Mit Schild, Charme und Bizeps

Digitales | Games: Captain America

Captain America hat bereits eine lange Reise hinter sich. Während des Zweiten Weltkrieges erlebte er als Verteidiger Amerikas seine ersten Abenteuer und kämpfte gegen die Nationalsozialisten. Mit dem Ende des Krieges änderten sich zwar die Feinde, doch eins blieb immer gleich: Captain America verkörperte immer das Musterexemplar eines patriotischen amerikanischen Helden, der sich für sein Land und gegen Ungerechtigkeiten einsetzt. NORMAN VOLKMANN schaute dem Heroen dabei ein paar Stunden über die Schulter und sieht Parallelen zu einer bekannten Fledermaus.

Captain AmericaObwohl der Captain nun schon knapp 70 Jahre alt ist, hielt sich sein Bekanntheitsgrad außerhalb der Vereinigten Staaten in engen Grenzen. Dennoch bleibt er der einzige Held, der auf diese patriotische Weise funktioniert – auch wenn es Captains anderer Länder gab (sogar Hauptmann Deutschland hatte einen kurzen Auftritt in der Comicwelt).

Jetzt, da Marvel mit der geplanten Avengers-Reihe ein who is who der hauseigenen Helden auf dem Radar hat, bekommt auch der originale Captain einen neuen Film und präsentiert sich dem modernen Publikum. Seine Fähigkeiten stellte er aber auch schon Ende der Siebziger zur Schau: Filmperlen wie Captain America von 1979 brachten dem Helden allerdings kaum Ruhm. An der großartigen musikalischen Untermalung kann es nicht gelegen haben. Eins vorweg: In ›Captain America: Super Soldier‹ gibt es zum Glück kein Motorrad!

Wie schon bei den vorherigen Marvel-Veröffentlichungen von Thor und Green Lantern, wird bei ›Captain America‹ nicht einfach plump der Film nachgespielt. Das macht die Story in diesem Fall leider nicht außergewöhnlicher, aber immerhin lässt es dennoch Raum für Überraschungen. Cap gilt selbst bei den eigenen Truppen nur als Propagandafigur, der von der amerikanischen Regierung geschaffen wurde, um das Volk nachts ruhiger schlafen zu lassen. Er sieht gut aus, hat einen beeindruckenden Bizeps, doch an der Front sucht man ihn vergebens – so zumindest die Meinung der meisten Soldaten. Bei einem Angriff von HYDRA-Soldaten rettet er allerdings die Hintern einiger seiner Kameraden und macht im Anschluss eine Burg in den bayerischen Bergen unsicher.

Die Suche nach dem perfekten Soldaten

Captain America bekommt die Informationen, dass der deutsche Wissenschaftler Dr. Arnim Zola in Bayern versucht, mit dem Blut von Erzfeind ›Red Skull‹ Supersoldaten zu erschaffen. Etwas, das den Amerikanern mit Cap bereits gelungen ist. Um das zu verhindern, gilt es, sich durch die komplette Burg zu kämpfen und diverse Endbosse abzufertigen.

Ähnlich der Suche nach dem perfekten Soldaten, scheinen die Entwickler bei der Suche nach einem hochwertigen Spiel auch bei den besseren Veröffentlichungen abgekupfert zu haben. Mehrmals fühlte ich mich nämlich an Rocksteadys ›Batman: Arkham Asylum‹ erinnert. Das beginnt beim recht intuitiven Kampfsystem, das zwar zu keinem Zeitpunkt so flüssig daherkommt wie das des dunklen Ritters, aber dennoch unterhaltsam und nachvollziehbar ist. Daneben erfüllt Caps berühmtes Schild eine ähnliche Funktion wie die Batarangs und kann, durch Upgrades, mehrere Gegner auf einmal ausschalten.

Die Nase vorn hat der Captain im direkten Vergleich aber bei der Akrobatik. Wo sich die Fledermaus hauptsächlich auf seine Technik verlassen muss, kann Cap mit Salti und Sprüngen überzeugen. Die Sprungpassagen hätten aber durchaus etwas schwieriger gestaltet werden können. Nur stumpf den A-Knopf zu drücken, um von Stangen und Vorsprüngen zu höher gelegenen Punkten zu kommen, wird einem Vorzeigehelden kaum gerecht.

Offene Welt mit Grenzen

Um die Pläne von Red Skull und den HYDRA-Soldaten zu vereiteln, muss das Schloss erkundet und übernommen werden. Dabei kann man das riesige Anwesen nach eigenem Belieben erforschen und nach verschiedenen Gegenständen suchen, die zusätzliche Inhalte freischalten. Versteckte Filmrollen bringen die Gegnertypen näher und legen deren Schwachstellen offen. Frei begehbar ist das große Gelände trotzdem nicht. Bei aller Akrobatik und Kraft wundert es da zum Beispiel, dass der Captain bei bestimmten Vorsprüngen gegen eine unsichtbare Wand läuft oder selbst kniehohe Zäune nicht überwinden kann.

Da Comicverfilmungen gerade ein Hoch erleben und die Helden auch wieder Konsolen stürmen, ist es schön, dass bei ›Captain America‹ nicht das Gefühl durchsickert, nur ein liebloses Lizenzspiel serviert zu bekommen. Der Genreprimus aus Gotham City wird zwar dabei nicht vom Thron geschubst, doch ein paar vergnügsame Stunden bereitet auch der Soldat in Rot, Weiß und Blau.

| NORMAN VOLKMANN

Titelangaben
Captain America: Super Soldier
Entwickler: Next Level Games
Publisher: Sega
Release: Erhältlich seit 15. Juli 2011
Plattformen: Playstation 3, Xbox 360, Wii, Nintendo 3DS
Genre: Action
USK: 16

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