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Neben der Spur

Film | Im TV: Polizeiruf 110 ›Sturm im Kopf‹, 1. März

Einfach so – vorweg ein Blick aufs ZDF, wo seit vergangenem Sonntag in der Mediathek die vierteilige Serie ›The Team‹ abrufbar ist, eine Gemeinschaftsproduktion mehrerer Nationen, im Programm steht sie ab 8. März. ›Europol‹ ermittelt in mehreren Nationen, Verpackung und Präsentation der Serie wecken hohe Erwartungen. Von WOLF SENFF

Bild: NDR / Christine Schroeder
Bild: NDR / Christine Schroeder
Ermordet werden Prostituierte: In Berlin am Donnerstag, in Antwerpen am Freitag, in Kopenhagen am Sonntag, ihnen wird jeweils durchs linke Auge geschossen und eine Fingerkuppe abgeschlagen, die vierte Dame hält sich noch im Diesseits auf.

Lebenszeit ist kostbar

Leider lässt auch das weitere Geschehen Schlimmes ahnen. Den Chef-Ermittler Bjørn erreicht der Vorgesetzte telefonisch auf dem Gipfel des Piz Palü in der Schweiz. Dem Geklettere wie dem Telefonieren sieht man die Studioaufnahme an. Das nächste Bild, als hätten wir’s geahnt, zeigt Harald Bjørn beim Geschlechtsverkehr. Tja, ein Mann unter Hochleistungsstress und cool wie Reinhold Messmer, neunziger Jahre.

Besser wird es nicht, das Geschehen ist simpel gestrickt, der Mottenkiste entnommen. Selbstverständlich gab’s auch das rührende kleine Mädchen, das die Leiche der Mutter entdeckt, die Welt ist grausam – da wurde zum großen Sprung angesetzt, und dennoch blieb alles auf handwerklich miserablem Niveau und inhaltlich Boulevard. Woran liegt’s?

Mord & Erpressung

Auch unser Rostocker ›Polizeiruf‹ hat Seriencharakter, die Ehekrise bei Bukows hat nun nach mehreren Anläufen eine Stufe erreicht, dass man sich glatt eine Einführung wünscht. Der smarte Poeschel, wie immer ein, zwei Stufen hinterdrein, knüpft ebenfalls zarte Bande, er schafft das in zwei kurzen Szenen, soso. Es gibt auch sonst Inhalt, den man sich selbst sortieren muss.

Das Geschehen hängt an der großen Rostocker Windenergie-Firma Hilgro Wind AG, deren Geschäftsführer Achim Hiller ermordet wurde, das hat mit Erpressung zu tun, und ein Mann, der streng tatverdächtig ist, erinnert sich an nichts außer daran, dass 9/11 ein schrecklicher Tag war, also 2001, auch da müssen manch sinistre Details aufgeklärt werden, aber hat mit den Ereignissen von ›Sturm im Kopf‹ nichts zu tun.

April, April

Besonders stringent werden uns die Ereignisse nicht vorgeführt, aber man schenkt uns gelegentlich eine schicke Bildfolge, etwa als Katrin König, dreiunddreißigste Minute, nach ihrem Gespräch mit Staatssekretärin und dem verbliebenen Vize-Chef den Hafen verlässt und ihr Abgang durch einzelne Röhren aufgenommen wird – ach amüsante Effekte, ach Schaumschlägerei. Dann werden zwei-, dreisekündige Sequenzen des im Krankenhausbett aufgewühlt schlafenden Verdächtigen in ein Ermittlungsgespräch eingeblendet, Zusammenhang null, aber dramatische Effekte. Ist’s nicht derselbe Regisseur, der damals die ersten zwei Donna-Leon-Verfilmungen verantwortete?

Als Max Schwarz, einer der wenigen schauspielerischen Lichtblicke, der sich an nichts erinnert und deshalb in der geschlossenen Abteilung liegt, vorsorglich ins Jenseits befördert werden soll, wird das zu einer umständlichen Aktion, die Pistole ist gezückt, und die Szene endet dennoch als April-April-Episode. So was von überflüssig.

Das Gegenteil von lustig

Nach fünfundvierzig Minuten sieht sich der Zuschauer diversen Handlungsfäden gegenüber, das LKA ermittelt auf eigener Schiene, plötzlich spielt eine Vorgeschichte aus 2007 eine wichtige Rolle. So viel Durcheinander sollte nicht sein.

Man überlegt, ob das Geschehen als Parodie aufzufassen ist, so mit dem Auftragskiller, der es nicht bringt, mit der Entdeckung des Schlüssels als Nebeneffekt einer Prügelei der Ermittler, mit den aggressiven Wortwechseln zwischen Katrin König und Bukow (sicheres Zeichen, dass sich bis zur übernächsten Folge etwas anbahnt), mit kaputten, entstehenden, enttäuschten Beziehungen, der Schwerpunkt des Films ist Beziehungskrise.

Miserables Handwerk

Phasenweise wird es spannend, klar, doch die innere Logik der Handlung bleibt brüchig. Die Drahtzieher wussten von Anfang an, dass Max Schwarz sein Gedächtnis verlieren würde, und ließen ihn deshalb zunächst am Leben? Hm. Die esoterische Schiene.

Dass es zwei bewaffneten Ermittlern nicht gelingt, einen Flüchtigen, der ihnen im Auto entgegenkommt, statt dass sie ihn erschießen, ihn durch Schüsse in den Reifen aufzuhalten, muss wohl deshalb so sein, weil noch eine Viertelstunde Film übrig ist. Der Schluss? Man möchte es nicht glauben, aber seien Sie versichert, es wird schlimmer.

| WOLF SENFF

Titelangaben
Polizeiruf 110 ›Sturm im Kopf‹
Ermittler: Charlie Hübner, Anneke Kim Sarnau
Regie: Christian von Castelberg
So., 1. März, 20:15 Uhr, ARD

›The Team‹ (ZDF), I-IV
Regie: Kathrine Windfeld
Sonntag, den 8./15./22./29. März, jeweils 22 Uhr; außerdem alle Folgen in der ZDF-Mediathek

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