/

Waldgesänge

Digitales | Games: Fe

Die Geräusche des Waldes sind genauso prägnant wie seine Eindrücke für Augen und Ohren. Doch in ›Fe‹ drohen der Wald und seine Bewohner zu verstummen. Um das zu verhindern, hat FLORIAN RUSTEBERG mit Wölfen geheult, mit Vögeln gesungen und mit Hirschen geröhrt. 

Welcher Gattung die Kreatur »Fe« im gleichnamigen Spiel angehören soll, wird nie so ganz klar. Die kleine Gestalt erinnert an einen Fuchs, weist aber auch Merkmale eines Igels oder eines Flughörnchens auf. So wichtig ist das nicht.  Vielmehr bietet die Lage, in der es sich befindet, Grund zur Sorge. Denn im Wald ist es still geworden, statt einer Symphonie der Tierstimmen durchbrechen nur Fes eigene Laute die Dumpfheit der stummen Welt. Schnell wird auch klar, warum, denn mysteriöse Gestalten nehmen einen Hirsch, mit dem wir über Gesang kommuniziert haben, vor unseren Augen gefangen. In einem sphärenartigen Käfig schweigt nun auch er. Was genau den schweigsamen Bösewichten in Rüstung an den Klängen der Waldtiere missfällt, bleibt stets nebulös.

Mit der Zeit, in der Fe durch den schummerigen Wald hüpft und gleitet, finden sich mehr und mehr bruchstückhafte Hinweise auf die Hintergründe der Geschehnisse. Da das Spiel komplett auf eine non-verbale Erzählstruktur setzt, müssen sich Spieler die ganze Geschichte aber aus Gesten und vielen Felsmalereien zusammenreimen. Diese Malereien sind zahlreich über die Spielwelt verteilt, die anfangs zwar prinzipiell offen ist, aber sich erst durch neue Fähigkeiten Fes erschließen lässt. Die wichtigste Fähigkeit ist der Gesang, durch den wir mit den Tieren Freundschaft schließen können und Hilfe erhalten. Im Verlauf der Reise kommen weitere Tierdialekte hinzu. Der Gesang der Vögel erlaubt es, sich von manchen Exemplaren tragen zu lassen und propellerartige Gewächse zu aktivieren.

Über das stimmliche Kommunizieren hinaus kann Fe Fähigkeiten wie das Erklettern von Bäumen oder den Gleitflug erlernen. Die Kombination aus beiden Talentsträngen eröffnet den Weg in neue Abschnitte. Dabei bleibt das Spiel überraschend linear und führt den Spieler unterschwellig in die gewollte Richtung. Aber einmal vom Weg abgekommen fällt es schwer, das aktuelle Ziel wieder in den Blick zu fassen.

Mit seiner künstlerischen Präsentation und dem bewusst deutungsbedürftigen Geschehen auf dem Bildschirm knüpft Zoinks ›Fe‹ bewusst an Spiele wie ›Journey‹ oder ›Last Guardian‹ an. Für ihr erstes, größeres Projekt wird das schwedische Entwicklerteam durch Electronic Arts »EA Originals« vermarktet, mit dem der Branchenriese kleinere Indie-Titel unterstützen möchte. Bereits mit Unravel zeigten die Verantwortlichen ein geschicktes Händchen. Auffällig, dass beide Titel aus Skandinavien stammen.

Wald, Sumpf und Höhlen in der nordisch inspirierten Welt von ›Fe‹ bieten wenig Abwechslung und sind aus texturarmen Flächen geformt. Die ebenso einfachen Bäume setzen sich wenig von der Tristesse einer Umgebung ab, die wie ein Fotonegativ wirkt. Auffallend gefärbt sind besondere Pflanzen, mit denen Fe interagieren kann.

Das wichtigste Werkzeug für die Stimmung ist jedoch das Licht. Dessen Farbe und Intensität spielen zusammen mit der musikalisch minimalistischen Untermalung die Hauptrolle in diesem Kunstwerk. Die Welten, durch die Fe streift, erstrahlen in orange, violett, blau und weiteren Nuancen. Ebenso wird die Intensität der Beleuchtung genutzt, um die passende Atmosphäre für den Moment zu kreieren, sei es nun traurig, bedrohlich oder beschwingt fröhlich.

