/

Attention please!

Sachbuch | Dr. Patrizia Collard: Das kleine Buch vom achtsamen Leben

Jeder kennt es, doch niemand möchte es wahrhaben: In unserem hektischen Alltag vergessen wir, genau hinzuschauen und die Umgebung bewusst wahrzunehmen. Das Leben rast an uns vorbei. Dabei kann ein paar Mal tiefes Durchatmen am Tag wahre Wunder bewirken. Dr. Patrizia Collard verrät Ihnen, warum … Von MONA KAMPE

Collard - Buch vom achtsamen LebenKennen Sie das? Der Chef ist einmal mehr nur am Meckern über die Verkaufsstatistiken, die Kollegen gehen Ihnen wahrlich auf den Geist und Ihr Terminplaner ist wieder voll von Meetings? Abends wartet dann noch ein großes Geburtstagsessen mit der Familie und Verwandtschaft auf Sie, wofür Sie noch rasch die Einkäufe erledigen müssen. Stress pur, keine Zeit zum Durchatmen. Sie hetzen von Termin zu Termin und werden einmal mehr beim Überqueren der Straße fast überfahren. Nach Mitternacht finden Sie voller Gedanken an das am Vortag Erlebte im Kopf keine wohltuende Nachtruhe?
Stopp! Es ist Zeit für mehr Achtsamkeit!

Probieren Sie am nächsten Morgen Folgendes: Konzentrieren Sie sich bei aufkeimenden Stresssignalen auf Ihren linken Fuß in all seiner Pracht sowie Beschaffenheit und atmen Sie dabei tief ein und aus. Merken Sie, wie Ihre Gedanken vom Ärger wegwandern, weil Sie sich auf etwas anderes konzentrieren?

Attention please – die ›Achtsamkeitspraxis‹

Dies ist nur eine von vielen, kurzen Entspannungsübungen, die Dr. Patrizia Collard Ihnen in ihrem ›Kleinen Buch vom achtsamen Leben‹ vorstellt. Gemeinsam mit Kollegen hat die Psychologin und Lehrbeauftragte an der ›University of East London‹ einen praktischen Leitfaden für das bewusste Erleben, Besinnen und Genießen im Alltag erstellt. Fünf- bis zehnminütige Entspannungsphasen täglich können nämlich wahre Wunder bewirken. Sie staunen?

Sie müssen sich nicht stundenlangem Joga oder Meditieren widmen, um Stresshormone oder Wut abzubauen – dafür genügen kleine Übungen zwischendurch, wie die oben beschriebene.
Sie müssen sich nur eines klarmachen: Wenn Sie achtsamer leben, sind Sie energischer, erfolgreicher und empathischer!
»Achtsamkeit heißt, jeden Moment bewusst wahrzunehmen, ohne ihn zu bewerten.« Dies geschieht etwa bei einem Spaziergang durch die Natur, bei dem wir jedes Detail aufnehmen. »Indem wir uns mit diesen einfachen Dingen verbinden und buchstäblich Augenblick für Augenblick leben, entdecken wir ganz neuen Frieden, neue Freude. Und lassen uns, wenigstens für einen Moment, wieder vom Leben verzaubern.«

Als »günstige, leicht anwendbare und effektive Methode« kommt die ›Achtsamkeitspraxis‹ vorwiegend zur Behandlung und Prävention von berufsbedingtem Stress, Zusammenbrüchen, chronischen Krankheiten und Burn-outs zum Einsatz.

Probieren geht über Studieren!

Kleiner Tipp: Wer sich Dr. Patrizia Collards Buch widmet, sollte sich daher auch mit ihren Empfehlungen auseinandersetzen und die Entspannungsübungen, die einem zusagen, unbedingt ausprobieren! Der Mix aus Atemtechniken, leichten Yoga-Übungen wie der ›Berghaltung‹ und Gedanken-Spaziergängen trägt nicht nur zu Gelassenheit bei, sondern stärkt auch die Wirbelsäule – unsere Mitte – und verhilft zu einer gesünderen Ernährung durch den bewussten Genuss bei der Nahrungsaufnahme.

Man braucht meist nicht viel – außer sich selbst, ein paar Minuten Zeit und einen ruhigen Ort. Alle Achtsamkeitsübungen sind individuell ausbaufähig – alles ist erlaubt, sogar das anfängliche, unbewusste Abschweifen. Denn Übung macht schließlich und wohlbekannt den Meister.

