Brève apparition en France – des vies en musique…

Musik | Rétrospectivement: Chansonniers, Liedermacher, Folkmusiker, Popsänger in Frankreich

Auf der Suche nach aktuell nennbaren französischen Alben erinnere ich zunächst an einige Chansonniers der Vergangenheit. TINA KAROLINA STAUNER nennt so manche Namen, die viele sofort kennen …

french songsAus einer Musikerfamilie avancierte Sylvie Vartan in erfolgreiche Chanson- und Popwelten. France Gall lebt mit Beziehungen und erotischem Flair in Chansonerfolgen. In einfachem Schaustellermilieu wuchs Édith Piaf auf und wurde zum Showstar. Françoise Hardy performt als markante Yéyé-Pop- u Chansonsängerin und Songwriterin. Jacques Dutronc ist der Sänger, der mit Françoise Hardy verheiratet ist. Juliette Gréco zählte damals zum Umfeld der französischen Existenzialisten. Georges Brassens war nicht nur Sänger, sondern auch Dichter und Schriftsteller.

Der Belgier Jacques Brel sang in französischer Sprache, machte in Paris durch Lieder mit expressiven Momenten Karriere und wurde auch von anderen interpretiert. Der Song-Poet Léo Ferré galt als widerspenstiger Vertoner und Komponist. Temperament wurde Gilbert Bécaud nachgesagt. Serge Gainsbourg war als Chansonnier, Komponist und Autor immer wieder Provokateur. Die Stücke von Alain Souchon sind wie ein Mix aus Beat, Pop und Chanson. Soviel für Chansonliebhaber als eine kurze Rückblende auf einige Jahrzehnte der französischen Musikgeschichte.

Meilenstein des Avantgarde Rock in Frankreich: Les Rita Mitsouko

Les Rita Mitsouko nahmen Anfang des Jahres 1984 im Kölner Conny Plank-Studio das Debüt-Album ›Rita Mitsouko‹ auf. Zum Song ›Marcia Baila‹ für die Tänzerin und Choreografin Marcia Moretto wurde ein Video mit Kostümen von Jean-Paul Gaultier und Thierry Mugler auch im Museum of Modern Art gezeigt. Der Name Les Rita Mitsouko bedeutet im japanischen »mystisch«, dürfte sich beziehen auf die Schauspielerinnen und Tänzerinnen Rita Hayworth und Rita Renoir. Der Name ist auch ein Parfum der Firma Guerlain. Die Exzentriker Les Rita Mitsouko sahen sich in Relation zu Musikern wie David Bowie, Roxy Music oder auch Robert Smith und Marc Almond.

https://youtu.be/2QgG8H3xH1o

Les Rita Mitsouko existierte von 1980 bis 2008 und spielt avantgardistischen, punkigen Rock und Pop mit experimentellen Hip-Hop- Jazz- und Worldmusic-Elementen und theatralischen, ironischen Gesten. Das Duo aus Paris und Clichy bestand aus Catherine Ringer (Gesang, Bass, Komposition) und Frédéric Chichin (Synthesizer, Gitarre), die beruflich und privat ein Paar waren.

Sie standen anfangs in kleinen Lokalen und Clubs auf der Bühne, bevor sie Theater und Hallen bespielten. Und wurden schließlich sogar von Jean-Luc Godard beachtet. Nach dem Tod von Frédéric Chichin im Jahr 2007 veröffentlichte Catherine Ringer noch einmal alleine, beendete dann das Bandprojekt Les Rita Mitsouko und 2011 gab es die Solo-LP ›Ring’n Roll‹.

 
 

Nouvelle Scène Française: französischer retro-futuristischer Folk und Rock von Françoiz Breut und Johnny Hallyday

Françoiz Breut: Nouvelle Chanson

Folk, Rock und Retro gehört zur Arbeit der Songwriterin Françoiz Breut. Sie galt als eine etwas unnahbare, melancholische Musikerin und Sängerin. Nicht zu überhören waren eine langjährige Arbeitsbeziehung zu Calexico und Verwandtschaft zum amerikanischen Songwriting. Nicht so leicht konsumierbare Melodien und seltsame Inhalte gehören immer zu ihrer sperrigen Persönlichkeit und ihrem French Pop.

