Schießeisen statt Schokoriegel – Der Mars macht mobil

Digitales | Games: Red Faction: Armageddon

Bereits zum dritten Mal dürfen Spielerinnen auf dem Mars die Fetzen fliegen lassen. Sprichwörtlich, denn die Reihe ist u.a. dafür bekannt, dass eine grundlegende Deformation der Spielwelt möglich ist. Diesmal geht es allerdings nicht wie in den Vorgängern um menschlich-politische Machtspiele, sondern um ein anderes Problem. Die Ur-Einwohner des Planeten machen sich bemerkbar, und offensichtlich haben sie eine Vorliebe für Menschenfleisch. RUDOLF INDERST widmet sich der Siedlerproblematik.

Red FactionEndlich, Leben auf dem Mars! Aber muss dieses denn gleich so fies sein? Kein Gedankenaustausch? Keine Gespräche über Kunst, Kultur und Wirtschaftsabkommen? Nein, stattdessen werden die fleißigen Terraformer Opfer einer insektiziden Heerschar, welche wiederum – leichtsinnig, leichtsinnig – von seltsamen Kultanhängern befreit werden. Da dieselbe Bande zuerst die großen Atmosphärengeneratoren auf der Mars-Oberfläche sabotiert und somit die ehrlich schuftenden Arbeiter unter die Erdoberfläche, sprich in finstere Höhlen, gedrängt werden, hat es das Geziefer noch einmal leichter.
 
Zum Glück übernehmen Spieler die Rolle von Darius Mason, einem Nachfahren der Familie Mason, die schon seit Teil 1 auf der Playstation 2 auf dem Roten Planeten das Heft in die Hand nimmt. Durch das Höhlensetup ist auch der Open World-Gedanke begraben worden, der Teil 2, ›Red Faction: Guerilla‹, auszeichnete. Es ist davon auszugehen, dass mit diesem Konzept schlichtweg zu wenig Kasse gemacht wurde, obgleich doch der »Wrecking Crew«-Modus recht viel Spaß machte und der Mehrspielermodus unterschätzt wurde. 
 
Dennoch: Auch diesmal kommt der geneigte Handwerker (in den teilweise arg linearen Levels) nicht zu kurz – das Schlagwort lautet Nano Schmiede. Ein Wunderwerkzeug, das nicht nur einen Schutzschild darstellt oder Druckwellen abfeuern kann, sondern auch noch Reparaturen kaputter Apparaturen und Gegenstände selbstständig durchführen kann. Später erfreut dann das Magnetgewehr Spieler mit morbiden Gelüsten. Alleine durch diese beiden Artefakte hebt sich der Titel von anderen Shootern ab. Recht bekannt wiederum unter Genrefreunden sollte der sogenannte »Infestation«-Modus sein, bietet er doch klassische »Horde«-Kost, bekannt aus ›Gears of War 2‹.

Verkommen

Publisher THQ hat sich zum Start des Spiels etwas sehr Nettes einfallen lassen, das mich als Machinima-Freund sofort in den Bann zog. Eine fünfteilige Serie, die sich zeitlich direkt vor dem eigentlichen Spiel zuträgt und in Original-Spielegrafik gehalten ist. Und man legte noch etwas als Bonus oben drauf, auch dieser Umstand macht mich als Freund von B- und C-Sci-Fi scharf wie eine Flex: In Zusammenarbeit mit der ArtHouse-Schmiede ›SyFy-Channel‹ liefern die Macher einen Spielfilm namens ›Red Factions: Origins‹ ab, gegen den Paul Andersons ›Mortal Kombat‹ ein wahrer ›Citizen Kane‹ sein dürfte. 
 
Leider entfernt sich die Spiele-Serie zunehmend von dem recht interessanten Motiv des zyklischen Auftretens von Tyrannei – Revolution – Tyrannei, welches zweifelsohne gerade in Teilen Afrikas oder Lateinamerikas realpolitisch immer wieder gespiegelt wird. Dabei »verkommt« der neue Teil zu einem reizvollen Physik-Shooter, der es dennoch im Action-Genre sehr schwer haben dürfte, da sich in diesem viele Optik-Hochkaräter die Klinke in die Hand geben.

| RUDOLF INDERST

Titelangaben
Red Faction Armageddon
(bereits erhältlich)
Developer: Volition, Inc.
Publisher: THQ, Syfy Games
Plattformen: Microsoft Windows, PlayStation 3, Xbox 360, OnLive
Genre: Third-person shooter

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Ungewaschene Götter auf dem Nerd-Olymp

Nächster Artikel

Der Roman als Dolmetsch eines russischen Jahrhunderts

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Hacking Is Our Weapon!

Digitale Spiele | Watch_Dogs Mit Watch_Dogs hat der Publisher Ubisoft (Assassins Creed, Far Cry) 2012 ein Spiel in den Next-Gen-Konsolenkrieg geschickt, das scheinbar perfekt auf den aktuellen Zeitgeist zugeschnitten war. Doch der Launchtermin des heiß ersehnten Titels wurde immer wieder verschoben, es kamen sogar Gerüchte auf, der Titel würde überhaupt nicht mehr erscheinen. Zwei Jahre sind vergangen, Frieden ist eingekehrt und Watch_Dogs traut sich endlich an die Öffentlichkeit. Ob sich das Warten wirklich gelohnt hat, verrät CLAS DÖRRIES.

Zum Posthumanismus in fiktionalen Texten

Digitalspielkultur | Im Gespräch mit Ann-Kathrin Günther

Viele Spielstunden brachte RUDOLF INDERST in einem fiktional-dystopischen Detroit zu – daher war die neue Lektüre von Ann-Kathrin Günther für ihn auch besonders spannend.

In Sovjet Russia …

Digitales | Games: Metro 2033 / S.T.A.L.K.E.R Der humoristische Kunstgriff, genannt »Russian Reversal«, ist in Deutschland weitgehend unbekannt, aber schnell erklärt: »In capitalist America, you can always find party. In Sovjet Russia party always finds YOU!« PETER KLEMENT hat sich in den digitalen Postapokalypsen ›Metro 2033‹ und ›S.T.A.L.K.E.R‹ dem Überlebenskampf gestellt und wichtige Erkenntnisse erlangt.

Locked In

Digitales | Games: NBA 2k12 Als Fan der amerikanischen Basketballliga NBA hat man es dieser Tage nicht leicht. Anstatt der Vorbereitungsspiele und dem ersten Kräftemessen der 30 Teams, ist der Lockout das Thema Nummer eins. Alle Spiele im November wurden bereits gestrichen, bis weitere Spiele folgen, ist es ohne eine Einigung eigentlich nur eine Frage der Zeit. Doch auch wenn es in diesem Jahr wohl kein Spiel mehr in der amerikanischen Profiliga geben wird, ›NBA 2k12‹ liefert all das, was man an dem Sport liebt – und dazu noch einen weiten Blick in die ruhmreiche Vergangenheit der besten Spieler aller

Pikachu-Prügelspaß

Digitales | Games: Pokémon Tekken Die niedlichen Taschenmonster werden handgreiflich – in einem effektvollen Schauspiel nach traditioneller Beat ’em up-Manier. Ursprünglich exklusiv für japanische Spielhallen entwickelt, landet ›Pokémon Tekken‹ (PT) jetzt auf Nintendos Heimkonsole. Während unseres Tests musste nicht nur Pikachu jede Menge Prügel einstecken. Von PHILIPP LINKE.