Dekonstruktion des Superhelden

Comic | Kevin Smith (Texte)/ Phil Hester (Zeichnungen): Green Arrow: Auferstehung

Ein Superheld ist von den Toten auferstanden, und zwar in dualer Hinsicht: Green Arrow war zum einen lange Zeit ein Comic-Superheld, der in Relation zu anderen DC-Protagonisten tendenziell weniger präsent war im öffentlichen Bewusstsein. Spätestens seit der TV-Serie ›Arrow‹ hat sich dies geändert. Doch zum anderen erlebte er auch tatsächlich eine Auferstehung innerhalb des DC-Universums. Von PHILIP J. DINGELDEY.

GREENARROWAUFERSTEHUNG_766Denn 1995 war er bei der Rettung eines Flugzeuges ums Leben gekommen. Der Texter und Regisseur Kevin Smith und der Zeichner Phil Hester beschlossen aber 2001, den grün gekleideten Helden Oliver Queen, der, mit Pfeil und Bogen ausgestattet, als moderner Robin Hood die Kriminellen von Star City bekämpft, in der Comic-Reihe ›Green Arrow: Auferstehung‹ zu reanimieren. Sie liegt jetzt als Sammelband vor.

Plötzlich und zunächst unerklärlich taucht Queen wieder in Star City auf, hat aber kein Bewusstsein und keine Erinnerung davon, was die letzten Jahre passiert ist – nicht nur von der Phase seit seinem vermeintlichen Tod, sondern auch einige Jahre davor. Er kommt bei dem alten reichen Mann Stanley unter. Nach und nach erfahren auch Green Arrows Verbündete von der Justice League of America davon und gehen unter Leitung von Batman der Sache nach. Dabei stößt die Superheldenliga auf allerlei bizarre Antagonisten wie Magier, Dämonen und Satanisten, bis sich schließlich aufklärt, was es mit Queens metaphysischer Auferstehung auf sich hat. Denn dieser macht mit dem ehemaligen Green Lantern einen Ausflug ins Totenreich, wo Queen auf seine dort zurückgelassene Seele stößt und erfährt, wie es zu seiner Auferstehung und seiner Amnesie kam. Und all das nur, damit sich nach seiner vermeintlichen Rückkehr auf der Erde Freunde in Feinde und Psychopathen verwandeln.

Antiquiert und antikapitalistisch

Der Comic ist geheimnisvoll und witzig zugleich. Smith bewies ja bereits mit seinem Spielfilm ›Dogma‹ einen großen ketzerischen Humor. So verwundert es nicht, dass er seine Protagonisten durch verschiedene Sphären des Metaphysischen streifen lässt, teils düstere, teils witzige Dämonen kreiert, und der Meinung ist, Gott wäre eine Frau.

Auch die Darstellung von Queen ist Smith und Hester sehr gelungen. In seinem altmodischen Heldenkostüm wirkt er zwischen den anderen Helden irgendwie deplatziert und antiquiert. Daneben ist er auch noch ein Antikapitalist, der Reiche als Bonzen und Polizisten als blaue Faschisten tituliert und nicht weiß, was ein Mobiltelefon ist, womit er einen passenden Gegenpol zum anderen reichen Superhelden darstellt, nämlich dem konservativ-liberalen Batman alias Bruce Wayne, der hier als paranoider Masochist stilisiert wird.

Gerade Hesters Zeichnungen unterstützen die von Smith aufgemachten Gegensätze, etwa der Wechsel von fiesen und freundlich gesinnten Dämonen oder die mystische Aura, die den im Vergleich zu typischen Genre-Vertretern eher langsamen und weniger actiongeladenen Comics umgibt. Letzter Aspekt lässt dem zu lüftenden Geheimnis und der Handlung erfreulicherweise viel Platz. Besonders gelungen ist dabei die doppelte Darstellung von Green Arrow, wenn der wiederbelebte, antiquierte und antikapitalistische Oliver Queen im Robin-Hood-Kostüm auf seine zeitgenössischere und abgeklärtere Seele trifft, die eher dem heutigen Green Arrow entspricht.

Gespickt mit Anspielungen

Der Comic liest sich, wie ein Who-is-Who der Superhelden des DC-Universums. Das macht die Handlung aber zum Teil unübersichtlich, denn der Band ist gespickt mit Anspielungen auf diverse frühere Abenteuer verschiedenster Helden. Dieser Umstand erfordert tiefe Kenntnisse der Geschichte der Justice League, die wohl nicht jeder Leser einfach so aufbringen wird, der kein besessener Fan oder Nerd ist.

Wenn man jedoch bereit ist, sich auf diesen intensiven Heldencomic einzulassen, dann erwartet einem eine fulminante, abgefahrene und manchmal auch groteske Geschichte über einen totgeglaubten Superhelden, die im Grunde nichts im DC-Universum, aber auch nichts im Bereich des Religiösen wirklich ernst nimmt. Im Grunde handelt es sich mit ›Green Arrow: Auferstehung‹ um eine witzige Dekonstruktion des Superheldenhaften.

| PHILIP J. DINGELDEY

Titelangaben
Kevin Smith (Texte)/ Phil Hester (Zeichnungen): Green Arrow: Auferstehung
Aus dem Amerikanischen von Steve Kups
Stuttgart: Panini 2015
244 Seiten, 24,99 Euro.
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