Schwarzer Gürtel im Sonnenuntergang

Musik | Toms Plattencheck

Achtung, dein KungFu ist nicht MyKungFu; soll heißen: falls jemand ein neues Lebenszeichen des Selig-Nachfolge-Projekts KungFu erwartet, ist er hier falsch. Von TOM ASAM

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MyKungFu ist eine englischsprachige Gitarrenpop-Band aus de Schweiz, die mit Repeat Spacer ein Album am Start hat, dass ich eher mit einer anderen deutschen Band vergleichen möchte: Slut. Die Parallelen in ihrem Gitarrenpop-Kosmos: nicht zu modern, nicht übermäßig an angloamerikanischen Vorbildern angekuschelt, der Wille und die Fähigkeit auch zur zartbitteren Melodie-Variante, unpeinlicher englischsprachiger Gesang, auffallend gelungene Rhythmusabteilung….aber wie es zwischen Deutschland und der Schweiz gilt, trifft es auch für diesen Bandvergleich zu: same same, but different. Die Unterschiede sollte jeder selber raushören, etwa beim Secret song, der einen leichten Radiohead-Schlag hat, dem posaunengestärkten Try not to talk oder dem an Space oddity erinnernden Shine, shine, shine. Weitere (Ver-)Kaufsargumente: Das Mitwirken von Bananafishbones Sänger Sebastian Horn, den ich vor kurzem mit Dreiviertelblut an dieser Stelle vorstellen durfte, eine verspielte Verpackung mit Wechselrahmen-Cover, eine stimmige Produktion … geht steil Richtung schwarzer Gürtel!

cDer Franzose Sebastian Tellier ist seiner Heimat durchaus ein bekannter Mann. Gepunktet hat er einst als Toursupport von Air, mit seinem Beitrag zum (ja hier wiederhole ich mich gerne) grandiosen Soundtrack zu Sophia Coppolas Lost in Translation und seinem kleinen Hit Ritournelle. Kaum Punkte gab es allerdings als er 2008 beim Eurovision Song Contest mit einem englischsprachigen Song antrat. Das gehört sich für einen echten Franzosen halt einfach nicht – Platz 18! Was ihn wenig gejuckt haben dürfte. Wer Tellier schon mal live gesehen hat, weiß , dass ihm in erster Linie um Ausdruck und Performance geht – was dabei tiefe Emotionalität ist und was selbstironische Überaffektion ist dabei zu keinem Zeitpunkt zu erahnen. Man betrachte mal das Cover zu Confection. Könnte der als große Kunst ansehen oder sich den Arsch ablachen über das Rollenspiel des durchgeknallten performers – ich glaube, es ist noch nicht einmal ein entweder oder. So ist es auch mit der Musik der aktuellen Platte – auf der er stimmlich kaum in Erscheinung tritt. Wir hören vorwiegend melancholisch-kitschige Instrumental-Schwurbeleien, an denen zum wiederholten Male Superdrummer Tony Allen und Phoenix-Keyboarder Emmanual dÓrlando mit Schuld sind. Romantisch oder spinnert? Beides. Ob der einen Vogel hat? Zwei (siehe Cover)! Super Typ!!

bDiese Abendsonne hat sich vom Westen in den Osten verlagert: Setting Sun, die Formation um Gary Levitt, hat den Umzug von Kalifornien nach New York hinter sich. Die Konkurrenz wird da nicht schwächer, ob sie mit ihrem fünften Album Be here when you get there für mehr Aufmerksamkeit sorgen können, bleibt abzuwarten. Hierzulande bisher ohnehin nur als Import zu erhalten, bleibt die Musik von Setting Sun im Geheimtipp-Status. Qualitativ gibt’s bei der melodiösen Mischung aus folkigem Indierock mit fein abgeschmecktem Popappeal nichts zu meckern. Die eingängigen Songs der Suns fußen meist auf einfachen Akustik-Gitarren-Arrangements, die teilweise durch gelungene String Orchestrations und Levitts verhuschte, aber dennoch eindringliche Gesangsstimme ergänzt werden. Irgendwo zwsichen Ryan Adams und Arcade Fire entstehen vertraut wirkende kleine Hymnen, die immer auch einen gewissen 60´s Charme versprühen.

dMooryc ist das Projekt des Wahlberliners Maurycy Zimmermann (ein wunderbarer Name für einen Musiker, denkt man dabei doch an eine polnische Version von Morrissey und einen Hinweis auf Bob Dylan). Mooryc tümmelt sich allerdings im Bereich der verspielt-sehnsüchtigen Electronica. Nach einem leicht melancholischem Instrumental-Intro hebt Zimmermann gleich ab Richtung Jupiter. Mit gezupfter Gitarre, Pianotupfern und eingängiger Gesangslinie zeigt er sich sehr songorientiert. Es folgt das etwas an Burial erinnernde, schaurig-schöne Bless, bevor es mit Powerless alles andere als kraftlos weitergeht. Der Multiinstrumentalist Zimmermann schafft Freude am Tanzen (so der Name des Labels) mit seiner gelungenen Mischung aus Song und Track. Wer sich an Apparat oder dem Kosmos des Dänen Trentemöller erfreut (und wer täte das nicht), sollte unbedingt in diese durchgängig sorgfältig produzierte Werk voller Schönheit reinhören.

| TOM ASAM

Titelangaben
MyKungFu: Repeat Spacer – Solaris Empire / Broken Silence
Sebastien Tellier: Confection – Record Makers / Alive
Setting Sun: Be here when you get there – Young Love Rds
Mooryc: Roofs – Freude am Tanzen / Rough Trade/ Kompakt/ Finetunes

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