Timeless: Facetten der Phantasie des Hans-Joachim Roedelius

Musik | Hans-Joachim Roedelius: ›Regentropfen‹, ›In der Dämmerung‹, ›Einfach so‹

Hans Joachim Roedelius, 1934 geboren, ist seit 1969 im Kontext von Krautrock, experimenteller Elektronik und Ambient mit Musikern wie z.B. Dieter Moebius, Conrad Schnitzler, Michael Rother (man denke an Neu!), Brian Eno aktiv. Bands und Projekte von ihm waren/sind Kluster/Cluster/Qluster, Harmonia, Aquarello und er gründete mit das Zodiak Arts Lab. Von TINA KAROLINA STAUNER

ROEDELIUS_RegenBeim Label Bureau B findet man CDs damaliger Jahre von Roedelius. Sie zeigen manche Facette seiner umfangreichen Arbeit und zahlreichen, Jahrzehnte übergreifenden Veröffentlichungen (beteiligt an ca. 170 Alben).

Die Soloalben ›Wie das Wispern des Windes‹, 1986 auf dem norwegischen Label Citada und ›Piano Piano‹, 1991 auf dem italienischen Label Materiali Sonori veröffentlicht, stellen Roedelius am Flügel vor. Tastenmusik pur und rein ohne jede Hinzunahme von Elektronik. Das ist verglichen mit dem experimentellen Elektronikbereich, in dem Roedelius heimisch ist, dann mit Klavieretüden manchmal sogar nicht unweit von romantischem Touch. Und doch auch präzise avantgardistisch-minimalistische Formstrenge mit integrierend. Klavierklänge, auch in Meditatives weisend, fast weltentrückt und doch auf Feinheiten konzentriert in einem Realismus, der zu einer zurückgenommen leisen, beobachtenden Position und Haltung gehört, die alles wahrnehmen kann. Klaviermusik der freien Improvisationen mit eingestreut repetitiven Minimalismen.

Rodelius DaemmerungMusik, wie eine Zeitreise zurück in die späten 80er, frühen 90er Jahre. Ich blende beim Hören Sequenzen manch französischen Films ein, den ich sah, nordische Landschaftsfotografie, die mich neugierig machte auf den Norden während ich immer wieder im Süden viele Wochen verbrachte und deutsche Provinzidyllen, in die ich mich durchatmend zurückzog und entspannend Abstand vom hektischen Stadtleben fand.

Klaviermusik als eine poetische, melodische Welt für sich. In sich ruhend, nach nichts fragend, nichts fordernd, weit ins Introspektive, Introvertierte gehend. Wie einfach da um alle Oberflächlichkeit und alles nichtssagend Redselige verachtend links liegen zu lassen. Der Schönheit und Unverbrauchtheit der Natur nahe, den Innenstädten mit ihrem lärmenden Großstadtgetriebe fern.

Musik, die wegen ihres hohen Aussagegehalts zeitlos wird und weiter Bedeutung trägt.

›Momenti Felici‹, 1987 veröffentlicht auf Venture, präsentiert Hans-Joachim Roedelius am Klavier abseits der Elektronikszene im Zusammenspiel mit dem Saxophonisten Alexander Czjzek. Das hat, verglichen mit seinen Klavier-Soloalben, manchmal auch Untiefen von New Age und nicht konsequent starke Aussagekraft. Roedelius am Klavier überzeugt zwar, Czjzek am Saxophon aber weniger. Deshalb wird die CD an dieser Stelle lediglich der vollständigkeit halber erwähnt.

| TINA KAROLINA STAUNER

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