130 Jahre Wissenschaft und kulturelle Bildung

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Live | Zum 130. Geburtstag der ›Urania‹: Verleihung der ›Urania‹-Medaille an Dr. Ulrich Bleyer

»Er ist ein Klartexter, unaufgeregter Idealist, Optimist und bekennender Nicht-Nörgler«, so Prof. Harald Lesch über Dr. Ulrich Bleyer, den amtierenden Direktor der gemeinnützigen Bildungseinrichtung ›Urania‹. »Er ist stets dem Fach, der Sache und dem Menschen verpflichtet.« Nach 23 Jahren Amtszeit gibt Dr. Ulrich Bleyer (67) im April den Staffelstab an seinen Nachfolger Ulrich Weigand weiter – und erhielt am 05. März 2018 die höchste Auszeichnung der ›Urania‹. ANNA NOAH über die Idee der »Wissenschaft für alle«.

130 Jahre Urania – Ehrung des Direktors Dr. Ulrich Bleyer mit der Urania-Medaille
130 Jahre Urania – Ehrung des Direktors Dr. Ulrich Bleyer mit der Urania-Medaille

Die Berliner Gesellschaft ›Urania‹ wurde 1888 gegründet. Bei ihrer Namensgebung wurde man in der griechischen Mythologie fündig: Dort ist die Muse ›Urania‹ die Schutzgöttin der Sternkunde. Das Ziel der Gründung: Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden – und nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaften verharren. Das seinerzeit neuartige Angebot sorgte für großes Interesse in der Bevölkerung. Heute präsentiert sich die Gesellschaft mit einem breit gefächerten Programm zwischen Wissenschaft und Kultur. Zu diesem Programm gehören Vorträge zu aktuellen Fragen der Natur- und Geisteswissenschaften, künstlerische Darbietungen, Tagungen, Kongresse und Fachmessen.

Die ›Urania‹ ist längst über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt, bereits im Jahr 2012 hatte sie über 2000 Mitglieder, die sie auch hauptsächlich finanzieren – insbesondere die Stiftungen der Lotterien. Des Weiteren befinden sich auch Großfirmen, Hochschulen und wissenschaftliche Institute unter ihnen. Rund 29 Mitarbeiter planen und realisieren 1300 Veranstaltungen für jährlich ca. 200.000 Besucher.

»In einer Stadt, in der es Tausende von Veranstaltungen pro Tag gibt, muss man sein Programm mit Selbstbewusstsein vertreten«

Mit der diesjährigen ›Urania‹-Medaille, die 1998 erstmals verliehen wurde, würdigt der Bildungsverein die Verdienste von Dr. Bleyer um die Weiterentwicklung des Hauses. Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich unter anderem Hans-Dietrich Genscher, Kurt Masur und Harald Lesch, der dieses Jahr den Festvortrag und die Laudatio für den Astrophysiker Dr. Ulrich Bleyer hielt. Bleyer, der das Haus seit 1995 geleitet hat, wird das Amt des Direktors am 1. April an seinen Nachfolger Ulrich Weigand übergeben.

Der erste Redner des Abends, Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller, beschrieb die wichtigen Entwicklungsstufen der ›Urania‹ vom ersten Science Center der Welt bis hin zur heutigen Vorreiterrolle für etliche internationale Nachgründungen. Durch Kooperationen mit anderen kulturellen Vereinen wird das Programm der ›Urania‹ stetig erweitert.

Zur Person
Als jahrgangsbester Physikstudent der Humboldt-Universität studierte Dr. Ulrich Bleyer seinerzeit in Jerewan (Armenien). 1974 kam der Physiker an das Zentralinstitut für Astrophysik in Potsdam und später an das Einstein-Laboratorium für Theoretische Physik an der Akademie der Wissenschaften. Für die Urania der DDR konnte Dr. Bleyer ein breites Publikum für komplexe Astrophysik begeistern. Nach der Wende gründete er in Potsdam den neuen Urania-Verein Wilhelm Foerster. 1995 ernannte ihn die Urania zu ihrem Direktor.
Dr. Bleyer hat mit seinem Team circa 25.000 Veranstaltungen für mehr als zwei Millionen Besucher realisiert. Durch sein Wirken konnte die ›Urania‹ stets Qualität und Vielfalt auf höchstem Niveau bieten. Dafür sprechen vor allem die dreißig Vorträge von verschiedenen Nobelpreisträgern.

Eine weitere große Geste gab es am Ende der Veranstaltung: Dr. Bleyer vergab seinerseits 40 ›Urania‹-Statuen an alle, die sich um den Bildungsverein verdient gemacht hatten. Mit einem humorvollen Seitenhieb blickte er auf seine Anfangszeit zurück: In einem Interview vor der Verleihung gab er an, der ›Urania‹-Vorstand sei nach der Wende sehr mutig gewesen, ihn zu berufen. Viele der neuen Kollegen seien skeptisch gewesen, einen DDR-Bürger-Physiker ohne Latinum als Direktor einzusetzen. Nach reichlich zwei Jahrzehnten an der Spitze der Urania könne er nun sagen: »Es geht doch!«

130 Jahre Urania – Laudator Prof Harald Lesch
130 Jahre Urania – Auftritt der Flying Steps

Umrahmt wurde das festliche Programm von den EMI-Preisträgern Quadro Nuevo und den Weltmeistern im Breakdance, den Flying Steps.

| ANNA NOAH
| FOTOS: © URANIA BERLIN