Abgeplatztes Stück

Lyrik | Peter Engel: Abgeplatztes Stück

Wie ein Daumennagel groß,
taubenblau auf einer Seite,
auf der anderen weiß,
doch an welchem Buchrücken fehlt es
und hinterließ einen Schaden?

Aufheben oder entsorgen
und ein Problem weniger,
doch wenn sich der Band findet,
wird auch die Stelle sichtbar,
wo das abgeplatzte Stück saß.

Immer die kleine Hoffnung,
daß sich etwas kleben läßt,
ein Stückchen von einem Buch
oder eine Seite im Leben,
die herausgerissen ist und fehlt.

| PETER ENGEL

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Dieb gesucht – Detektivin Kate ermittelt

Nächster Artikel

Außerdienst-Stellung eines Oberhemds

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Drei Gedichte

Lyrik | Peter Engel: Drei Gedichte

In einem Zuge

Wenn dir der besondere Tag
den Stift führt und ihn gleiten läßt,
wie von anderer Hand geführt,
dann schreibt sich die Morgenstunde
selbst hin mit ihren Eigenarten,
ist heiter wie der Vormittag.

Das Meer in uns

Lyrik | René Steininger: In Margine Die Tier- und Pflanzenwelt steckt voller verborgener Bezüge, Erinnerungen und Schwingungen. Seltsame Allianzen ergeben sich da, von denen der Mensch, wenn er nicht Biologe ist oder affizionierter Fan von Grenzen normaler Sichtbarkeit und Hemdsärmelnähe überschreitenden Naturdokus, noch nie gehört hat. – Betrachtungen zu René Steiningers neuestem Lyrikband In Margine. Von ROBERT SCHWARZ

Ein Anhalten der Luft

Lyrik | Peter Engel: Ein Anhalten der Luft

Mein Fenster schneidet helles Herbstblau
aus dem Himmel heraus, es leuchtet
zu mir herein auf den Schreibtisch
und wird in Zeilen eingehegt,
sie blauen meine Wörter ein,
jeder Satzwinkel wird aufgehellt.

Vier Gedichte

Lyrik | Wolfgang Denkel: Vier Gedichte

Nicht Zeus

Nach langer Zeit der erste
Wind. Keinen Namen
trägt er mir zu. Nur sich
selbst. Er streift meine
empfindsam gewordene
Schläfe, die gezackte
Ader entlang

Kleiner Weltuntergang

Lyrik | Peter Engel: Gedichte

Spiegelungen, Ablagerungen

Mit der Hand schließe ich mich kurz
beim Schreiben, lasse den Wortstrom
fließen durch mich hindurch,
damit er mich genau ausdrückt,
meine verschiedenen Stimmungen
zwischen heiter und bedeckt,
wie sie der Himmel mir vormacht.