Lyrik | Stefan Heuer: und später die nacht mit ihrem aufgerissenen maul
Mit seinem neuen Gedichtband legt Stefan Heuer ein Buch von existenzieller Wucht vor, ein Langgedicht über Freundschaft, Krankheit und Vergänglichkeit, ein Versuch, dem Sterben sprachlich etwas entgegenzusetzen. Der Band enthält Collagen des Autors, die in Schwarzweiß gehalten sind. Mit diesem Gedicht verlässt der Autor sein bekanntes Format, Texte aus vier jeweils dreizeiligen Strophen zu schreiben. Es liest sich wie eine Montage aus Erinnerungsfetzen und der harten Realität des Sterbens, die hier in sehr eindrucksvollen poetischen Bildern geschildert wird. Den vorliegenden Band bezeichnet Stefan Heuer als sein persönlichstes Buch. Ausgangspunkt ist die reale Begegnung mit einem Schul- und Jugendfreund, den Heuer 2019 nach langer Zeit zufällig wiedersieht. Der Jugendfreund hat gerade eine Krebs-Diagnose erhalten. Sein Arzt prognostiziert ihm eine verbleibende Lebenszeit von drei Monaten. Tatsächlich stirbt er zwei Monate nach dem Treffen. Aus dieser Begebenheit hat Heuer einen poetischen Raum entwickelt, in dem sich biografische Erinnerungsfetzen und existenzielle Grundfragen überlagern. Von HARTWIG MAURITZ

