Soul Tales

Musik | Auf Platte: Melissa Etheridge: ›Memphis Rock And Soul‹

Soul Tales – Stax Records gibt es seit 60 Jahren und Melissa Etheridge ist the funkiest Woman alive in der Rockmusik mit ›Memphis Rock And Soul‹ Von TINA KAROLINA STAUNER

Melissa Etheridge MemphisMelissa Etheridge war schon mit Bruce Springsteen auf der Bühne und mit Dolly Parton. Sie hat eine ganze Reihe eigener Alben eingespielt. Straighter Rock und bluesiges Country Feeling. Ihre neueste CD ›Memphis Rock And Soul‹ widmet die auch als Frauenrechtlerin bekannte Etheridge dem Memphis-Soul und Song-Adaptionen des legendären Stax-Labels.

Black Boys R’n’B and Blue-Eyed Soul

»It didn’t matter about the color of your skin. We weren’t in there to prove that we were Black and they were proving that they were White; we were there proving that music is a sentiment of a man’s soul.« (Blues vocalist Mable John from Respect Yourself: The Stax Records Story)

In den 1960er und 1970er waren für die Soulmusik zwei besonders wichtige Labels Stax und Motown. Stax war im Süden in Memphis, Motown im Norden in Detroit. Stax, gegründet von Jim Stewart und Estelle Axton, featurte den Soul der Schwarzen. Der ureigene »einfache« Sound mit Orientierung an Gospel und Einsatz Stax-typischer Bläsersektion aus der East McLemore Street in Memphis wurde sofort weltbekannt. Eine tonangebende Sessionband war Booker T. & The MG’s, auch in Zusammenarbeit mit den Memphis Horns. Spontane Sessions, »Head Arrangements« genannt, waren üblich. Auch Crossovers und der Blue-Eyed Soul der Weißen gehörte zum Spektrum. Kein Geringerer als Elvis Presley nahm einige Songs im Stax-Studio auf.

Stax in einem alten Kino in Memphis

»…I can read your mind
And I know your story
I see what you’re going through…«
(Stephens)

StaxDas Stax im Capitol wurde 1989 abgerissen und seit 2003 gibt es dort das Stax Museum of American Soul Music, die Stax Music Academy and die The Soulsville Charter School. 1975 ging Stax Records in Konkurs. Ab 1977 war der Katalog bei Fantasy Records. Bis 1968 war Atlantic involviert. 2004 kaufte Concord das Fantasy-Label mit Stax; seit 2006 ist Stax selber wieder aktiv. 2007 erschien eine CD-Box mit 50 Hits. Von Stax gab es ungefähr 800 Singles und 300 Alben. Es gelangen 15 Nummer-eins-Hits. Das Label war ein Repräsentant des kulturellen amerikanischen Südens. Es steht für nichts anderes als Southern Soul. Es gab starke Frauen im Line-Up wie Carla Thomas und Barbara Stephens. Die Männer waren in der Überzahl. Concord listet in seiner Stax-Info aktuelle Musiker auf wie Nathaniel Rateliff & The Night Sweats, Ben Harper und Southern Avenue.

›Starting All Over Again‹ (Mel & Tim)

»…Well, you can, tell her that Im happy, tell her that Im ok.
Tell her I won’t have it,
any other way…« (Bell)

Von Stax-Legenden hat Melissa Etheridge 12 Songs musikalisch und textlich frei interpretiert. In den Royal Studios von Willie Mitchell und Lawrence »Boo« Mitchell in Memphis wurde an einem authentischen Rocksound mit souligem Touch gearbeitet. Beteiligt waren bei »Memphis Rock And Soul« Musiker wie die Hodges Brothers und John Mayer.

Melissa Etheridge hat mit ihrer rauen Stimme und ihrer direkten Rockmentalität die Soulsongs souverän im Griff. Deep Soul transformiert in soliden Rock. Kraftvoll und energiegeladen gibt es einen Soul-Klassiker nach dem anderen: Otis Redding, Rufus Thomas, The Staple Singers, William Bell, Johnnie Taylor, Sam & Dave, Isaac Hayes, Barbara Stephens, Albert King. To name a few tracks: ›I’m A Lover‹ (Staples), ›Born Under A Bad Sign‹ (King) und ›Any Other Way‹ (Bell).

Rockmusik und Soulmusik brauchen nicht unbedingt intellektuell komplizierte Diskurse. Wer zuhört, hört zu. No Filter. Gradliniger Rock und Old Soul. Das Feeling stimmt. Einfach Schöner Southern Soul. Melissa Etheridge gibt dabei auch eine Lektion in Sachen Musikgeschichte. Vielleicht hat mancher den einen oder anderen Stax-Song vermisst. ›That’sThe Way It Is With Me‹ (Barbara Stephens)…

| TINA KAROLINA STAUNER

Titelangaben
Melissa Etheridge: ›Memphis Rock And Soul‹
(Concord Records / Universal Music, 2016)
Concord/Rhino veröffentlicht in diesem Jahr zun 60-jährigen Labelbestehen diverse Stax-Alben. Es gibt aus vergangenen Jahren: ›Stax 50: A 50th Anniversary Celebration Box-Set‹, Original Recording Remastered, (Concord / Universal Music, 2007) oder ›Classic Stax“‹ (Imports, 2016)

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Krawall und Rettung

Nächster Artikel

In aller Hände, in aller Munde, auf jeden Tritt

Weitere Artikel der Kategorie »Platte«

Are you brave enough?

Musik | marc moraire: The Story of Robert Volant

Ein Newcomer der psychedelischen Musikszene: Im Januar 2020 erschien mit The Story of Robert Volant das Debütalbum des Musikers marc moraire. Nicht nur das Albumdesign ist ein wahrer Eyecatcher, auch der strukturelle Aufbau des Albums sticht direkt ins Auge: Fünf Akte, zehn Szenen. Ein musikalisches Drama in englischer Sprache. Dichtkunst trifft Tonkunst. Eine gelungene Synthese. Mit Ben Westerath und Kim Helbing hat er sich zwei weitere Künstler*innen an seine Seite geholt, die die Seelenreise des fliegenden Roberts durch ihre Stimmen untermalen. SAHRA SCHMITTINGER sprach mit dem Künstler über die Intention seines ersten Albums.

Dreiviertelblüter, Funketeers und andere Vögel

Musik | Toms Plattencheck Gerd Baumann und Sebastian Horn sind zusammen Dreiviertelblut. Der Name bezieht sich natürlich nicht auf ihre Begeisterung für Musik, denn sonst hätten wir hier ganze acht Viertel, soviel ist sicher. Er ist eher Verneigung vor dem hier überwiegenden Dreivierteltakt. Von TOM ASAM

Folkdays … Blues im Gestern und Heute des Genres und Lebens

Folkdays… Bluesplayers Walter Trout, Jonny Lang und Eilen Jewell Mit Schrecken sieht man hierzulande in den Medien die Naturkatasthrophe der Hurricane ›Harvey‹ und ›Irma‹ an der Golfküste Nord- und Mittelamerikas. Eine Region, die auch Heimat bekannter Musiker ist. Von TINA KAROLINA STAUNER

Free Jazz & Free Space & Impro

Musik | Free Jazz & Free Space & Impro Mit Isabel Sörling Farvel, Shoot The Moon und Hanna Paulsberg Concept sind drei neue Jazz-Formationen am Start, die von Frauen bestimmt werden. TINA KAROLINA STAUNER hat ihren Debütalben gelauscht.