In Transit

Digitales | Games: Limbo

Mit Limbo kommt eines der spannendsten Indie-Games des letzten Jahres auch auf den PC. Grund genug für DENNIS KOGEL sich das dänische Spiel noch mal anzuschauen.

LimboÜber Limbo zu schreiben kann problematisch sein. Genaugenommen passiert nämlich nicht viel in dem dänischen Plattformer. Ein kleiner Junge läuft in einer bedrohlichen monochromen Welt von links nach rechts, weicht Gefahren aus, hüpft über Abgründe, löst Puzzles mit Kisten und Schaltern – und stirbt und stirbt und stirbt tausend Tode.

Belässt man es auf der Beschreibung der einzelnen Bestandteile des »Spiels« ›Limbo‹, so klingt das nicht besonders nach dem beeindruckenden, wichtigen und klugen Indie-Hit, den die Spielepresse herbeigeschrieben hat. Es klingt nach so gut wie jedem zweiten Indie-Game.

Das aber würde ›Limbo‹ nicht gerecht werden. Es ist nämlich größer als seine Bestandteile. Ja, ›Limbo‹ ist ein Plattformer, es zitiert aber nicht ›Super Mario Bros.‹ sondern »Cinematic-Platformers« wie ›Another World‹ oder ›Heart of Darkness‹, in denen Stil immer wichtiger war als reine Hüpf-Mechaniken und in denen wiederholte und plötzliche Protagonistentode zum Standard gehörten.

Monochrome Dichte

Was ›Limbo‹ spannend macht, sind nicht die (gar nicht mal so unfairen) Puzzles und auch nicht das von Kieron Gillen verachtete und von John Walker gelobte Design der Fallen, das mit den Erwartungen der Spieler spielt, sondern das Drumherum. Das Sound-Design, das gekoppelt mit der absolut feindlichen Welt eine befremdliche Erfahrung von Einsamkeit und Verletzlichkeit auslöst.

Umso überraschender deshalb, dass so viel von ›Limbo‹ inspirierte Kritik sich in Mutmaßungen über den bewusst fehlenden »Plot« geäußert hat – ein kleines Denkmal für unser ständiges Bestreben aus jeder Folge von Ereignissen eine Geschichte zu erstellen. Es spielt gar nicht so eine große Rolle, warum der Junge von links nach rechts läuft.

Es ist aber ›Limbos‹ dichtem Design geschuldet, dass das Zusammenspiel aus Sound, Grafik und den Toden des kleinen Protagonisten einen so großen Effekt hat. Es ist ein Spiel, dessen Reise durch die monochrome Schattenwelt immer auch eine Erforschung des Selbst darstellt. ›Limbo‹ sollte auf keinen Fall verpasst werden.

| DENNIS KOGEL

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Harry lässt das Zaubern nicht!

Nächster Artikel

Mit Schild, Charme und Bizeps

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Wenn der Zombie zweimal klingelt …

Digitales | Games: Dead Island Sonne, weiße Strände und türkisfarbenes Wasser – das klingt erst einmal nach der perfekten Urlaubsidylle. Kombiniert man das allerdings mit Zombies und ganz viel Blut, sieht das Bild schon anders aus. Nachdem die Untoten ihr Unwesen sonst eher auf dem Festland treiben, geben sie in ›Dead Island‹ ihr Debüt im sonnigen Paradies. NORMAN VOLKMANN ließ sich auf Banoi die Sonne auf den Bauch scheinen und amputierte fleißig Gliedmaßen infizierter Urlauber.

Im Land der Giganten

Digitales | Games: Shadow of the Colossus Die Bezeichnung »Koloss« lässt die meisten Europäer wohl instinktiv an den Koloss von Rhodos denken, eine Bronzestatue, die dem Sieg der Rhodier gegen den Erorberer Demetrios I. Poliorketis Tribut zollte. Dieses antike Weltwunder wurde jedoch bereits im dritten Jahrhundert vor Christi Geburt infolge eines Erdbebens zerstört. Das japanische Entwicklerstudio Team ICO widmete sich in dem 2005 unter Sony Computer Entertainment erschienen ›Shadow of the Colossus‹ der Faszination kolossaler Bossgegner, welche die Hauptrolle im damals noch exklusiv für die Playstation 2 erschienenen Spiels einnahmen. Am 7. Februar 2018 erschien die von Blupoint Games überarbeitete HD-Version

Wehret den Anfängen!

Digitales | Games: Dragon Quest XI Gerade einmal ein Jahr nach Veröffentlichung der japanischen Originalversion findet sich der elfte Teil der langlebigen ›Dragon Quest‹-Reihe nun auch in unsere Gefilde ein und begeistert durch einen Mix aus detailverliebten Nostalgieeffekten und unverblümtem Witz. Doch was steckt hinter diesem Erfolgskonzept? – Ein Review von DANIEL MEYER.

Prolog einer neuen Welt

Digitales | Games: Kingdom Hearts 2.8: The Final Chapter Prologue Manchmal kann es wirklich schwer sein, ein episodisches Spiel objektiv zu behandeln, tragen wir doch alle ab einem gewissen Zeitpunkt eine Art (rosarote) Nostalgiebrille mit uns herum. Umso schwieriger wird es, wenn diese Brille, wie im Falle ›Kingdom Hearts‹, bereits seit 15 Jahren auf unserer Nase sitzt. Die Sicht beginnt langsam zu verschwimmen, die Bügel wollen nicht mehr richtig sitzen – und dennoch! Irgendwie irgendwie möchten wir sie dann doch nicht einfach so abnehmen. Findet DANIEL MEYER.

Von blauen Bären und leeren Lobbies

Digitales | Games: Might & Magic: Clash of Heroes ›Clash of Heroes‹ ist eines der besten Puzzle-Taktik-Spiele, die es zurzeit gibt und, ach, je gegeben hat. Es ist vor allem aber auch ein brillantes Beispiel, um zu zeigen, wie sehr ein Multiplayer-Titel von richtigem Support abhängt, um erfolgreich zu sein. Von DENNIS KOGEL