Mit dem britischen Produzenten Adrian Utley, der Gitarrist von Portishead ist, kreierte Breut nun für ›Zoo‹ eine versponnene Fabelwelt mit Tiergestalten in einer Klangwelt mit Mitmusikern. Schöner sind eigentlich ihre puristischeren, existenzialistischeren Americana-like Alben. Ihre derzeitige Phase hat etwas merkwürdig Fantasie- und Soundmäanderndes. Breuts einfach spröde Songs der Vorgänger-Alben gibt es aber immer noch.

Johnny Hallyday: Französischer Rock ’n‘ Roll

Von Sänger, Songwriter und Schauspieler Johnny Hallyday wurde 2015 ›De l’amour‹ veröffentlicht. Hallyday, der manchmal die Attitüde eines Rebellen mochte, lebt familiäre Beziehungen zum französischen und amerikanischen Showbusiness. In der deutschen Musikszene spielte er früher einmal mit Achim Reichel und den Rattles.

Johnny Hallyday liebt den Rock ’n‘ Roll. Und das Album ›De l’amour‹ bringt Chansons und Rock ’n‘ Roll auf nicht uncharmante Art und Weise zusammen. Sein unverkennbarer Stil sind amerikanisch klingende Chansons und französischer Rock ’n‘ Roll von schwer eigenwilliger Machart mit leicht kommerziellem Touch.

Weitere Folkdays aus der Nouvelle Scène Française demnächst: Et ça, c’est une autre chanson!

| TINA KAROLINA STAUNER
| Titelfoto: Rama, Les Rita Mitsouko f7692871, CC BY-SA 2.0 FR

Titelangaben
Les Rita Mitsouko: ›Rita Mitsouko‹
(Parlophone Label Group / Warner, 1987)
Françoiz Breut: ›Zoo‹
(Le Pop Musik / Groove Attack, 2016)
Johnny Hallyday: ›De l’amour‹
(Warner, 2015)

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

»Geheimnisse sind Lügen«

Nächster Artikel

Dämmerzustand, dauerhaft

Weitere Artikel der Kategorie »Platte«

The Practice Of Love And Other Tall Tales: New Release Reviews

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world With September and October’s usual slew of releases it can be easy to get lost in the onslaught of new wax hitting record store shelves. Who has the time these days to browse in ignorance, not knowing what it is they seek? That’s why I have done the hard work for you, sorting through the crap to bring you the best new records any discerning music fan needs in their life. This week we have the lush, languid rock of Moon Duo, the post everything pop of

Can We Have Some Mo’ Wax Please!

Bittles‘ Magazine | Mo’Wax Records While browsing in my local book shop the other day I came across the recently published ›Mo’Wax Urban Archaeology: 21 Years of Mo’Wax Recordings‹. A mighty tome of a book, it chronicles the life and times of this beloved label, through meticulous design, a lot of love and some beautiful artwork. For former beatheads like myself it is a wonderful read, and quickly makes you nostalgic for the plethora of great songs they released over the years. By JOHN BITTLES

Folkdays aren’t over … Daniel Kahn & The Painted Bird

Musik | Daniel Kahn & The Painted Bird: The Butcher’s Share Daniel Kahn & The Painted Bird mit ›Bad Old Songs‹: Jiddischlandgetönte Mitternachtsträume – »we grew to cross many borders, different roads, different homes« (Daniel Kahn). Von TINA KAROLINA STAUNER

Free Jazz & Free Space & Impro

Musik | ›Celebrate Ornette‹ Legende des Free Jazz, Harmolodics-Erfinder und Extrem-Ästhet Ornette Coleman lebt seit dem 11.06.15 nicht mehr. Er wurde 85 Jahre alt. Ergänzend zu seinem umfangreichen Œuvre gibt es in memoriam aktuell die Edition Box ›Celebrate Ornette‹. TINA KAROLINA STAUNER erinnert sich an eine seiner Shows der vergangenen Jahre und ihre Begegnung mit ihm beim Jazzfestival Saalfelden 2009.

Post-Truths And Skylax House Explosions: New Album Reviews

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world With a bumper package of great new albums by DJ Sprinkles, The Black Dog, Peshay, The Advisory Circle and more to review this week, we’ll skip the introductory bullshit and dive right in. By JOHN BITTLES