Folkdays … »Campfire Songs«

Musik: Mighty Oaks – Dreamers / Howl

Bei den Fjorden von Washington State haben Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders von The Mighty Oaks ihr zweites Album ›Dreamers‹ mit dem Produzenten Ryan Hadlock aufgenommen. Das Studio von Hadlock ist das ›Bear Creek Studio‹ in der Nähe von Gig Harbor. Von TINA KAROLINA STAUNER

Überproduziertes ›Dreamers‹

Mighty-Oaks-Albumcover-©UniversalMusicHadlocks frühe Arbeiten stammen aus den Londoner ›Abbey Road‹ Studios, in denen nicht nur die Beatles ihre Karriere begannen und namhafte Produzenten ein- und ausgingen. Auf ›Dreamers‹ hören wir gut bis überproduziert klingende Campfire-Songs mit dem für die Band typischen und aus traditionellem Folk längst bekannten dreistimmigen Gesang.

Außer Musik mögen The Mighty Oaks die Natur – insbesondere die uralten Wälder des pazifischen Nordwestens der USA. Die Natur war vermutlich auch Inspirationsquelle für die gewählten Themenkomplexe »Wandel« und »Vergänglichkeit«, mit denen das Album in den Medien promotet wird. Und an Bands wie Byrds und Crosby, Stills, Nash & Young soll erinnert werden. Aber das Debütalbum ›Howl‹ war bezwingender und stärker als das etwas kitschige ›Dreamers‹, bei dem ich mich frage, ob ich alle Songs überhaupt öfter anhören möchte. Doch der Mainstream scheint The Mighty Oaks nun entdeckt zu haben.

Ungekünsteltes ›Howl‹

Mighty Oaks HowlVor über zwei Jahren machte ich bereits aufmerksam auf die Band: The Mighty Oaks haben die Berge und Wälder Amerikas als Coverdesign für ihr Debüt ›Howl‹ und die Großstadt Berlin als Wahlheimat genommen. Aus dem Nordwesten Amerikas, aus England und Italien stammen die Musiker Ian Hooper, Craig Saunders und Claudio Donzelli und haben mit ihrem Erstling in Deutschland eines der besten Folk-Alben des Jahres 2014 herausgebracht. ›Howl‹, das ist sehr schön bewandert sein auf akustischen Saiteninstrumenten; besonders prägnant sind auch das treibende Schlagzeug und der mehrstimmige Gesang. Das gehört zwar zum Gros des Indie Folk, klingt aber bei ›Howl‹ unverwechselbar und nicht zu sehr epigonenhaft; auch wenn durchaus auf Neil Young oder Fleet Foxes verwiesen wird – und eine Verwandtschaft zu The Lumineers beobachtbar ist.

Als holziger Folk wurde der Sound von Mighty Oaks übers Label angekündigt. Die Mighty Oaks lieben die Natursymbolik und spielen mit Romantizismen, die aber nicht zu überbordend sind. Dem ruhig Kontemplativen, manchmal Melancholischen folgt immer so etwas wie Frohsinn.

Natürlichkeit scheint Hauptdevise. Wirklich jeder Song der CD wirkt dabei Könnerhaft, beispielsweise das feine ›Captains Hill‹ oder das sachte ›When I Dream, I See‹. Eine kleine Größe in der Folkszene stellen The Mighty Oaks seit 2014 mit ›Howl‹ unzweifelhaft dar.

Am 25.04.17 sind Mighty Oaks in München live auf der Bühne der Muffathalle.

| TINA KAROLINA STAUNER

Titelangaben
Mighty Oaks
›Howl‹ (2014)
›Dreamers‹ (2017)
(Vertigo / Universal)

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Rolf Schneider (2010) Abb: Therese Schneider
Voriger Artikel

Zeit der Fiktion ist vorbei

Maya Deren - Tanz des Himmels mit der Erde
Nächster Artikel

Angenommen

Neu in »Platte«

Are you brave enough?

Musik | marc moraire: The Story of Robert Volant

Ein Newcomer der psychedelischen Musikszene: Im Januar 2020 erschien mit The Story of Robert Volant das Debütalbum des Musikers marc moraire. Nicht nur das Albumdesign ist ein wahrer Eyecatcher, auch der strukturelle Aufbau des Albums sticht direkt ins Auge: Fünf Akte, zehn Szenen. Ein musikalisches Drama in englischer Sprache. Dichtkunst trifft Tonkunst. Eine gelungene Synthese. Mit Ben Westerath und Kim Helbing hat er sich zwei weitere Künstler*innen an seine Seite geholt, die die Seelenreise des fliegenden Roberts durch ihre Stimmen untermalen. SAHRA SCHMITTINGER sprach mit dem Künstler über die Intention seines ersten Albums.

Synthesen

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world

Diesen Monat geht es um Synthesen in der Musik oder: »Man muss das Rad nicht immer neu erfinden«. Dieser platte Spruch wird der Arbeit der Künstler*innen natürlich nicht gerecht, also anhand zweier Beispiele. Ich möchte unbedingt auf meine große Neuentdeckung aus dem Mai aufmerksam machen: Interstellar Funk hat die Compilation Artificial Dancers – Waves of Synth veröffentlicht, auf der 80er Wave und Synth Raritäten aus den letzten vierzig Jahren grandios koexistieren und der DJ zeigt, dass feinfühlig zu kuratieren, Kunst ist und schafft. Und dann werfen wir noch einen kleinen Ausblick auf die neue EP der Collective Cuts unter Cinthies Label 308 Crystal Grooves Collective Cuts: « Pages » Epilogue von S3A und Sampling als Kunst. Von LOUISE RINGEL.

The Lure Of The Soundtrack

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world

Late last year I found myself entranced by Mati Diop’s wonderful Atlantics, a tale of forbidden passion, the perils of emigration and the fate of those who are left behind. Long, poetic shots of the sea merged perfectly with Fatima Al Qadiri’s intoxicating soundtrack to produce a stunning collage of meaning and evocations. Leaving the cinema that night I was struck at just how powerful a medium the soundtrack can be. By JOHN BITTLES

The New Sound Of Ambient

Music | Bittles’ Magazine: The music column from the end of the world

With much of the world in lockdown, news headlines seemingly taken from a bad sci-fi flick, and many of us experiencing some form of anxiety, right now we need a sense of calm more than ever. Ambient music can get a bad press but, when done right, it can transport the listener to a far better place. By JOHN BITTLES .

Jazz Extra, Jazz Future, Jazz Day…

Musik | International Jazz Day: Herbie Hancock

Der internationale Jazz Day listet weltweit eine ganze Reihe Termine für einen Tag auf und er geht diesmal verstärkt online – es wird gestreamt. Aufrufer ist Herbie Hancock und das bietet eine schöne Gelegenheit, sich zum x-ten Mal nebenbei seinem Werk zu nähern, in dem es die einen oder anderen Facetten zu entdecken, besonders aber einen unignorierbaren Klassiker der Jazz-Songs zu featuren gibt: ›Watermelon Man‹. Von TINA KAROLINA STAUNER