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Literatur

Ramses XI
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Ramses XI

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Ramses XI

Welch friedfertiger Ort, sagte Ramses XI., stellte sich vor: Ramses XI., und setzte sich ohne weitere Umstände in den warmen Sand.

Angenehm, sagte der Ausguck und faßte sich.

Thimbleman brachte kein Wort heraus.

Ramses XI. lächelte. Wo bin ich gestrandet, fragte er, es sei so still, und ob er träume. 

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Lesegenuss für jeden Tag

Kalender | Literaturkalender 2020

»Es schnurrt mein Tagebuch am Bratenwender: nichts schreibt sich leichter voll als ein Kalender«, reimte bereits Goethe. Man ahnt: Dem beständigen Lauf der Zeit lässt sich auch humorvoll und mit Wortwitz begegnen. Mit Sicherheit erhöht ein Literaturkalender schon jetzt die Vorfreude aufs kommende Jahr. INGEBORG JAISER hat aus der Fülle des Angebots einige bemerkenswerte Exemplare ausgewählt.  

Hans Magnus Enzensberger Tübingen November 2013
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Scharfsinniger Sprachvirtuose

Menschen | Zum 90. Geburtstag von Hans Magnus Enzensberger

»Was dir durch den Kopf rauscht, ist formlos und nicht zu fassen. Du spinnst wie Arachne, mein Lieber, und von Glück kannst du sagen, wenn es dir wenigstens gelingt, eine Stubenfliege zu fangen«, heißt es im pünktlich zum 90. Geburtstag erscheinenden Notizbuch ›Fallobst‹. Hans Magnus Enzensbergers Produktivität ist beeindruckend. Gleich zwei neue Bücher sind in diesem Jahr erschienen, und sie präsentieren uns den Jubilar als nach wie vor scharfsinnigen Analytiker und begnadeten Sprachvirtuosen. Von PETER MOHR 

Chinesische Mauer
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Große Mauer

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Große Mauer

Diese Lokalität sei hervorragend auf Besucher eingerichtet, lobte Ramses und blickte einem Schatten hinterher, der die Konturen Gramners besaß, und daß dies eine einmalige Gelegenheit sei, sagte er, diese Hinterlassenschaften ruhmreicher fernöstlicher Dynastien kennenzulernen.

Der Flug, fügte er hinzu, sei überaus angenehm gewesen, auch das ein Wunder, er hätte sich nie träumen lassen, daß der menschliche  Körper sich zum Himmel erhebe, nie im Leben, das sei eine vortrefflich inszenierte Illusion. 

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Die Literatur-Nobelpreisträger 2019

Menschen | Olga Tokarczuk und Peter Handke

Die Literatur-Nobelpreisträger für die Jahre 2018 und 2019 wurden gestern von der Stockholmer Akademie bekannt gegeben. Die mit jeweils rund 830.000 Euro dotierten Auszeichnungen gehen an Olga Tokarczuk und Peter Handke. Die Doppel-Vergabe war wegen eines Skandals (verbunden mit mehreren Rücktritten) im Nobelpreiskomitee nötig geworden. Von PETER MOHR 

Goldgraeber
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Flottierende Gedanken

TITEL-Textfeld | Wolf Senff:  Flottierende Gedanken

Was, fragte Sut, was nur habe die Menschen auf die abstruse Idee gebracht, daß in der Nacht Zeit vergehe. Der Mensch falle auf mancherlei Unfug herein, doch das setze allem die Krone auf.

Sut schien in Gesprächslaune. Mahorner schüttelte den Kopf.

Wer könne bezeugen, daß während der Nacht Zeit vergehe, fragte Sut.

Im Schlaf, fragte Harmat.

Im Schlaf, antwortete Sut. 

Unknown, Elias Canetti 2, CC BY-SA 3.0 NL
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Exzentrischer Außenseiter

Menschen | Zum 25. Todestag des Nobelpreisträgers Elias Canetti

War er Romancier, Dramatiker, Philosoph oder Anthropologe? War er ein Genie oder ein Neurotiker? Ein hochdekorierter Autor ohne Lesergemeinde? Vielleicht sogar der erste Popstar der Literaturszene? Die Wahrheit liegt (wie so oft) irgendwo auf halber Strecke. Die Rede ist vom Literatur-Nobelpreisträger Elias Canetti. Von PETER MOHR 

Ramesses_II
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Ramses II.

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Ramses II.

Ramses II. könne Abraham Lincoln nicht das Wasser reichen und werde maßlos überschätzt, habe Donald Trump gesagt.

Gramner atmete aus und lehnte sich erschöpft zurück. Abraham Lincoln, fügte er hinzu, sei, sofern man Trump unbedingt Glauben schenken wolle, keineswegs einer der fähigsten Präsidenten der USA gewesen und sei, sage Trump, bekanntlich einem Attentat zum Opfer gefallen, entsetzlich. 

Angela Radulescu, Toni Morrison 2008-2, CC BY-SA 2.0
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Sehnsucht und Illusion

Menschen | Zum Tod der Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison

»Die Sehnsucht nach einem Zuhause existiert zwar nach wie vor, aber es handelt sich dabei lediglich um eine Illusion. Und natürlich gibt es in Amerika nicht eben wenige, die ihr ganzes Leben auf diese trügerische Sehnsucht bauen, die niemals Realität werden kann«, hatte Toni Morrison, Nobelpreisträgerin des Jahres 1993, vor fünf Jahren in einem Interview mit der ›Welt‹ Auskunft über ihr disparates Verhältnis zu ihrem Heimatland gegeben. Sie war umstritten und streitbar, aber nach ihr wurde keinem US-Autor mehr die bedeutendste Auszeichnung der literarischen Welt zuteil. Von PETER MOHR 

Grea Whale
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Von Sut und Chopin

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Von Sut und Chopin

Der Ausguck streckte sich im Sand und räkelte sich. Er hatte lange herumgeturnt, er war erschöpft, Salto, Handstandüberschlag, nichts Neues für ihn, doch hier, in der Ojo de Liebre, war es unvergleichlich.

Thimbleman stand auf und kam Schritt für Schritt aus dem Wasser.

Schwimmen, was für ein Unfug, dachte der Ausguck. Unmöglich. Wer ginge denn freiwillig ins Wasser. 

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