Was dahinter steckt

Kinderbuch | Sutherland de la Cruz/Veras: Der Huträuber

Was gibt es Schöneres als ein Geheimnis? Eine merkwürdige Geschichte, bei der man sich neugierig fragt, was dahinter steckt? Genau so eine Geschichte erzählen und zeichnen Susana Sutherland de la Cruz und Rafael Vivas mit in ihrem poetisch-skurrilen Abenteuer Der Huträuber. Von MAGALI HEISSLER
Sutherland de la Cruz/Veras: Der Huträuber
Einen Hut zu haben, ist etwas Feines. Denkt etwa Don Alfredo. Er ist ein vornehmer Herr und trägt eine richtige Melone. Doch plötzlich kommt ein Windstoß und die Melone ist verschwunden. Fräulein Frieda verliert ihren Sommerhut und gleich darauf steht eine ganze Hochzeitsgesellschaft ohne Hüte da. Der Dieb macht selbst vor dem Brautschleier nicht halt. Was für ein Bösewicht!

Natürlich beschweren sich alle und Kommissar Pepe bekommt alle Hände voll zu tun. Jede will den Dieb gesehen haben, aber tatsächlich weiß niemand, wie er aussieht. Und warum er ausgerechnet Hüte stiehlt. Wo versteckt sich die Lösung? Wer hinauf in den Himmel schaut, kommt der Sache allmählich auf die Spur.

Von den großen Zusammenhängen

Man ist gleich mitten im Geschehen. Sutherland de la Cruz hält sich nicht mit langen Worten auf. Kaum taucht ein Hut auf, ist er gleich weggeblasen. Aber es gibt keine Wirkung ohne Ursache und so hat auch der Diebstahl der Hüte seinen Grund. Dieser wiederum könnte kaum überraschender sein. Im Handumdrehen hat sich die Geschichte von einem Slapstick-Abenteuer in einen kleinen Umwelt-Krimi verwandelt. Die Hüte werden nämlich gebraucht. Anderswo, weit außerhalb der Stadt und zu einem ganz wichtigen Zweck. Auf einmal blicken wir auf die großen Zusammenhänge, das, was die Welt am Leben hält. Erzählt wird mit viel Zuneigung und einer angenehm sanften Fürsorge in poetischen Wendungen, die mit Frische auch in der schönen Übersetzung überraschen.

Bebilderter Text, Bilder aus Worten

Die Zusammenarbeit von Autorin Sutherland de la Cruz und Illustrator Rafael Veras ist sehr eng in diesem Buch. Die Illustrationen breiten sich großzügig über die Seiten aus, reduziert auf einfache Formen, beschränkt auf wenige Farben. Rot- und Brauntöne wechseln sich ab mit Blau – und Grauschattierungen. Sichtbar ist immer auch der Wind, der heimliche Held dieser ein bisschen verrückten Geschichte. Er lässt nicht nur Röcke und Anzugsäume flattern, er bewegt auch die Buchstaben. Sätze fliegen auseinander, biegen sich, schweben hinauf und bilden ihrerseits Muster. Ranken, Stäbe, Schlangenlinien wachsen aus dem Textblock. Die Hüte schweben davon, aber auch ihre jeweiligen Namen in Buchstaben gesetzt treiben durch die Luft. Jede Seite wird lebendig, der Text biegsam. Worte und Bilder wirken wie ein Echo. Das macht das Buch auch für erwachsene Bilderbuch-Enthusiastinnen sehr reizvoll.

| MAGALI HEISSLER

Titelangaben
Susana Sutherland de la Cruz/Rafael Veras. Der Huträuber (El ladrón de sombreros, 2008)
Aus dem Spanischen übers. von Rosemarie Griebel-Kruip
Müchen: mixtvision 2013
32 Seiten, 13,90 Euro
Bilderbuch ab 5 Jahren

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