/

Der Zauber des Scheiterns

Digitales | Games: Duke Nukem Forever

›Duke Nukem Forever‹ ist nach über einem Jahrzehnt des Wartens nun doch erschienen. Da zu diesem Thema die verschiedensten Köpfe bereits schrieben, will RUDOLF INDERST in diesem Beitrag nur indirekt über das Spiel sprechen – viel lieber möchte er an das Filmprojekt ›The Man Who Killed Don Quixote‹ erinnern.

Duke Nukem ForeverTerry Gilliam ist ein äußerst renommierter Filmemacher, der vielen Kinogängern und DVD-Heimsehern so manche schöne, unterhaltsame und aufwühlende Stunde bescherte. Auch sein letztes Kinowerk ›The Imaginarium of Doctor Parnassus‹ war ein fantasievolles Drama über gesellschaftliches Außenseitertum. Wer die Berichterstattung zu diesem Film ein wenig genauer verfolgte, weiß um die tragische Begebenheit, die das Drehen überschattete: Wer hätte schon damit rechnen können, dass der talentierte, junge Heath Ledger, mit dem Gilliam bereits ›Brüder Grimm‹ gedreht hat, sterben würde?

Dennoch konnte ›The Imaginarium of Doctor Parnassus‹ durch geschickte Wendungen und Tricks gerettet werden. Gilliam selbst muss sich sprichwörtlich wie in einem falschen Film vorgekommen sein, denn im Jahr 2000 passierte ein ähnliches Unglück, welches mir unmittelbar in den Sinn kam, nachdem ›Duke Nukem Forever‹ nach über zehn Jahren erschienen war und die Wertungen durch die Fachmagazine eingefahren hatte, die Mittelmaß und Mittelmäßigkeit zugleich zum Ausdruck brachten.

Alles, was schief laufen konnte, ging bei Dreharbeiten von ›The Man Who Killed Don Quixote‹ Anfang des Jahrtausends auch schief. Nicht nur verwandelte eine plötzliche Sintflut den Drehort in ein schlammiges Inferno, auch der Hauptdarsteller musste den Dreh aufgrund von starker Rückenschmerzen abbrechen.

Schneller als es Regisseur Gilliam lieb war, zogen die Finanzierungsinstitutionen die Reißleine und beendeten somit den Traum. Sich gegen das Ende aufzulehnen, hätte einen viel zitierten Kampf gegen Windmühlen bedeutet.  Ein ursprüngliches Making-of verwandelte sich in die Dokumentation ›Lost in Mancha, die das Drama rund um das Scheitern recht gut zeigt.

Just … let go

Unter Filmfreunden ist das niemals realisierte Filmprojekt ›The Man Who Killed Don Quixote‹ oftmals Gegenstand melancholischer, manchmal auch bierseliger Diskussionen. Und man wäre ein Narr, verstünde man nicht, dass dies eben gerade durch die Nichtvollendung zu Stande kommt und möglich ist. Die Kehrseite dieser Erscheinung ist natürlich keineswegs Computerspielen vorbehalten. Denken ›Star Wars‹-Puristen an 1999 und damit unweigerlich an ›Star Wars: Episode I – The Phantom Menace, wird jenen oftmals ganz anders.

Um Gottes Willen, wäre es doch nur bei der ursprünglichen Trilogie geblieben! Die zweite Dreifaltigkeit hätte als Gerücht, als ewige Möglichkeit, eine viel stärkere, die Fantasie anregende Spekulationskultur befeuern können. So blieben nur zwei Umstände im Gedächtnis: ein nervendes CGI-Wesen und eine vernichtende, naturwissenschaftliche-blödsinnige Erklärung der »Macht«.

›Duke Nukem Forever‹ ist in dieselbe Falle getappt. Niemand wird sich in ein paar Jahren mehr an den mittelprächtigen First Person Shooter erinnern, den der ›Duke‹ nun darstellt.  Woran man sich allerdings gerne erinnern wird, sind vergilbte Vorbestellungsbelege, ewig neue Spieleschnipsel im Dreijahresrhythmus und die »It is done when it is done«-Mentalität. Ruhe in Teilen, Mythos, ruhe in Teilen.

| RUDOLF INDERST

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Der Roman als Dolmetsch eines russischen Jahrhunderts

Nächster Artikel

Vor der Revolution

Neu in »Digitale Spiele«

Stets eine blutige Antwort parat

Digitales | Games: Bayonetta ›Bayonetta‹ ist überwältigend, »eine atemberaubende Farbenexplosion, eine Netzhaut transzendierende Erfahrung« – und … ein recht banales Videospiel. RUDOLF INDERST über den »teuersten Softporno der Welt«. PDF erstellen

SAO: Kein Liebeslied

Digitales | Games: Sword Art Online: Last Song Mit ›Sword Art Online: Lost Song‹ veröffentlicht Bandai Namco bereits den zweiten Ableger zur beliebten, gleichnamigen Anime-Reihe. Entwickler Artdink versprach dieses Mal eine große Verbesserung zum Vorgänger, sodass wir nicht widerstehen konnten und das Spiel genauer unter die Lupe genommen haben. Von DANIEL MEYER. PDF erstellen

Raus hier!

Digitales | Games: A Way out Achja, der schnöde Alltag: Immer wieder der ewig gleiche Trott, alles wirkt so festgefahren. Da wünscht man sich, doch einfach mal auszubrechen. Nichts wie weg hier, das Establishment aufrütteln und dem Verantwortlichen für unsere Misere eine Lektion erteilen, die sich gewaschen hat. Genau das machen Vincent Moretti und Leo Caruso in dem am 23. März 2018 erschienenen ›A Way Out‹. Erstmals auf der E3 des Vorjahres im Rahmen des Indi-Programms EA Originals vorgestellt, versprach der Titel einigen frischen Wind in die Branche zu bringen: ›A Way Out‹ setzt seinen Fokus auf eine spannende und mitreißende

Das Prinzip der »10 kleinen Negerlein«

Digitales | Games: Bodycount Kein anderer Action-Titel der letzten Jahre feiert das Leitprinzip des Interventionismus so sehr, wie der Shooter ›Bodycount‹ aus dem Hause Codemasters. Die dabei zur Schau gestellte dreiste Simplifizierung der Dinge durch die Entwickler hätte jedoch sogar den ehemaligen US-Präsidenten Cleveland erstaunt. RUDOLF INDERST geht nach Fiktiv-Afrika. PDF erstellen

Ein BarCamp für Spielewissenschaftler

Digitales | Interview mit Researching games-Organisator Florian Berger Researching games 2011 ist das erste Barcamp der deutschen Computerspiele-Forschung. Als inoffizielle Gegenveranstaltung zu Recruitments und Messen der Industrie, zu Business- und Developer-Konferenzen wendet es sich besonders an den wissenschaftlichen Nachwuchs aller Disziplinen und versteht sich als Aufbruchsignal und Initialzünder für die Zukunft. RUDOLF INDERST unterhielt sich mit Organisator Florian Berger. PDF erstellen