wodka Heidelberg

TITEL Textfeld | Şafak Sarıçiçek: wodka Heidelberg

in der bahn verwest ein Mensch
auf der Bank verwest ein Mensch
auf der straßenecke verwesen zwei
riechen bestialisch nach schweiß und eiter

auf der straße tummeln fahrräder
auf den fahrrädern studenten und rentner
und frau mit kleinkind und tauben entlang dach
rinnen die da bekoten die straße der tummler

vor dem seminar sind chinojuristen
gegelte hornbebrillt poloshirts haarzöpfe
vereinzelt nonkonforme tshirts langhaarig oder bärtige
hemden augengruben alle flanieren flambierte flanellhosen

vor dem seminar verwest ein mensch
und riecht bestialisch nach fliegen auf offenen wunden
und fäkalunterhosen und schweiß

auf der straße tummeln touristen
in zeitungstiteln terroristen
am himmel verschwörungen von kondensstreifen
die hauptstraße im glühweinsuff und am wurstkredenzen

in der bibliothek verwesen schizophrene
vor bildschirmen kurz vor mitternacht
breitbartnews und ectoplasmische soundtracks

überall verwesen menschen
überall wird kredenzt
es riecht bestialisch

| Şafak Sarıçiçek

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

We Aren’t Strangers No More: 2016’s Albums Of The Year.

Nächster Artikel

Nostalgie, unsentimental

Weitere Artikel der Kategorie »TITEL-Textfeld«

Gesundheit

Textfeld | Wolf Senff: Gesundheit Die Ärzte jener Moderne, sagt Gramner, würden invasiv operieren, die Schäden, die sie anrichteten, seien beträchtlich. Der Ausguck rieb sich die Augen. Er verstehe nicht ein einziges Wort, sagte er. Gramner erzähle Schauergeschichten aus der Moderne? Auch in jener Moderne werde das vermutlich kaum einer zur Kenntnis nehmen. Doch Gramner solle sich in acht nehmen. Kassandra, sagt man, sei erdolcht worden. PDF erstellen

Re

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Re

Was hatte ihn in diese Einöde verschlagen, in diese fremde Gesellschaft, wie seltsam, an einem Lagerfeuer zu sitzen, Walfänger zu sein behaupteten sie, aber ganz offensichtlich hatten sie nichts zu tun, tagsüber lungerten sie am Strand herum oder besserten die Takelage aus und pflegten den Schiffsrumpf, doch wirkliche Arbeit sähe anders aus.

Laura

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Laura

Sie war aus der Therapie ausgestiegen, es reichte ihr, sie hatte genug von dieser Methode, die Dauer des Lebens zu verlängern, vermutlich war so etwas von Nutzen für die Statistik, und doch war es lediglich das Sterben, das in die Länge gedehnt wurde, nein, Jürgen hatte zu diesem Zeitpunkt nichts mehr mit ihr zu tun gehabt, sagte Tilman, er werde das später erklären, sie ruhte einige Schritte entfernt von Kapelle neun, Ohlsdorf, eingeäschert.

Publikum

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Publikum

Von langer Hand vorbereitet?

Von langer Hand vorbereitet, das könnte man sagen – ein nie dagewesenes Spektakel, sagte Gramner, und wer aufmerksam hinsieht, weiß die aktuellen Signale zu deuten.

Beispiellos?

Beispiellos, ja. Seit neuestem lenke der Mensch seinen Blick auf das Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum, fünfundfünfzig Millionen Jahre zurück in der Vergangenheit und von rund zweihunderttausend Jahren Dauer, nachdem sich die Atmosphäre im Lauf von lediglich viertausend Jahren um sechs Grad erwärmt hatte, ein überwältigendes Schauspiel, quasi ein kompletter Neustart, versteht ihr, ein Relaunch, eine gigantische Umwälzung bzw. eine erbitterte Schlacht der Titanen – Beben, Überflutungen, Orkane, Feuersbrünste, Artensterben, der Planet balancierte sich neu.

Wasser

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Wasser

Ernsthaft, sagte Tilman, die Ressourcen des Planeten wollen schonend behandelt werden.

Farb blickte auf.

Sie würden knapp, sagte er.

Im Brandenburgischen tobe ein Konflikt um die Nutzung des Grundwassers, das von einem PKW-Hersteller ausgebeutet werde, die dort lebenden Menschen fürchteten extreme Konsequenzen, Wasser sei ein kostbares Gut.

Zurecht, sagte Farb, die natürlichen Vorräte würden über alle Maßen beansprucht, von schonendem Umgang könne keine Rede sein, das Desaster sei unausweichlich, weltweit, sagte er: in Spanien breite sich Steppe aus, in den USA schrumpften die Stauseen, Australien fahre Jahr für Jahr geringere Ernten ein, die Hälfte der Weltbevölkerung sei heute schlechter mit Wasser versorgt als die Bewohner des antiken Rom.