Fantasy-Nostalgie

Digitales | Games: Final Fantasy XII: The Zodiac Age

Remaster, Remaster und noch mehr Remaster. Seit es die PS4 und XBoxOne gibt, haben zahlreiche Entwickler und Publisher ihre Zeit und Energie darin investiert, bereits erschienene Spiele in High Definition für die neue Konsolengeneration zu portieren. Mit wenig Investitionen viel Umsatz machen – das versprechen sich die Spieleentwickler von den ganzen Remaster-Titeln. ›Final Fantasy XII‹ (FF12) ist einer von vielen Titeln, die nochmal neu aufgelegt wurden. Die Originalfassung ist bereits 2006 für die PS2 erschienen, also ganze zwei Generationen zuvor. Ob sich der Kauf dieser neuen alten ›Final Fantasy‹-Saga lohnt, fragt sich LINH NGUYEN.

Das Imperium schlägt zurück

Die Welt rund um FF12 unterscheidet sich in vielen Aspekten deutlich von seinen Vorgängern. Schon bei der ersten Filmanimation zu Beginn unserer Reise stellen wir eine starke Reminiszenz an die ›Star Wars‹-Filmreihe fest. Große und kleine futuristische Schlachtschliffe, die Präsenz von imperialen Soldaten – alles untermalt mit machtvollen Klängen im Orchester. Und ein ähnliches Design der Strukturen von Städten und Umgebung. Nun fehlen nur noch Jedi-Ritter mit ihren Lichtschwertern und gegnerische Sturmtruppen, dann hätte Square Enix den perfekten ›Star Wars‹-Klon in die ›Final Fantasy‹-Saga integriert.

Nichtsdestotrotz erzählt FF12 ihre eigene Geschichte, die von der Erzählweise zwar sehr angenehm wirkt, aber in vielerlei Hinsicht trostlos erscheint. Sechs Charaktere begleiten euch auf eure Reise durch die Welt von Ivalice. Zwar tauchen ab und an, je nach Storyverlauf, Gastcharaktere auf, doch verlassen diese euch nach einiger Zeit schon wieder. Das alles ist nett erzählt, wird mir persönlich aber leider mit zu wenig Liebe umgesetzt. Die Charaktere stehen zwar in gewissen Beziehungen und Konflikten miteinander, doch bleiben die Dialoge meist sehr ernst und auf das Wesentliche fokussiert, sodass der Spaß und Humor im Kontext gänzlich untergehen. Ich habe zu keiner Zeit das Gefühl verspüren können, dass sie alle Freunde wären. Eher handelt es sich bei der Gruppe um eine Zweckgemeinschaft; Smalltalk und lustige Dialoge sucht man vergebens. Letztlich ist der Storyverlauf dadurch eher enttäuschend, vergleicht man ihn hier mit seinen Vorgängern, die mit sehr viel Liebe zum Detail kreiert wurden.

MMORPG ohne MMO

›Final Fantasy XII‹ geht im Vergleich zu seinen Vorgängern ganz neue Wege. Klassische Zufallskämpfe sind Schnee von gestern. Monster erscheinen nun in der Fauna von Ivalice. Nähert ihr euch einem Feind an, kommt es sofort zu einem Kampf, der starke Ähnlichkeiten mit klassischen MMORPGs aus dem Genre der Online Rollenspiel aufweist. Ihr seid mit drei bis vier Kämpfern unterwegs und dank des sogenannten »Gambit Systems« führt euer Charakter die Befehle automatisch aus – so, als ob ein fremder Spieler eure Figur steuern würde. »Gambit« ist eine Art Automatikeinstellung, die euch erlaubt, jeden Charakter nach Situation eine Handlung selbst ausführen zu lassen, ohne sie manuell steuern zu müssen. Eine dieser Handlung kann beispielsweise sein: Fällt die Lebensanzeige auf unter 30%, wird ein Heilungszauber eingesetzt.

Diese drastische Änderung stößt manchen Fans sauer auf, bringt aber frischen Wind und Innovation in die Rollenspiele-Szene. Dennoch bleibt ›Final Fantasy‹ seinem Rollenspielcharakter treu.

Zudem gibt es in diesem Teil der Serie beim Skill-System Neuerungen. Im Lizenzbrett könnt ihr beim Job-System jedem Charakter zwei verschiedene Klassen zuordnen. Somit verfügt jede Figur über ihre eigene Spezialisierung und lässt sich – im Gegensatz zum Originaltitel – nicht vermischen. Die Hauptfigur Vaan kann beispielsweise nicht zugleich Kämpfer, Magier, Heiler und Dieb sein. Das ermöglicht letzten Endes neue taktische Herangehensweisen im Spiel, da ihr nicht dieselben Figuren als Allzweckwaffe verwenden könnt.

Mehr als nur Remastered

Eines der Hauptmerkmale von Remaster-Spielen ist die grafische Aufpolierung. Hierbei wurde das Spiel optisch von Grund auf erneuert. Neben der gelungenen Grafik wurden Soundtrack und Orchestrierung neu aufgenommen. Im Menü kann man zwischen der alten Musik aus dem Originaltitel und dem Remaster-Titel wechseln. So können sowohl die alten Hasen als auch Neulinge in dieser Spielereihe selbst entscheiden, mit welcher Variante sie ihr Spiel untermalen wollen.

