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Von Yoda weggeputzt du wurdest

Digitales | Games: Star Wars: Battlefront II

Mehr Inhalt, mehr Epochen, Einzelspieler-Kampagne, atemberaubende Optik und Erweiterungen für alle. Mit diesen Versprechungen ging ›Star Wars: Battlefront II‹, passend zur Erscheinung des neuesten Kinofilms der Saga, in den Kampf um die Vorherrschaft im Spiele-Universum. Warum die dunkle Seite darin stark ist und er sich ihr trotzdem hingegeben hat, berichtet FLORIAN RUSTEBERG.

Wer wollte nicht schon mal selbst in seiner Lieblingsgeschichte mitspielen? Nun ist ›Star Wars‹ natürlich mehr als nur eine Geschichte. Es ist ein ganzes Fantasie-Universum und für manchen sogar das liebste Hobby. Für den Disney-Konzern, der seit 2012 alle Rechte an dem Franchise besitzt, ist es zudem eins der größten Geschäfte der Welt. Nur folgerichtig, die Lizenz für die digitalen ›Star Wars‹-Spiele an den Größten der Branche zu vergeben, Electronic Arts.

Das imposante Kronjuwel der Publisher ist dabei der große Mehrspieler-Shooter ›Star Wars: Battlefront‹, der pünktlich zum Erscheinen von ›Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi‹ in der zweiten Auflage bereit ist, reißenden Absatz zu finden. Hauptkritikpunkte an der ersten Version aus dem Jahr 2015 waren geringe Spieltiefe und ein zu kleiner Umfang. Beim Umfang wurde im Laufe der Zeit mit kostenpflichtigen Download-Erweiterungen nachgeholfen. Aus den daraus resultierend durchwachsenen Reaktionen scheinen die Entwickler von DICE gelernt zu haben und liefern statt eines kleinen Jawas, einen imposanten Rancor ab. Oder mit normalen Worten: Mehr von allem. Weit oben auf der Wunschliste der Fans war ein vollwertiger Einzelspielermodus – und den gibt es.

Zwischen den Episoden

­Die Einzelspieler-Kampagne in ›Star Wars: Battlefront II‹ handelt von Iden Versio, der Anführerin einer imperialen Spezialeinheit, dem »Inferno Squad«. Aus dieser Sicht erlebt der Spieler die Geschehnisse in ›Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter‹ und den folgenden Jahren. In diesem Zeitraum kommen bedeutende Charaktere der Originaltrilogie zusammen und versuchen, die Handlung fest im ›Star Wars‹ zu verankern. Schlussendlich kann auf dem Bildschirm die Schlacht von Jakku nacherlebt werden, die das Ende des galaktischen Imperiums darstellt und deren Überreste später die Kulisse für den ersten Akt in ›Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht‹ bilden. Wer die Befürchtung hegt, hier wurde eine hanebüchene Erzählung abseits des offiziellen Kanons gestrickt, kann sich beruhigt zurücklehnen. Viele der unter der Regie Disneys erschienen Bücher und Comics haben Kontaktstellen zu den spielbaren Missionen. Sogar für eine Requisite im aktuellen ›Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi‹ hat es gereicht. Im Dezember gab es eine Erweiterung, die drei weitere Einsätze kurz vor den Ereignissen des parallel erschienenen Films hinzufügt. Wie ein Spinnennetz wirkt diese Verbindung – und zeigt sich genauso fragil.

Gut jedes zweite Kapitel degradiert Iden Versio zur Nebenperson, wenn Luke, Leia und sogar Lando ihren Auftritt haben und vom Spieler gesteuert werden. Die prominenten Gastauftritte sind zwar eine willkommene Bereicherung, rauben der eigentlich interessanten Geschichte der Protagonistin in der kurzen Einzelspieler-Kampagne aber die nötige Tiefe. Das ist vor allem schade, da Iden und ihr Team nicht nur von Schauspielern synchronisiert wurden, sondern auch Aussehen und Bewegungsabläufe der realen Vorbilder erhalten haben. Die Zwischensequenzen gehen damit beinahe als digitaler Echtfilm durch.

