/

Mein Steinzeitschaber

TITEL-Textfeld | Peter Engel: Mein Steinzeitschaber

Mit drei Fingern faßt er sich gut,
läßt sich genau führen
und trennt das Fleisch von der Sehne,

die Haare vom künftigen Leder.
Wer ihn damals geschliffen hat
aus dem hellgrauen Stein
und zur scharfen Schneide gespitzt,
dem war er tägliche Hilfe.
Jetzt ist er schartig, unscheinbar,
als Schaber kaum zu erkennen,
keine Spur von Blut mehr,
nur Gedanken kleben daran.

| PETER ENGEL

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Nullte Stunde

Nächster Artikel

Der Frühling ist da!

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Drei Gedichte

Lyrik | Peter Engel: Drei Gedichte

Als Gärtner

Ich ziehe die Wortblumen auf,
aber nicht die unmögliche blaue,
sondern die nicht welkenden,
die ihre volle Schönheit
entfalten beim inneren Sehen.

Konstanten (3)

Lyrik | Vierzeiler der Woche – von Michael Ebmeyer  Woher wohin woraus worüber wie viel wie weit wie blöd wieso?

Beschriftungen

Lyrik | Wolfgang Denkel: Beschriftungen

Ein Sturm beginnt so plötzlich, dass Vögel, die sich in der Luft befinden, hin und her getrieben werden wie welke Blätter.

Für den, der nichts ändern will, gibt es immer noch das Gewissen, als bequeme Lösung. Nicht nur das gute Gewissen ist ein Ruhekissen, sondern das Gewissen überhaupt. Es bietet die Möglichkeit, Notwendiges zu unterlassen, es nimmt gerne auf sich.

Der Dichter der Shoah

Sachbuch | Lyrik | Bertrand Badiou: Paul Celan

Er gelangte mit seiner Sprache an die Grenze des Sagbaren. Seine ›Todesfuge‹, im Jahr 1947 erstmals veröffentlicht, wurde zu einem der berühmtesten deutschen Gedichte nach 1945 - auch durch die Verszeile »… der Tod ist ein Meister aus Deutschland«. Es wird gelesen, wiedergelesen und Interpretiert als eines der eindrücklichsten Versuche, das Grauen der Shoa mit lyrischen Mitteln zu fassen. Von DIETER KALTWASSER

Front-Begradigung

Lyrik | Peter Engel: Zwei Gedichte

Frontbegradigung

Der Zickzack meiner Tätigkeiten,
die Schübe meines Tuns, Ausschläge
von Aktivität, von Wirksamkeit:
Das alles auf den Prüfstand
und mit fragenden Blicken,
Zurücknahmen und Beschränkungen.