/

Die Krähe

Lite Ratur | Die Krähe

Das Leben, nein, es ist reich, erm, an, ja überhaupt, verstehen Sie. Es regt auch zum Nachdenken an, jederzeit. Sehen Sie bloß mal einer Krähe zu, eine Krähe ist ein höchst elegantes Geschöpf. Nein, ihr Hüpfen ist nicht unbeholfen, kein bisschen, absolut nicht, man kann es zögerlich nennen, einverstanden, doch es ist unverfälschtes Hüpfen.

kraeheWährend eine Taube, dieser plumpe Vogel, trippelt. Nein, unerträglich, dieses affektierte Getue bei diesem ungestalten Geschöpf.
Die Krähe ist ein schlanker Vogel. Ich bin stehengeblieben und dachte, wenn ich ein paar Worte rede, geht sie weg. Aber nein, sie hüpft näher heran. Ich mag dieses rabenschwarze Tier.

Hingegen die Elster, dieses schwarzweiße Elend, die sollte man auf Diät setzen oder gleich zur Fastenkur durchreichen. Solch potthässliche Gebilde dürften in der Natur gar nicht vorkommen dürfen. Elstern sind fett, oder? Jedenfalls wenn man sie mit Krähen vergleicht.

Ach, der Mensch könnte viel mehr tun. Wozu haben wir unsere Denkfabriken, womit beschäftigen die sich eigentlich. Triviales Zeug. Wissen Sie, wenn ich weitergehe und das Gekreische der Gänse höre, ist mir sofort der ganze Tag verdorben. Das schlägt einem aufs Gemüt.

Soll mir niemand weismachen, dass sich daran nichts ändern ließe. Und die Gans ist so ein  misstrauisches Geschöpf, ich meine, man könnte es doch einmal ausprobieren. Stimmungsmäßig, meine ich. Dass man ihr ein bisschen Lebensfreude verschafft, nicht gleich Partydroge, aber in die Richtung schon. Der Mensch kann der Natur so viel geben.

| WOLF SENFF

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Konstanten (3)

Nächster Artikel

Tiefer und immer tiefer …

Weitere Artikel der Kategorie »Lite Ratur«

Von-Eicken-Park

Lite Ratur | Wolf Senff Du merkst das nicht, nein. Du siehst es ja gar nicht. Nein, ich zähle nicht, wie oft ich hier entlanggehe, weshalb auch, ich führe keine Strichliste, ich wusste lange nicht, wie der Baum heißt, keine Ahnung, Namen sind Schall und Rauch.

Stichwunden

Liter Ratur | Wolf Senff: Stichwunden …dreiundzwanzig, wer zählte sie? Antonius? Lief er kreuz und quer im Getümmel, die Einstiche zählend, die Schwerter, die Dolche, wie stellen wir uns das vor?

Abstiegskampf

Lite Ratur | Wolf Senff: Abstiegskampf Krähe, lass mich erzählen. Nein, Fußballfan bin ich nicht. Sei mal still. Dass ich samstagsnachmittags Bundesligakonferenz höre, ist mir zur Gewohnheit geworden; so sehr, dass ich’s an spielfreien Wochenenden vermisse, wie man eben eine vertraute Gewohnheit vermisst. Zwei-, dreimal in den letzten Jahren war ich im Stadion, bei St. Pauli, klar, zum HSV, nein, dazu lieber kein Wort. Von WOLF SENFF

Sargvogel

Lite Ratur | Wolf Senff: Krähe Krähe, sag, wie stirbst du? Sicher, ist vielleicht pietätlos gefragt, so mit der Tür ins Haus zum Jahresausklang, aber mal ehrlich, ich hab nie irgendwo eine tote Krähe liegen sehen. Von euch gibt’s doch eine ganze Menge, und irgendwo müsst ihr doch bleiben, darüber denkt einer schon mal nach, Krähe, das musst du verstehen.

Zu Besuch

Lite Ratur | Wolf Senff: Zu Besuch Paul misstraute äußerlichen Abläufen, einer davon war eingeteilte Arbeit, er sträubte sich gegen Vorschriften jeglicher Art, er hatte nie eine Armbanduhr getragen, als man noch Armbanduhren trug. Er hätte als Versager gelten können, doch bei ihm war kein Gedanke daran. Tim hatte ihm die Fahrkarte zugeschickt, das war nun einmal Tim, er erwarte ihn gegen Mittag, sie kamen gut miteinander aus, mehr konnte niemand wünschen.