Aus allen acht echten Filmen der Star ›Wars‹-Saga bedient sich der Online-Mehrspielermodus. Gab es im ersten Spiel nur Szenerien aus der Ära der originalen Trilogie, werden nun genauso die Klonkriege und Konflikte zwischen der ersten Ordnung und dem Widerstand spielbar gemacht. Mit Mos Eisley, Yavin 4, Hoth, dem zweiten Todesstern, Endor, Naboo, Kamino, Kashyyk, Maz Kanatas Festung, Jakku, die Starkiller Base und der rotweißen Aschewüste von Crait findet nahezu jeder größere Schauplatz Verwendung.

Auf in den Kampf

Der Vorzeigemodus »Kampfläufer-Angriff« aus dem Vorgänger weicht dem »Galaktischen Angriff«, der dem Stoppen eines großen Kampffahrzeuges weitere Verteidigungsstufen hinzufügt, in denen Positionen eingenommen werden müssen oder Sprengsätze an Ziele gelegt werden. Von Gebiet zu Gebiet sind diese verschieden kombiniert und sorgen so für eine größere Abwechslung im Spielerlebnis. Der »Sternenjäger-Angriff« führt die gleiche Prämisse bei den vormals drögen Luftkämpfen ein. Statt des simplen Dezimierens des Gegners, hat die angreifende Seite Ziele zu erfüllen. Neben den beiden Aushängeschildern gehören der Modus »Helden gegen Schurken« sowie gewöhnliches »Team-Deathmatch« und kleine, zielbasierte Gefechte zum Angebot. Ersteres ist ein chaotischer Kampf zwischen je 4 Helden der guten und der bösen Seite, die wild durcheinander ihre Blaster feuern, Lichtschwerter schwingen und Blitze verschießen.

Teilnehmen lässt sich an diesem Spektakel mit einer ebenfalls gewachsenen Auswahl an Charakteren. Es gibt vier verschiedene Klassen, die sich für die jeweiligen Spielsituationen und nach persönlichen Vorlieben anpassen lassen. Zwei Elite-Klassen, Fahrzeuge und 18 Helden stehen zur Verfügung, wenn im laufenden Spiel genug Kampfpunkte gesammelt wurden. Für Raumschlachten existieren drei grundverschiedene Klassen – und Helden in Raumschiffen gibt es auch.

Die Anpassung all dieser spielbaren Figuren und Vehikel erfolgt, wie auch im Vorgänger, über ein Kartensystem. Bis zu drei können jeweils ausgerüstet werden und verbessern oder aktivieren einen Aspekt. Die normale Angriffsklasse könnte mit einer Karte also beispielsweise den Radius seines Thermaldetonators erhöhen oder diesen durch eine Ionen-Granate ersetzen. Klingt bis hier noch einfach, doch ergibt das insgesamt eine riesige Menge Karten, die noch dazu in vier Stufen eingeteilt sind. Mit diesem System ist auch die große Krux verbunden, die ›Star Wars: Battlefront II‹ mit sich trägt: Bis zu drei zufällige Karten sind in den Zufallskisten enthalten, die für die erspielten Credits gekauft werden können. Die Karten können auch einzeln hergestellt und aufgewertet werden, mit Plündermaterial, das es ebenfalls in besagten Kisten gibt. Da zu Beginn prestigeträchtige Helden wie Luke oder Darth Vader gesperrt sind, verschlingt das Freischalten die wertvollen Credits. Eine weitere Währung sind Kristalle, die ursprünglich gegen echte Euros zu erwerben sein sollten. Um dem Spielervolk mit den dicken Brieftaschen dieses Modell schmackhaft zu machen, wurde bei der Ausschüttung von Credits stark gegeizt. Durch bessere Karten werden Spieler besser und haben bessere Chancen gegen weniger gut ausgerüstet Konkurrenten. Verführerisch also, mit dem eigenen Geldbeutel nachzuhelfen.

