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Ein Abend voller Theaterlust

Bühne | 12. Karlsruher Theaternacht

Im Theaterhaus Karlsruhe am Mühlburger Tor tummelte sich die Menschenmasse. Kein Wunder: Schließlich befinden sich im Gebäude gleich drei Theater, das Sandkorn, das Jakobus-Theater und das Marotte Theater. Besonders gut an kamen dort ›Disco Queen – Im Fieber der 70er‹ am Sandkorn und ›Die Glasmenagerie‹ am Jakobus-Theater. Das Stück von Tennessee Williams war so beliebt, dass viele Neugierige den Abend über keinen Platz im Publikum fanden. Das Stück über des Autors eigene Jugend und Familie, ein Faszinosum der eigenen Familienkonstruktion fand Gefallen beim Publikum. Von JENNIFER WARZECHA

Schauspieler auf einer dunklen Theaterbühne. Im hintergrund stehen lebensgroße Buchstaben auf der Bühne.Bei der ›Disco Queen‹ fanden viele Interessierte auch keinen Platz. Diejenigen, die da waren, sangen bei bekannten Liedern wie ›YMCA‹ begeistert mit. Auch die zu der Zeit modernen Outfits wie Schlaghosen, Plateau-Schuhe, glitzernde Hosenanzüge, bunte Frisuren, schrille Farbmuster und heiß diskutierte Themen wie ›Schulmädchen-Report‹, Feminismus, Ölkrise und Willy Brandts Ostpolitik kamen gut beim Publikum an. Die Story an sich geht so: Es ist das Jahr 1978 in der Disco »Copacabana«. Alicia möchte heiraten, aber es mit ihrer Freundin Bettina vorher noch einmal so richtig krachen lassen. Ein Wettbewerb steht an, bei dem die »Disco Queen« gekürt wird. Ihre Pläne durchkreuzt Kim, der alles durcheinanderbringt und Bettina aufregt. Diese möchte ihre Freundin zur Besinnung bringen.

Wie die Liebesgeschichte und das Musical weitergehen, können Interessierte sich ab dem Freitag, 2. Oktober, um 19.30 Uhr, in der Sandkorn-Fabrik ansehen und sicherlich genießen. Auch im Dezember und an Silvester gibt es Aufführungen. Bei der Badisch Bühn erfuhr der Theaterbesucher in ›E vornehme Bagasch‹ noch einmal fiktional, was der Wohnungsmarkt zu bieten hat oder auch nicht. Unter der Regie von Holger Metzner zeigten Thomas Munz als Rentner und Hippie Rainer mit seiner Ehefrau Isabelle (beide überzeugten und sorgten stellenweise für Lachtränen: Nora Schwedes), welche Ansprüche man als modernes, alternativ denkendes und gekleidetes Paar heute an eine Wohnung hat. Tochter Sandra (ebenfalls witzig: Sabine Haffner) versucht, ihren Eltern zu helfen. Letztendlich bleibt vorerst die Wahl nach dem ersten Akt zwischen »Demenz-WG mit dem Vater« oder der »Sex-WG mit der Tochter«.

Vier Schauspieler auf einer TheaterbühneWie es weitergeht, erfährt man bis zum 3. Oktober. Beide Stücke lohnen sich sicherlich, anzusehen. Schade ist, dass der Besucher zwar mit einem Shuttle Bus die verschiedenen Theater anfahren und dann besuchen kann, die Spielzeiten und zeitlichen Abstände dazwischen einem oft nicht viel Zeit lassen bzw. durch Bahnverspätungen wiederum so viel, dass man gar nicht alle Theater besuchen kann. Manche Stücke finden gleichzeitig statt oder werden gar nicht bis zum Spielzeitende 23.30 Uhr gespielt. Dies bedauerte Besucherin Nicole Bentner: »Eine Planung im Voraus ist wichtig, um einen vielfältigen Theaterabend zu erleben. Gut gefallen haben mir an der ›Disco Queen‹ der Musical-Charakter und die lustigen Inhalte. Auch, dass das Publikum mitgesungen hat, hat mir gefallen. An der Disco Show fand ich ebenfalls die Kostüme schön und das Flair auf dem Dance Floor kam gut rüber.«

| JENNIFER WARZECHA

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