Er ist der beliebteste Superheld und gilt als der beste Detektiv der Welt. Was würde Sherlock Holmes dazu sagen? Der dunkle Ritter aus Gotham City, der den Verbrechern mit seiner Angst vor Fledermäusen das Fürchten lehrt: Batman. Scott Snyder und Nick Dragotta interpretieren den Dunklen Ritter in der Ära ›DC All In‹, in einer bis dato noch nie dagewesenen Weise. Von SEBASTIAN HEUSER
Man muss etwas ausholen, um das Universum zu erklären. In einem ›DC-All-In-Special‹ verbindet sich die böse kosmische Gottheit Darkside mit dem Rachegeist Spectre. Der Justice League gelingt es, die beiden wieder zu trennen. Dadurch gerät Darkside in eine Parallelwelt jenseits von Zeit und Raum. Diese Welt wird fortan zu seinem Reich, in dem bekannte Helden gegen größere Widerstände ankämpfen müssen als bisher. Eine Welt ohne Hoffnung mit vielen Herausforderungen.
Scott Snyder ist einer der einflussreichsten Batman-Autoren der Gegenwart und vor allem für seine düsteren Geschichten bekannt. Zusammen mit Nick Dragotta tobt er sich in dieser neuen Welt aus. Dragotta bringt Snyders Ideen mit seinen actionreichen Zeichnungen zu Papier und erweckt die dunkle Welt von Snyder und Darkside zu visuellem Leben. Dabei haucht er ihr, wenn auch nur etwas, Farbe ein.
Jenseits des Wayne-Imperiums
Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der Justice League – Superman, Flash, Wonder Woman oder Aquaman – hat Bruce Wayne keine Superkräfte. Diese kann er im Absolut-Universum also nicht verlieren. Als Batman muss er allerdings ohne seine finanzielle Superkraft, seine Milliarden, den Kampf gegen das Verbrechen aufnehmen. Er kann sich nicht jedes technische Spielzeug kaufen, das er benötigt, um seinen Gegnern immer einen Schritt voraus zu sein.
Ihm geblieben sind sein Ehrgeiz, seine körperliche Fitness und natürlich seine Intelligenz. Wie sonst ist es zu erklären, dass er es geschafft hat, technische Mechanik, Chemie, Kriminalpsychologie, Militärtheorie und soziokulturelle Geschichte zu studieren? Anschließend arbeitete er beim Elektrizitätswerk, bei den Wasserbehörden in der Kanalisation und absolvierte ein Praktikum im Rathaus.
Seinen Vater verlor er bei einem Attentat im Zoo. Seine Mutter lebt und kandidiert als stellvertretende Bürgermeisterin unter Jim Gordon, trotz der andauernden Gewalt der »Party Animals« gegen die Funktionäre von Gotham City. Da er nicht mit einem Butler, sondern bei seiner Mutter aufgewachsen ist, wurde die Figur Alfred Pennyworth anders in die Handlung integriert. Er fungiert als eine Mischung aus Erzähler und wird im Laufe der Handlung zu einem Mitstreiter.
Alte Bekannte und neue Ideen
Auf diese Weise werden auch andere Charaktere eingeführt: Selina Kyle, Harvey Dent und einige andere sind alte Freunde von Bruce aus Kindertagen und nehmen im späteren Verlauf wichtige Rollen ein. Sie treffen sich zum Kartenspielen oder bei anderen Gelegenheiten. Dabei gibt es immer wieder kleine Hinweise auf den Joker, den Riddler und Two-Face sowie deren Verbindungen untereinander. Ob und wie diese in Zukunft als Gegenspieler von Batman agieren oder in dieser verrückten Parallelwelt eine Allianz gegen etwas Größeres bilden, bleibt offen.

Viele Branchen fürchten sich vor künstlicher Intelligenz. Die Kreativen bei DC Comics scheinen davon nicht betroffen zu sein. Was Snyder, Dragotta und die anderen Kollegen im neuen Absolute-Universum von DC geschaffen haben, kann sich kein Prozessor ausdenken.
Titelangaben
Scott Snyder (Texte) / Nick Dragotta (Zeichnungen) u.a.: Absolute Batman
Stuttgart: Panini, seit 2025
72 bzw. 88 Seiten, je 9,99 Euro