Gekaufte Macht

Schon bei der Beta-Phase fiel das auf und sorgte für Entrüstung in den sozialen Medien. Bis zum Erscheinen wurden aber nur die Preise für das Freischalten der Helden halbiert, denn schon ein einziger Luke Skywalker beanspruchte gut 10 Stunden. In der exklusiven Woche vor Launch, in der Vorbesteller und Kunden von EAs Access Zugriff auf das Spiel hatten, braute sich ein ausgewachsener »Shitstorm« zusammen. Gerüchteweise auch unter Druck von Disney, wurden die Kaufoptionen mit Echtgeld schließlich deaktiviert. Doch im Leumund war der Titel bei der Spielergemeinde schon durchgefallen. Von Pay-to-win war die Rede, dass ein Sieg erkauft werden könne. Dazu hinterlässt die Glückspielmechanik der Zufallskisten einen schlechten Eindruck, sodass mehrere Länder ihre Justiz mit der Rechtmäßigkeit eines solchen Glückspiels beschäftigen. Übrigens sind dabei ebenso Konkurrenzprodukte Objekt der Untersuchungen.

Was bleibt aber ohne die – nun deaktivierten – Kaufmechanismen für den Konsumenten über? Das Voranschreiten ist schleppend und demotivierend, erst im neuen Jahr hat sich die Ausschüttung der Credits erhöht. Doch der Geschmack bleibt schal und bei einer digitalen Niederlage steht immer die Elefantenfrage im Raum: War der Gegenspieler nun besser als ich oder lag es daran, dass sein Granatenexplosionsradius größer war als mein eigener?

Schön wie die Sterne

Im technischen Bereich lässt sich, wie aus dem Vorgänger gewohnt, wenig Kritik üben. Die grafische Qualität und Modellierung der Objekte ist hervorragend, das Spielerlebnis flüssig und die Akustik ein Ohrenschmaus. Aussehen, Klang und Eigenarten des ›Star Wars‹-Universums wurden in Perfektion eingefangen. Deutlich profitiert die Bildqualität dabei von den stärkeren Konsolenversionen. Auf PS4 Pro und der Xbox One X ergeben sich deutlich höher aufgelöste Bilder. Bei Nutzung der Basisversionen PS4 und Xbox One machen sich Kantenflimmern und vereinfachte Effekte bemerkbar. So werden beispielsweise Explosionen in der Entfernung mit deutlich geringerer Bildwiederholrate dargestellt und wirken wie aus einem Daumenkino. Im Eifer des Gefechts bleibt der allgemeine Spielfluss dadurch auf allen Konsolen erhalten. Anfängliche Fehler, die für unsichtbare Raumgleiter und durch den Boden stürzende Droiden sorgten, gehörten nach wenigen Wochen schon der Vergangenheit an.

Fazit

[su_progress_pie percent=“75″ text=“75%“ size=“100″ text_size=“20″ align=“right“ fill_color=“#327d1e“ text_color=“#333a33″]Dem zweiten Ableger der ›Battlefront‹-Reihe kann nicht vorgeworfen werden, seine Versprechungen gebrochen zu haben. Er ist noch schöner, bietet bedeutend mehr Inhalte und wurde in allen Aspekten überbearbeitet und ausgebaut. Leider trifft das Ausbauen genauso auf die negativen Aspekte zu, denn insbesondere das schlichtweg korrumpierte Fortschrittssystem, egal ob mit Echtgeld oder ohne, sabotiert den Spielspaß für viele Spieler deutlich. Für den Gelegenheitsspieler, der tatsächliche und eingebildete Ungerechtigkeit ausblenden kann, finden sich einige Dutzend Stunden Spielspaß in ›Star Wars: Battlefront II‹.  Echte Jedi werden das Ungleichgewicht in der Macht meiden wollen, auch wenn die Versuchungen des bisher hochwertigsten »Star Wars«-Videospiels groß sind.

Hat gefallen
  • Beeindruckende, detailgetreue Grafik
  • Großer Umfang, viele Möglichkeiten
  • DLC Erweiterungen ohne weitere Kosten
  • Geschichte mit guter Prämisse…
Hat nicht gefallen
  • …aber nicht konsequent erzählt
  • Fortschrittsystem im Mehrspielermodus schlecht
  • Fader Beigeschmack des Glücksspiels

|FLORIAN RUSTEBERG

Titelangaben

Star Wars: Battlefront II
Electronic Arts
erhältlich für PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows.

 

 

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