/

Mein Steinzeitschaber

TITEL-Textfeld | Peter Engel: Mein Steinzeitschaber

Mit drei Fingern faßt er sich gut,
läßt sich genau führen
und trennt das Fleisch von der Sehne,

die Haare vom künftigen Leder.
Wer ihn damals geschliffen hat
aus dem hellgrauen Stein
und zur scharfen Schneide gespitzt,
dem war er tägliche Hilfe.
Jetzt ist er schartig, unscheinbar,
als Schaber kaum zu erkennen,
keine Spur von Blut mehr,
nur Gedanken kleben daran.

| PETER ENGEL

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Nullte Stunde

Nächster Artikel

Der Frühling ist da!

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Tagtäglich neu überraschen lassen

Menschen | Zum Tod von Friederike Mayröcker

Ihre Kreativität war imponierend. Bis zuletzt hat die Grande Dame der österreichischen Literatur, Friederike Mayröcker, geschrieben und fast Jahr für Jahr »ihr letztes Buch« veröffentlicht. Im letzten Herbst war noch der Band ›da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete‹ erschienen, in dem sie sich selbst als »Debütantin des Todes« bezeichnete. Von PETER MOHR

Den Worten verfallen

Lyrik | Peter Engel: Den Worten verfallen

Schon am Morgen der starke Rausch,
wenn die Einfälle kommen
beim Erwachen und mich erste
Worte hin zum Schreibtisch ziehn,
wenn sie mich nötigen,
ihnen genug zu tun auf dem Blatt.

Offenes Gewässer

Lyrik | Christian Saalberg: Vor dem Portal VOR DEM PORTAL sitzen Bettler mit ausgestreckten       Händen, die sie langsam sinken lassen. Vorsichtig steigen die Vögel von den Bäumen, eine       Laterne in der Hand, um nicht zu stolpern. So kann es einem ergehen, wenn man jeden Morgen       das Haus durch die falsche Tür verläßt.

Drei Gedichte

Textfeld | Wolfgang Denkel: Drei Gedichte

Schwerkraft

Leuchtgrüne Libelle, nadel-
dünn. Dein schimmernder
Flügel grüßt von so weit
her. Einst wollte auch ich
ihn mir wachsen lassen.

Das Schlimmste ist nicht die Einsamkeit

Lyrik | Aron-Thorben Zagray: Das Schlimmste ist nicht die Einsamkeit

Was ist eigentlich das Schlimmste? Darauf hat wohl jeder eine eigene Antwort – wenn sie auch nicht für die Ewigkeit bestimmt ist. MARC HOINKIS spricht mit Aron-Thorben Zagray über seinen neuen Gedichtband, der schwerer wiegt, als es das dünne Heftchen vermuten lässt.