Fazit

Frohsinn wird so manchem Spieler aber anhand der hakeligen Steuerung vergehen. Das Hüpfen von Baumwipfel zu Baumwipfel ist sehr fehleranfällig und die ungenaue Steuerung von Fes Gleitflug kann einen zum frustrierten Schweigen treiben. Dabei sind wirkliche Schwierigkeiten in ›Fe‹ eher rar gesät und stellen an sich niemanden vor eine große Herausforderung. Nach gut 5 bis 6 Stunden liegt ein Spielerlebnis hinter einem, das weniger durch das Spielen an sich als durch seine Inszenierung zu überzeugen weiß.

|FLORIAN RUSTEBERG

Hat gefallen
  • Interessante Welt, die erkundet werden will
  • Spielerische Freiheit
  • Stimmige, verträumte Atmosphäre…
Hat nicht gefallen
  • …die auf sehr schlichten Details beruht
  • Hakelige Steuerung
  • Spieler können leicht die Orientierung verlieren

 

 

70%

Titelangaben
Fe
Zoink und Electronic Arts
erhältlich für Xbox One, PS4, Switch und PC

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Alles ist in Bewegung

Nächster Artikel

FOLKDAYS…Shannon Wright – ambivaletes Lebensgefühl im Musikerinnen-Dasein

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Halb-göttlich, voll-zornig

Digitales | Games: Asura’s Wrath Für diesen jungen Mann muss der Begriff »anger management« völlig umgedeutet werden – denn, wenn jener kräftige Kerl erst einmal in Rage geraten ist, gibt es kein Halten mehr. Vorbei die Zeiten, in denen Kerle vor Wut ein Handy gegen die Wand warfen – hier geht es um Zerstörung im intergalaktischen Maßstab. RUDOLF INDERST schaut vorsichtig um die (Planeten-)ecke. PDF erstellen

Tiny Metal: Full Metal Rumble

Digitales | Games: Tiny Metal: Full Metal Rumble Die niedliche Kriegs-Simulation geht in die zweite Runde. Das kleine Indie-Studio Area35 verspricht eine noch größere, epischere und insgesamt »metallenere« Erfahrung als im ersten Teil. Wir haben uns auch diesmal auf den Kriegspfad begeben und teilen unsere Erlebnisse mit euch in diesem Test. Von PHILIPP LINKE. PDF erstellen

Touristen im Kugelhagel

Digitales | Games: Bulletstorm Neulich des Nachts sah ich auf einem Privatsender die – zugegeben etwas spekulative – Dokumentation ›Zukunft ohne Menschen‹. Das eigentlich Interessante waren die Computeranimationen, die zeigten, wie sich die Natur Stück für Stück die städtischen Errungenschaften der Menschen zurückerobert. Mit Epics neuem Shooter ›Bulletstorm‹ hat diese Bilderflut natürlich ihre Faszination auf einen Schlag verloren. Denn hier zeigt sich Mutter Natur von ihrer widerlich-schönsten Seite! RUDOLF INDERST gibt da nur zu gern den Pauschaltouristen. PDF erstellen

 »Du hast mich enttäuscht, mein Sohn!«

Digitales | Games: Größte Enttäuschung und Digitale Spiele Wieder einmal steckten die ›TITEL‹-Jungs und -Mädels die Köpfe zusammen und überlegten gemeinsam, was für sie die größten Enttäuschungen im Bereich der digitalen Spiele in den letzten Jahren waren. Einmal angefangen kommt da einem so manche Soft- und Hardwaregurke in den Sinn. Hypes wie Faust III oder Titanic II sind dagegen Kleinkram … PDF erstellen

Fall der Titanen

Digitales | Games: Titanfall 2 Vom Himmel fallende stählerne Einweg-Kampfmaschinen – bewaffnet mit großen Wummen. Was wie der schweißgebadete Alptraum eines Pazifisten klingt, ist die Quintessenz des Shooters ›Titanfall 2‹. Völlig losgelöst vom Pfandsystem hat sich FLORIAN RUSTEBERG in die Materialschlacht ohne ökologisches Gewissen gestürzt. PDF erstellen