Singende Schauspieler

Musik | Various: Travelling

Bei dieser Kompilation kommen die Liebhaber des französischen Films ebenso auf ihre Rechnung wie die Freunde anspruchsvoller Unterhaltungsmusik. Findet THOMAS ROTHSCHILD

TravellingWenn Schauspieler singen, ist das eine sichere Bank. Kaum ein Theater, das nicht seinen Liederabend im Repertoire hat. Er ist billig zu produzieren, und das Publikum dankt. Umso mehr, wenn es sich bei den Fremdgängern um berühmte Stars handelt.

Und wenn sie tatsächlich singen können, ist das Vergnügen ungetrübt. Denn was so manche deutsche Bühne in der Wittenbrink-Folge anbietet, ist eher peinlich als unterhaltsam, musikalisch wie im Versuch, den Gesang gestisch und mimisch zu begleiten.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler, die unter dem Titel ›Travelling‹ – »Grenzen überschreiten« – firmieren, sind freilich nicht nur Stars in Frankreich und darüber hinaus. Sie haben ihre Chanson-Lektion offenkundig gelernt. Der Titel der CD meint wohl die Reise über die Grenzen der Schauspielkunst, ist aber auch die Bezeichnung für eine Kamerafahrt.

Das erste der achtzehn Lieder ist ein All-Time-Klassiker, ›Rum and Coca Cola‹, und die Interpretin, die sich da nach Trinidad versetzt, ist Arielle Dombasle. Der letzte Titel heißt ›Le tourbillon de la vie‹ und stammt aus Truffauts Film ›Jules et Jim‹. Lambert Wilson singt eine bestechende Cover-Version, während Jeanne Moreau, von der wir das Original für alle Zeiten im Ohr haben, auf der vorliegenden CD mit ›J’ai la mémoire qui flanche‹ vertreten ist.

Weitere Höhepunkte? Brigitte Bardot mit ›Maria Ninguem‹, Guy Marchand mit »Mois, je suis Tango«, eine unübertreffliche Julie Delpy mit ›Je t’aime tante‹. Aber dürfen wir Catherine Deneuve, Anna Karina und Jean Claude Brialy, Agnes Jaoui oder Isabelle Huppert unerwähnt lassen? Sie lassen so manches deutsche Filmsternchen, das sich schon im Bereich von Chanson oder Rock getummelt hat, blass erscheinen.

Bei dieser Kompilation kommen die Liebhaber des französischen Films ebenso auf ihre Rechnung wie die Freunde anspruchsvoller Unterhaltungsmusik. Am Ende wünscht man sich nur: mehr davon!

| THOMAS ROTHSCHILD

Titelangaben
Various: Travelling. French Actors Crossing Borders
Discograph (Vertrieb: Alive)
Erscheint am 27. April 2007

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Liebe in Zeiten des Volkssturms

Nächster Artikel

Dies ist ein gutes Hörbuch!

Weitere Artikel der Kategorie »Platte«

The Music Column That Wouldn’t Die: New Album Reviews.

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world

I told myself I was over this, that I had retired from the world of music reviews. I had moved onto bigger and better things (mostly staring at the wall and wondering why nobody calls me anymore). Yet here I am, a mere few months after burning my bridges, giving up on new music and making a world of enemies, back in the game. Did I miss the constant abuse, the being paid in soiled pennies and the lack of recognition which writing this unremembered column entailed? Funnily enough, I did! It was listening to the post punk genius of the new Dry Cleaning record that did it. I thought to myself ‘someone has to take it upon themselves to tell the world just how good this album is’. After a moment of quiet reflection where I drank a glass of lukewarm Ribena to calm the nerves, I decided that that person may as well be me. By JOHN BITTLES

Seltsame Sechziger

Musik | Mild High Club: Timeline Das Album ›Timeline‹ der Gruppe Mild High Club klingt insgesamt wie eine verschrobene Reminiszenz an die guten alten 60er Jahre und nimmt den Zuhörer auf einen seltsamen Trip mit. MARC HOINKIS berichtet von der Reise.

High concept music for low concept minds

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world: August/September New albums reviewed Part 1 Music doesn’t challenge anymore! It doesn’t ask questions, or stimulate. Institutions like the X-Factor, Spotify, EDM and landfill pop chameleons are dominating an important area of culture by churning out identikit pop clones with nothing of substance to say. Opinion is not only frowned upon, it is taboo! By JOHN BITTLES

Krautschau und Trisodomie

Musik | Toms Plattencheck Die Krautrock-Legenden Dieter Moebius (Cluster/ Harmonia) und Mani Neumeier (Guru Guru) nahmen 1996 zusammen mit Jürgen Engler ein Album mit dem Titel Other Places auf. Engler war Ende der 70er Teil von Male gewesen, der wohl ersten (relevanten) deutschsprachigen Punkband überhaupt. Von TOM ASAM

Free Jazz & Free Space & Impro

Musik | Free Jazz & Free Space & Impro Mit Isabel Sörling Farvel, Shoot The Moon und Hanna Paulsberg Concept sind drei neue Jazz-Formationen am Start, die von Frauen bestimmt werden. TINA KAROLINA STAUNER hat ihren Debütalben gelauscht.