Romeos Vater stirbt. Er hat Krebs, austherapiert, nicht mehr zu machen. Das ist für alle eine schwierige Situation, für Vater, Mutter und den elfjährigen Romeo. Der zieht sich mehr und mehr in sich zurück – bis plötzlich ein Huhn auf dem Balkon vor seinem Zimmer auftaucht. Und das ist erst der Anfang. Von ANDREA WANNER
Romeo ist ebenso überrascht wie begeistert. Er streichelt das Tier, nennt das Huhn Tock und erfährt schon bald, dass Tock Teil der neuen Familie ist, die gegenüber eingezogen ist. Birk, der Vater, hat dort ein »Zentrum für Wachstum und Veränderung eröffnet«, außerdem leben dort ein Opa, Sam, ein älterer Junge mit einem blauen Transporter, und die jüngste der Familie, Jessi. Jessi taucht dann auch prompt am nächsten Tag mit ihrer Mutter in der Schule auf. Sie kommt in Romeos Klasse und ihre Mutter steckt in einer Urne. »Meine Mutter ist gestorben, als ich zwei war«, erklärt sie den anderen und Romeo ist einfach baff über so viel Direktheit.
Jessi hat ihm etwas voraus: ihre Mutter ist schon tot. Sein Vater noch nicht, aber vermutlich bald. Wie geht man damit um? Mit dieser letzten gemeinsamen Zeit, mit einer komplett überforderten Mutter, mit den eigenen Gefühlen und dem Knoten im Baum? In den neuen Nachbarn findet Romeo genau das, was er braucht: Zuneigung, Unterstützung und den Mut, Dinge zu wagen, von denen er nie geglaubt hätte, dass er das kann. Die niederländische Autorin begleitet das mit viel Empathie und Humor – und ohne etwas zu beschönigen. Es wird kein Wunder geben – aber trotzdem Zuversicht. Sie zeigt, dass man letzte Wünsche ernst nehmen muss, aber nicht immer wörtlich. Sie gibt einer tieftraurigen Geschichte viel Licht und Wärme, nicht zuletzt durch die verrückten Hühner – die die Illustratorin Stefanie Jeschke auf den Buchseiten picken lässt.
Solche Bücher braucht es. Solche Menschen, die auch Kinder und ihre Gefühle ernst nehmen und sie teilhaben lassen, auch wenn es schwierig wird, auch wenn das Leben eines geliebten Menschen zu Ende geht. Und Romeos Vater Arthur wird dann noch ein Denkmal gesetzt, das zeigt, das das Leben weitergeht, trotz allem.
Titelangaben
Jowi Schmitz: Ein Huhn kommt selten allein
(Kip op je kop, 2024). Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Mit Vignetten von Stefanie Jeschke
Hamburg: Carlsen 2025
208 Seiten, 14 Euro
Kinderbuch ab 10 Jahren
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Kleiner Fehler in der Rezension: Andrea Kluitmann ist die Übersetzerin, nicht die Illustratorin … Die Vignetten sind von Stefanie Jeschke (steht zumindest unten bei den Buchinfos).
Viele Grüße, Ulf
Vielen Dank für den Hinweis –
gerne haben wir den Fehler korrigiert!
Schöne Grüße vom
TITEL-Team