vorgetragen im Sprechgesangsmodus vereinen sich mit stimmigen Melodien in einem Musik-Buch Projekt. Ein anderer Grund ist alles andere als kommerzieller Sensations-Hip Hop. Diese Platte fordert das Zuhören. Von ANNA NISCH
Die tschechische Dichterin, Malerin, Philosophin und Lehrerin Klára Hůrková hat mit Andere Lichter einen neuen Lyrikband vorgelegt, den sie in diesem Jahr in der edition offenes feld in Dortmund veröffentlicht hat. Der Band ist in fünf Kapitel gegliedert und entfaltet eine poetische Bewegung von intimer Liebeserfahrung über Trauer und Erinnerung bis hin zu Fragen künstlicher Intelligenz und Spiritualität. Ihre Gedichte sind von einer feinen Bildsprache geprägt. Besonders gestaltet Klára Hůrková die Übergänge zwischen Tag und Nacht, Nähe und Distanz, Herkunft und Gegenwart. Von HARTWIG MAURITZ
Schon am Vormittag mit Lampenlicht,
um den Tag aufzuhellen
und den Stift sicher zu führen,
Düsternis fällt in die Zeilen
und läßt sich nicht wegschreiben.
Ein unentschlossener Himmel
in der Mittagszeit und manchmal
fast eine Ahnung von Frühling,
festgemacht an einfallenden
Strahlen, die das Zimmer ausleuchten.
»Man muss nämlich im Auge behalten, dass Jandls Werk sich nicht in Reduktion, Lautgedicht, Typogramm erschöpft, sondern dass ebenso das Ausschreiten des Sprachinnenraums, der semantischen Färbungen und Mischungen, der Bedeutungsmodalität eine Rolle spielt«, hatte Helmut Heißenbüttel 1984 in seiner Laudatio zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises an Ernst Jandl erklärt. Ein Porträt von PETER MOHR