Wer zu sich selbst findet, stärkt nicht nur seine Work-Life-Balance und das eigene Selbstbewusstsein, sondern kann auch mehr Mitgefühl für seine Mitmenschen und seine Umgebung aufbringen, da er mit sich selbst im Reinen ist. »Probieren Sie es aus – gönnen Sie sich kleine Auszeiten, die den Tag entschleunigen und den Kopf freimachen!«

| MONA KAMPE

Titelangaben
Dr. Patrizia Collard: Das kleine Buch vom achtsamen Leben – 10 Minuten am Tag für weniger Stress und mehr Gelassenheit
München: Verlagsgruppe Random House / Heyne 2016
96 Seiten, 7,99 Euro

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Der Glanz vergangener Zeiten

Nächster Artikel

Hamburger Luft

Weitere Artikel der Kategorie »Kulturbuch«

Rund um den Globus: immaterielles Weltkulturerbe

Kulturbuch | Tradition und Brauchtum

»Was verbindet die Kulturen der Länder, die so unterschiedlich sind wie ihre ideellen Werte und geografischen Strukturen?« Es ist, so schreibt es der bemerkenswerte Bildband, jene Suche nach Identität, die Weitergabe von Bräuchen, Traditionen, das, was Menschen, die Gesellschaft ausmacht, ihre Zugehörigkeit. Auch all dies, und das macht das großartige Buch so spannend, ist nach UNESCO-Übereinkommen auch Weltkulturerbe, immaterielles Weltkulturerbe. Viele Beispiele rund um den Globus zeigt das Buch, eine ganz spezielle Weltreise. BARBARA WEGMANN

Im Rausch(en) der Geschwindigkeit

Ausstellung | Kulturbuch | Christoph Naumann: ›Rauschen‹ in Würzburg (BBK Galerie) Fußgänger und Autobahn. Zwei Formen der Bewegung prallen in der Arbeit des Würzburger Fotografen Christoph Naumann aufeinander. Großformatige Landschaftsbilder zeigen Räume und Orte, denen normalerweise keine Beachtung geschenkt wird. Weil wir sie im Temporausch übersehen – oder zu Fuß nie besuchen würden.

Bilder aus einem fernen Land

Kulturbuch | Graetz / Teubert: Stadt, Land, Leben. Fotografien aus der DDR 1967-1992 »Land der Knipser« hat man die DDR manchmal genannt. Das ist richtig, wenn man die Verbreitung des Hobbys Fotografie anschaut. Ganz anders als in der BRD – die ja nicht weniger ein »Land der Knipser« war – scheint sich aber sogar die vergangene ostdeutsche Realität überhaupt erst aus privaten Schnappschüssen zu erschließen, fernab von langweiligen, inszenierten offiziellen Aufnahmen. Jürgen Graetz, dessen Bildern Stadt, Land, Leben gewidmet ist, ist ein besonderer Fall, ein offizieller Fotograf auf Abwegen. Von PETER BLASTENBREI

»Who is who« der vergessenen Dinge

Kulturbuch | Thomas Blubacher: Wie es einst war Der Insel Verlag hat wieder ein Händchen für schöne Dinge bewiesen. Im gewohnt liebevollem Outfit der Insel-Reihe widmet sich Thomas Blubacher in ›Wie es einst war. Schönes und Nützliches aus Großmutters Zeiten‹ den Dingen, die wir nicht mehr benennen können, weil sie für unsere Zeit obsolet geworden sind. So fungiert das Buch auch als Maß zur Feststellung des eigenen Alters. Welche Begriffe sind einem noch geläufig und wie alt ist man dann wirklich? VIOLA STOCKER unterzog sich einem Test.

Paläste für Arbeiter, sozialistische Musterstädte

Kulturbuch | Tilo Köhler: »Seht wie wir gewachsen sind« Nach Josef Stalin wurden in den Jahren nach 1945 im sowjetischen Einflussbereich zahlreiche Objekte benannt, Straßen und Plätze, Fabriken und ganze Städte – nur die Umbenennung von Bergen blieb der UdSSR selbst vorbehalten (und Kanada). Der Name Stalins kann also durchaus für die ersten Jahre des sozialistischen Aufbaus in Ost-Europa stehen, bevor nach 1956 »der weise Führer des Weltproletariats« langsam aus dem öffentlichen Gedächtnis getilgt wurde. So kurios man das heute finden mag, Tilo Köhler hat seine Kulturgeschichte der frühen DDR ›Seht wie wir gewachsen sind‹ nicht ohne Grund an solchen