Ein bisschen SpaZ muss sein

Digitales | Games: Space Pirates and Zombies

Manchmal steckt hinter einem schlechten Wortspiel eine interessante Geschichte. Diese Rezension beispielsweise hat nur das Licht der Welt erblickt, weil ein Podcast verschoben werden musste und der Rezensent unkontrolliert Dinge kauft, auf denen irgendwas mit Zombie steht. PETER KLEMENT über ›Space Pirates and Zombies‹ und warum er dafür ein millionenteures Weltraum-Epos verschmäht hat.

SPAZ›Space Pirates and Zombies‹ oder kurz »SpaZ« ist eines dieser kleinen Indie-Spiele, die man sich aus einer Laune heraus kauft und ewig liegen lässt, dann aus Neugierde aus dem Berg gekaufter, aber ungespielter Spiele zieht und nach einem kurzen Anspielen feststellt, dass irgendwie 39 Stunden Spielzeit zusammengekommen sind.

Action … in Space!

SpaZ ist nicht das erste Spiel, das Zombies in den Weltraum bringt, sein Vorgänger im Geiste ›Homeworld: Catacylsm‹ – ein ebenfalls großartiges Spiel mit einer fantastischen Erzähltechnik wird hier nur erwähnt, um dreist drauf zu verlinken.
 
In SpaZ wendet sich eine kleine Gruppe rebellischer Minenarbeiter der Piraterie zu, weil ihr Anführer den Weg zu einem Schatz im Zentrum der Galaxie kennt. Dazu brauchen sie allerdings ein Schiff, um die Blockaden zu durchbrechen, die in jedem System durch UTA (United Terran Alliance), eine der zwei Fraktionen im Spiel, errichtet wurden. Damit beginnt eine Schnitzeljagd nach Schiffskomponenten und Ressourcen quer durch die Galaxie, in der sich die frischgebackenen Piraten einige neue Feinde machen, Spambots in die Luft sprengen, Burgerketten das Leben erleichtern und Leute aus Luftschleusen werfen.
 
SpaZ mischt schnelle, unkomplizierte Arcadeaction im All mit schicken Explosionen und einem durchdachten Baukasten für die verschiedenen Schiffstypen, die immer wieder neu an die Herausforderungen des Spiels angepasst werden müssen. Zur Auswahl stehen verschiedene Schlachtschiffe, Kreuzer, Korvetten und Jäger mit unterschiedlichen Ausrüstungsslots: Kanonen, Strahlenwaffen und Raketen müssen geschickt mit den unterstützenden Modulen und den richtigen Schiffsklassen kombiniert werden, um eine schlagkräftige und vor allem flexible Flotte aufzustellen. Denn ohne effiziente Ausrüstung wird aus der schnellen, unkomplizierten Arcadeaction schnell der Biss in die Tischkante, wenn einem die Flotte wieder vom Bildschirm gesprengt wird – weil man beispielsweise keine Raketenabwehr installiert hat und es plötzlich Torpedos hagelt.
 
Das Geballer im Weltraum geht schnell von der Hand. Mit vier Tasten kontrollieren die SpielerInnen die Schubrichtung und mit der Maus wohin der Bug des Schiffes – und damit die Waffen – zeigen. Im Weltall herrscht die Trägheit der Masse: Ein kleiner Jäger kann Kreise um einen dicken Pott fliegen und trotzdem seine Waffen auf ihn ausgerichtet lassen. Die eingängige Steuerung ist schnell gemeistert und die Spielmechanik ist angenehm schlicht ohne dabei zur Shmup-Standardkost (sprich: shoot ‚em up) zu verkommen.

Zombies…in Space!

Das wirklich Tolle an SpaZ ist, dass es keins von diesen Wir-machen-jetzt-halt-was-mit-Zombies-Spielen ist, die sich wie eine Epidemie durch alle Genres verbreiten. Das »Z« in SpaZ hat seinen PlatZ redlich verdient, denn die Umsetzung ist toll, kommt ungefähr in der Mitte des Spiels und tritt den SpielerInnen mächtig mit einem zombifizierten Fuß in den Arsch. Denn die Faustregel, dass der dickste Kahn mit den dicksten Wummen die meisten Probleme aus der Welt sprengt, verkehrt sich da genau ins Gegenteil, denn wenn ein normales Schiff explodiert, stößt es Rettungskapseln aus.

Zombies brauchen aber keine Rettungskapseln, denn sie halten es auch im Vakuum auch ganz gut aus. Und Dank der Trägheit der Masse sausen plötzlich Dutzende Zombies auf dem Kamm der Explosionswelle in Richtung der eigenen Schiffe, die womöglich gerade keine Schilde mehr haben, was schlecht ist, denn die Zombies bahnen sich langsam aber sicher einen Weg ins Innere des Schiffs, um dort das zu tun, was sie am besten können: Mehr Zombies produzieren. Anstatt ein Schiff zu verlieren, schenken unvorsichtige SpielerInnen jetzt der Zombiehorde eins dazu, womöglich das beste der Flotte.
 
