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Nullte Stunde

TITEL-Textfeld | Peter Engel: Nullte Stunde

Ich atme mit dem Unterarm
und schlucke mit den Augen,
mit meinen Haaren höre ich,

du wirst es mir nicht glauben,
wie ich auch mit dem Herzen seh
und rieche mit dem Munde,
es ist nicht die verkehrte Welt,
es ist die nullte Stunde.
Es ist die Zeit, die es nicht gibt,
das kleine Loch im Tage,
durch das die Welt sich kurz verkriecht,
was ich nicht weitersage,
der Spalt, die Lücke, das Versteck,
worein die Dinge fallen,
und plötzlich ist der Sinn ganz weg,
dann kommt er wieder – und mit Krallen.

| PETER ENGEL

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liegt die Ringstraße auf schwarzem Quarz
halb abgeräumt vor dem Ozean verkeilt
der Sockel vom Gletscherlauf aufgezehrt
gelangen wir nicht mehr zu den Kaltblütern
um sie in die geschützten Gehege zu führen
und uns vor dem Wintereinbruch einzudecken
so setzen wir zu den letzten Nachbarn über
senden von dort Anweisungen auf Kurzwelle
bis wir etwas erreichen das Plateau wieder offen ist
jagen die Meuten durch die Frequenzen und
lassen uns in den ewigen Nächten nicht schlafen
weil wir nicht sicher sein können
ob das nur die Sturmfront ist oder uns
schon das Rufen der Jährlinge durchfährt