Willkommen im Kopf eines Besessenen

Digitales | Games: Driver San Francisco

John Tanner ist zurück! Also, zumindest für ein paar Minuten. Dann kracht es nämlich gewaltig und der Polizist mit dem Bleifuß fällt ins Koma. Wo bei anderen das Abenteuer vielleicht jetzt schon vorbei wäre, geht es bei Tanner aber erst richtig los. NORMAN VOLKMANN hat sich in den Kopf eines besessenen Polizisten gewagt und hat seinen Aufenthalt genossen.

Driver SFDie ›Driver‹-Reihe gibt es nun schon seit über 10 Jahren. Nach dem letzten Teil, ›Driv3er‹, der eher an einen technisch schwachen ›GTA‹-Verschnitt erinnerte, besinnt sich das Entwicklerteam Reflections wieder auf die Wurzeln der Serie und lässt Tanner nicht aus dem Auto. Trotzdem kann der Gesetzeshüter sein Fahrzeug während der Fahrt wechseln. Die neue Shift-Funktion erlaubt es während halsbrecherischer Verfolgungsjagden oder Straßenrennen aus Tanners Körper zu flüchten und sein Ich in den Körper eines Fremden zu bringen. Aus der Vogelperspektive sieht man San Francisco unter sich und kann jedes beliebige Fahrzeug auswählen: Schulbusse, Sportwagen oder Oldtimer – darunter eine Unmenge an lizenzierten Fahrzeugen.

Please, come in …

Durch das Shiften begibt man sich in aus dem gelben Dodge in die Körper verschiedener Personen, die man in einigen Fällen auch mehrmals trifft und die das Missionsdesign interessanter machen. Die zwei asiatischen Hobby-Rennfahrer, die sich immer tiefer in Schwierigkeiten fahren, bleiben zum Beispiel in Erinnerung, da die Entwickler immer wieder witzige Dialoge eingebaut haben und auch während Missionen für den ein oder anderen Schmunzler sorgen. Shiftet man sich in den Körper eines erfolglosen Fahrschülers, kann das für den Fahrlehrer schnell zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Ermöglicht wird diese Fähigkeit dadurch, dass John Tanner im Koma liegt. Charles Jericho, Tanners Professor Moriarty, ist aus dem Gefängnis entkommen und hat, wie es sich für einen ordentlichen Bösewicht nun mal gehört, auch einen diabolischen Plan ausgeheckt. Bei dem Versuch ihn zu stoppen, rast ein gepanzerter Polizeiwagen in Tanners Dodge Challenger und knipst seine Lichter aus. Fortan geht das Spiel in der Traumwelt des Polizisten weiter. Die Logik der Story verkriecht sich dabei zwar an einigen Stellen, aber im Kopf eines Menschen ticken die Uhren nun mal anders. Den einen oder anderen logischen Aussetzer kann man verzeihen, denn dem Spielspaß schadet das nicht.

Die guten alten Zeiten

Einen kleinen Zusatz für all diejenigen, die gerne in der Vergangenheit schwelgen, haben die Entwickler sogar versteckt eingebaut. Wer sich noch an ›Zurück in die Zukunft‹ erinnern kann, der sollte sich einfach mal den DeLorean DMC-12, den man im Laufe des Spiels freischalten kann, schnappen und eine Spritztour machen. Bei der richtigen Geschwindigkeit kann die Zeitreise dann losgehen.

Grafisch ist ›Driver‹ aber trotz allem im Hier und Jetzt angekommen, auch wenn gerade die Umgebungen teilweise recht blass und platt wirken. Umso schöner lassen sich dann die Karossen der Fahrzeuge anschauen – auch, oder besonders, wenn sie schon die eine oder andere Delle haben. Besonders beeindruckend sind aber die kinoreif inszenierten Zwischensequenzen. Vor und nach den meisten Missionen wird so die Handlung vorangetrieben. Die ist zwar insgesamt etwas kurz geraten, durch die vielen Nebenmissionen ist in San Francisco aber immer etwas zu tun. Auch spezielle Movie-Herausforderungen haben ihren eigenen Charme und ließen sich von Verfolgungsjagden berühmter Filme der 70er Jahre inspirieren.

Und dann ist da ja auch noch der Mehrspieler-Modus, der Spieler, die mit einem Bleifuß gesegnet sind, ebenfalls mehrere Stunden fesselt. Durch das Shiften und neue, für den Multiplayer exklusive Attacken, ergeben sich spannende und hart umkämpfte Rennen. Klassische Mehrspieler-Modi wie Capture the Flag oder Team-Rennen fordern.

Driver San Francisco die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln mehr als gelungen. Das ist allerdings nicht nur dem Retro-Charme einiger Herausforderungen und den Anspielungen an den ersten Teil geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass man geschickt Neuerungen einbauen und durch das Shiften ein neuartiges Konzept erschaffen konnte. Der Mehrspieler-Modus, den es zum ersten Mal in der Driver-Reihe gibt, reiht sich da nahtlos an und bietet mit freischaltbaren Zusatzinhalten auch nach der Kampagne noch lange Spaß in der Bay Area.

| NORMAN VOLKMANN

Titelangaben
Driver San Francisco
Entwickler: Ubisoft Reflections
Plattformen: PC, PS3, Xbox 360, Nintendo Wii
Genre: Rennspiel
USK: 12
Spieler: 1-2 / Online 2-8

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