Inhaltlich gibt es im Vergleich zu der europäischen Version von FF12 einige Veränderungen, unter anderem wurde bspw. das Lizenzbrett durch das bereits genannte Job-System ersetzt. Das Job-System sowie einige Zusatzmissionen und Waffen gab es zwar schon zu PS2 Zeiten, die Veröffentlichung der internationalen Version wurde allerdings dem europäischen Markt vorenthalten.

Eine weitere Erneuerung im Spiel – und für mich persönlich eine der schönsten – ist die Beschleunigung der Zeit. Ihr könnt das Spiel nun auch in doppelter und bis zu vierfacher Geschwindigkeit genießen. Somit könnt ihr sehr viel schneller von einem Areal ins Nächste stolpern. Und die Gebiete in diesem Spiel sind riesig! Das »langweilige« Leveln und Looten kann in wenigen Stunden erledigt werden. Zudem speichert das Spiel nun automatisch, was ebenfalls Zeit erspart. Das manuelle Speichern ist zwar nicht mehr notwendig, den Speicherkristall müsst ihr dennoch berühren, um euch zu heilen.

Fazit

Ohne Zweifel zählt ›Final Fantasy XII: The Zodiac Age‹ zu einem der schönsten Remaster-Titel. Grafisch glänzt das Spiel und durch die Zusatzeinstellungen kann man zwischen der neuen und alten Orchestermusik wechseln. Der Soundtrack ist ohnehin sehr gelungen und beschreibt die wunderbare Spielwelt auf seine eigene inspirierende Art.

Schwächen zeigt das Spiel meiner Meinung nach in Sachen Story. An die epische Geschichte von ›Star Wars‹ wird diese nie heranreichen, auch wenn man jene als Vorbild für die Entwicklung genommen hat. Hier fehlt letzten Endes die Liebe zum Detail, die beim Vorgänger noch deutlich zu erkennen war. Nichtsdestotrotz kann ich das Spiel allen Rollenspiel-Fans empfehlen, allein aufgrund des immensen Umfangs und der Nebenquests in dieser doch so großen Spielewelt.

|LINH NGUYEN

Titelangaben
Final Fantasy XII : The Zodiac Age
Square Enix
erhältlich für Playstation 4

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Ein wenig Leben

Nächster Artikel

»Geheimnisse sind Lügen«

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Gangsta’s Paradise

Digitales | Games: Grand Theft Auto 5 Lange hat die PC-Version des Gangster-Simulators ›Grand Theft Auto 5‹ auf sich warten lassen. Mit über 40 Millionen verkauften Exemplaren für die Konsolen der aktuellen und letzten Generation, gehört es mit Abstand zu den erfolgreichsten Spielen des letzten Jahres. Was das Spiel so gut macht und ob sich das Warten auf die PC-Version gelohnt hat, erfahrt ihr von PHILIPP LINKE.

Kunst und Pixel: Wie Ludwig Hanisch Games in Kunst verwandelt

Digitalspielkultur | Vom Commodore 64 bis zur »Pixelsadness«: Interview mit dem Nürnberger Künstler Ludwig Hanisch

Ludwig Hanisch verwebt in seiner Kunst die digitale Welt der Computerspiele mit analogen Techniken. Im Interview mit RUDOLF INDERST erzählt der Kulturpreisträger, wie »Highscores« und »Ghosts« seine Werke prägen, warum ihn alte JRPGs inspirieren und wie er das Konzept von Remakes und Demakes in die Malerei übersetzt.

Never been better

Digitales | Games: Soul Calibur V Wie viel Platz ist auf einer Bühne voller Stars? Tekken steht da vorne rechts, gleich daneben Street Fighter … und wer ist das da? Ah, dieser Virtua Fighter! Selbst die zweite Reihe ist wieder einmal voll besetzt und macht Stimmung: BlazBlue: Calamity Trigger oder Marvel vs. Capcom! Doch da meldet sich das dämonischste aller Breitschwerter der Szene zurück – RUDOLF INDERST sieht sich Soul Calibur V an.

Vom Klempner zum Architekten

Digitales | Games: Mario Maker 2 Als Nintendo im September 2015 mit Super Mario Maker den nutzerfreundlichen Editor zum Erstellen eigener Mario Level veröffentlichte, war die Begeisterung unter den Fans groß. Auf intuitive Weise konnten selbst die jüngsten Baumeister ihre Visionen verwirklichen. Der Erfolg sprach für sich, es war also nur eine Frage der Zeit, dass Nintendo einen Port für die Switch ankündigen würde. Wie wir im Februar 2019 erfuhren, sollte es jedoch nicht bei einem einfachen Port bleiben. Nintendo hat sich nicht lumpen lassen und einen vollwertigen Nachfolger entwickelt, der einige Kritikpunkte des Vorgängers ausgebessert hat und sogar Elemente

Pew Pew

Digitales | Games: Star Wars: Battlefront Das Jahr neigt sich dem Ende und in den Supermärkten werden ganze Regalreihen dem kommenden Fest gewidmet. Nein, hier geht es nicht um das kleine Kind in der Krippe, sondern um ›Star Wars Episode 7: Das Erwachen der Macht‹, das am 17. Dezember in die Kinos kommt und sich anschickt, der erfolgreichste Film aller Zeiten zu werden. Passend gibt es von Brotdose bis Tapete alles mit ›Star Wars‹-Charakteren bedruckt. Natürlich darf auch ein Videospiel nicht fehlen. Ob ›Star Wars: Battlefront‹ eine gute Brotdose ist oder nur Durchschnittsware mit ›Star Wars‹ Stempel, findet FLORIAN RUSTEBERG heraus…