/

Vierte Ausfahrt

TITEL Textfeld | Verena Stegemann: Vierte Ausfahrt

Ich liebe dieses grüne Haus im Nachbarort.
Wenn ich das passiere, wird langsam die Sitzheizung warm.
Glücklich die, die nie flüchten mußten, vor sich selbst, ihrer Zerrissenheit, dem Mangel an einem sinnerfüllten, inneren Ort.

Liebe kommt, Liebe geht, wie die Flöhe im Interrailer-Rucksack, wie die Sommer, die fast dreißig, die vorbeiziehen und im Vorbeirennen Tau aus to-go cups schlürfen.

Manchmal besuche ich fremde Friedhöfe und stelle mich vor irgend ein x-beliebiges Grab und kann meine Lethargie-Traurigkeits-Fresse dort Gassi führen. Das hat was von Betrug und Nervenkitzel. Sich ein Grab ausleihen um fehlgeleitete Emotionen rauszulassen… tz tz tz.. fühlt sich irgendwie verboten an. Und siehe dann da: Selbst Friedhöfe sind Reviere; die auf dem Land zumindest, kleine Gehege, und irgendwann finde ich mich umzingelt von misstrauischen Rentnerblicken, die mich mustern und taxieren. Ich strahle so etwas unglaublich Undurchschaubares aus, dass es die Rentner ganz wuschig macht.

Aber was erwarte ich. Ich bin lustig, aber keiner traut mir das zu.
»Den Kreisverkehr an der vierten Ampel verlassen«
ist wohl
die liebevollste Formulierung für
Dein Weg hat kein Ziel
Am besten zurückfahren
Soweit, bis du wieder im Bauch deiner Mutter bist

(Nur dein Hintern, wow, der ist heiß, heiß, heiß.)

| VERENA STEGEMANN

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Sounds From The Last Raw Era: New Album Reviews

Nächster Artikel

Lebenserhaltende Maßnahmen

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Drei Gedichte

Lyrik | Peter Engel: Drei Gedichte

Kiellegung eines Einfalls

Wenn er noch ganz formlos ist
und gerade erst geschlüpft,
gibt ihm ein tragendes Wort
den Grundstein, auf den setzen sich
weitere als Unterbau und Gerüst.

So arbeitet sich der Einfall
aus dem Ungefähren heraus
und nimmt seine Fassung an,
wird nach und nach deutlicher
und entwirft sich Sprachhaus.

Drei Gedichte

Lyrik | Peter Engel: Drei Gedichte

Der berühmte Lichtblick

 

Heute hat er sich wieder gezeigt

ein paar Minuten lang, war dann weg

für den Rest des ganzen Tags

und das aufwallende Herz

fiel zurück in seine Kammer.

Drei Gedichte

Textfeld | Wolfgang Denkel: Drei Gedichte

Schwerkraft

Leuchtgrüne Libelle, nadel-
dünn. Dein schimmernder
Flügel grüßt von so weit
her. Einst wollte auch ich
ihn mir wachsen lassen.

Das Meer in uns

Lyrik | René Steininger: In Margine Die Tier- und Pflanzenwelt steckt voller verborgener Bezüge, Erinnerungen und Schwingungen. Seltsame Allianzen ergeben sich da, von denen der Mensch, wenn er nicht Biologe ist oder affizionierter Fan von Grenzen normaler Sichtbarkeit und Hemdsärmelnähe überschreitenden Naturdokus, noch nie gehört hat. – Betrachtungen zu René Steiningers neuestem Lyrikband In Margine. Von ROBERT SCHWARZ

Wann, wenn nicht heute?

Lyrik | Vierzeiler der Woche – von Michael Ebmeyer  Durch die Servicewüste schleicht ein einzelner Fuchs