So schnell hat die Mimik selten von »Yeah« zu »Oh, Fuck!« gewechselt und selten wurde der Knopf für den Rückwärtsgang so erbittert gepresst und gleichzeitig mit allem, was die Bewaffnung hergibt, nach vorne gefeuert, wie in diesem Spiel.

Survival … in Space!

 
Mit den Zombies wird plötzlich auch eine Ressource knapp, die es vorher im Überfluss gab: Menschen. Zuvor quasi beliebig in Form von Rettungskapseln verfügbar, führt auf einmal jeder Verlust zu Zähneknirschen, wohingegen die schnöden Ressourcen für den Schiffsbau kein Problem mehr sind. Dawn of the Dead lässt grüßen: Die Lager sind voll, doch was bringt einem der prall gefüllte Waffenladen im Kaufhaus, wenn nur vier gegen eine endlose Horde stehen.

Diese Herausforderung, erst ein Spiel zu meistern und dieses Wissen anzuwenden, um eine auf den Kopf gestellt Situation zu bestehen, motiviert mehr als alle zwei Minuten in ›Mass Effect 3‹ den nächsten Punkt aus dem Dialograd zu wählen oder rechtzeitig »X« zu drücken und dann dem Protagonisten wieder zwei Minuten beim Coolsein zuzusehen. Die Zombies im All verlangen Hirnschmalz und schnelle Reflexe, denn Trollfutter, wie in ›Zombie Driver‹, sind sie auf keinen Fall.

| PETER KLEMENT

Titelangaben
Space Pirates and Zombies
Developer & Publisher: MinMax Games Ltd.
Genre: Arcade-Action, RPG
Release Date: 15. August 2011

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Ja, und was treiben sie denn? Einparken üben?

Nächster Artikel

Die Möglichkeit einer Insel

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Wo die großen Kerle tacklen

Digitales | Games: Madden NFL 17 Fast jede populäre Sportart besitzt ihre eigene Videospieladaption, seien es Eishockey, Tennis oder das Golfen. Doch König Fußball regiert natürlich auch in dieser Sparte – mit garantiertem Verkaufserfolg. Fällt der Blick über den großen Teich, so gibt es dort einen anderen Platzhirsch: Die American Football-Simulation ›Madden NFL‹. Hierzulande wollen allerdings nur Wenige etwas von dem »anderen« Fußball wissen. FLORIAN RUSTEBERG hat sich mit EAs ›Madden NFL 17‹ nicht nur ein Sportspiel angeschaut, sondern ist in eine neue Welt abgetaucht, in der unter anderem Wikinger und Delfine um die Vorherrschaft kämpfen.

E-Sport zwischen Ehrenamt und politischer Anerkennung

Digitalspielkultur | Leon Janßen über die Zukunft des organisierten E-Sports in Bayern

RUDOLF THOMAS INDERST spricht mit Leon Janßen, dem neuen Präsidenten des E-Sport Verband Bayern, über Aufbruch und Verantwortung. Im Gespräch geht es um Gemeinnützigkeit, Verbandsarbeit und die politische Verortung des E-Sports. Ein Blick auf Strukturen, Hoffnungen und die Frage, wie nachhaltig digitale Spielkultur organisiert werden kann.

Ehrenrunde – Update: The Crew

Digital | Update: The Crew Es passiert oft, dass die Veröffentlichung eines Spieles um eine beliebige Zeit verschoben wird. So erscheint auch ›The Crew‹ erst am 2. Dezember, drei Wochen nach dem ursprünglich gesetzten Ziel. Der Grund ist eine weitere geschlossene Beta-Phase im November, um das Spiel final auf Herz und Nieren zu testen und weiteres Feedback vor dem Release zu erhalten. Von PHILIPP LINKE.

Die ›Skyrim‹-Tagebücher: Teil 2

Digitales | Games: Die ›Skyrim‹-Tagebücher: Teil 2 Überwältigt und überfordert von Möglichkeiten versucht sich DENNIS KOGEL gar nicht erst an einer Rezension, sondern erzählt viel lieber Geschichten aus ›Skyrim‹. Hier ist Teil 2 der Skyrim-Tagebücher, Teil 1 gibt es hier.

Nicht Final, aber Fantasy

Digitales | Games: Octopath Traveler ›Octopath Traveler‹ schien so etwas wie der Heilige Gral all derer werden zu können, die sich nach der goldenen, der guten Zeit japanischer Rollenspielkunst zurücksehnten: Wundervoll animierte 2D-HD Sprites, inspiriert aus Spielen wie ›Final Fantasy VI‹ oder ›Grandia I‹, eine komplexe, über mehrere Wege führende Erzählstruktur, ähnlich zu ›Live-A-Live‹, sowie eine Vielzahl verschiedener Nebenquests, Charakterklassen und Entscheidungsmöglichkeiten. Kurzum – ein Spiel mit viel Potential, das leider eben solches durch altbekannte Square Enix Probleme verschenken wollte. Von DANIEL MEYER.