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Ich Mann, du Frau – wir nix gemeinsam

Bühne | Comedy: Caveman

Heike schmeißt Tom aus der gemeinsamen Wohnung. Tom versucht über den gesamten Abend, Heike umzustimmen. Doch wird er es schaffen? Relativ gelassen macht er aus der Not eine Tugend und erklärt den »gaffenden Passanten« (Zuschauer) die Unterschiede zwischen Mann und Frau.
Zwei Stunden lang.
Allein.
ANNA NOAH lässt sich über Klischees und den normalen Partnerschaftswahnsinn aufklären.

»Das ist sie, die prähistorische Heidi Klum.«

CavemanDer Amerikaner Rob Becker hat das Stück »Defending the Caveman« geschrieben – ein Programm, das sämtliche Klischees von Männern und Frauen nicht nur bedient, sondern sie so extrem überzeichnet, dass sie ad absurdum geführt werden. Es ist das siegreichste Soloprogramm, das je am Broadway gespielt wurde – und nun gibt es den »Caveman« seit wenigen Jahren auch in Deutschland.

Auf der männlichen Seite jene klar überschaubare Welt von scharf umkämpften Nacho-Schüsseln und wechselnden Revieren samt der Frage »Wer holt denn nun Nachschub?« Auf der anderen Seite die eher gemeinschaftlich orientierte Sphäre aus Freundinnen sowie deren gemeinsamer Gang in die Küche, die obige Frage gar nicht erst aufkommen lässt. Beide Lager festigen auf diese spezielle Art und Weise ihre Freundschaft – so der Darsteller Felix Theissen. Der Zuschauer erfährt im Sekundentakt, warum für Männer Fernsehen schlichtweg Arbeit ist und Frauen sich ein sauberes Badezimmer wünschen, auch ohne dort Schönheitswettbewerbe abhalten zu wollen.
»Caveman« versucht erfolgreich, einen vergnüglichen wie auch treffenden Blick ins Innere einer jeden Beziehung zu werfen.

Felix Theissen
Felix Theissen studierte Schauspiel in Wien und Moskau. In Berlins freier Theaterszene war er Mitbegründer von einigen Produktionen, zuletzt widmete er sich auf zahlreichen Gastspielen dem Phänomen des Elternwerdens und begeistert mit der Theater-Comedy »Männerabend«.
Im Fernsehen sah man ihn unter anderem in »Doppelter Einsatz«, »Der letzte Zeuge« und »Alarm für Cobra 11«.
Seit 2003 steht er als »Caveman« auf der Bühne.

Worum geht es eigentlich wirklich?

Caveman AusschnittEsther Schweins inszeniert hier ein Stück über die Andersartigkeit zwischen Männern und Frauen. Soweit nichts Neues. Jedoch arbeitet es die Verhaltensunterschiede sehr individuell auf und will suggerieren, dass weder Männer noch Frauen etwas für ihre Macken können. Seit 30.000 Jahren gilt: Männer sind Jäger und Frauen sind Sammler(innen). Hat dies immer noch einen Einfluss auf unsere Instinkte? Männer seien zielorientiert und damit in der Lage, ein neues Hemd in zwei Minuten zu kaufen. Frauen seien anders, denn sie hätten als Sammler(innen) gelernt, schnell Dinge (Gefahren) zu erkennen, befühlen, erfahren und letztendlich – sammeln. Das ist auch der Grund, wieso sie eine Stunde brauchen, um irgendein beliebiges Objekt schlussendlich auch auszuwählen. Seien es Schuhe, Möbel oder Klamotten.
Doch was sagt das über Partnerschaften aus? Wollen Männer immer mehr Frauen jagen? Sammeln Frauen etwa Beziehungen – je mehr, desto besser?

Ein kritischer Blick auf die Gesellschaft zeigt: Selbstsucht wird allerorten proklamiert, jeder solle recht früh im Leben einen Selbstfindungstrip machen und das doch am besten aller drei Jahre, um zu überprüfen, ob man sich noch auf dem richtigen Gleis befindet. Das ist natürlich hinderlich für Partnerschaften, die eigentlich auf Toleranz, Respekt und Liebe basieren sollten.
Ist das eine Quintessenz von »Caveman«? Die Rückbesinnung auf die urältesten Unterschiede?

Von Speeren und Blumen sammeln

Was ist nun mit jener Welt von zappenden Fernbedienungen und zu bohrenden Löchern auf Männerseite? Ist die in Gefahr? Oder die Informationslust der Frauen?
Wie funktioniert die Kommunikation zwischen Mann und Frau überhaupt? Laut Inszenierung sprechen Frauen täglich 7000 Wörter, Männer jedoch nur 2000. Was passiert also, wenn ein Paar abends aufeinandertrifft? Sie erraten es: Der Mann hat seine 2000 Worte schon verbraucht, die Frau hat noch 5000 übrig.
Der Unterschied geht munter im Bett weiter: Der Mann hat seinen Orgasmus und findet, sein Speer hat genug getan. Die Frau dagegen sammelt Orgasmen (Blümchen) in ihrem Körbchen.

Caveman SzeneThiessens schauspielerische Kunst hält den Spannungsbogen des Programms über viele Minuten hinweg konstant. Er driftet nie vom eigentlichen roten Faden ab. Und immer, wenn man denkt: »Das Klischee kenne ich schon«, setzt er noch einen neuen Witz oben drauf. Und darauf meist noch einen.
So kommt es, dass man sich bis zum Schluss nicht langweilt.
Auch wenn der zweite Teil des Programms etwas sehr sexlastig erschien, so hat er es doch geschafft, die Zuschauer im Theater wieder zu verblüffen, nämlich, indem er an den vorhandenen Damen seine These bewies, dass Frauen Entscheidungsprobleme hätten.
Nur so ist es dann wohl auch zu erklären, dass Heike ihren Tom am Ende doch wieder in die Wohnung lässt. Oder?

| ANNA NOAH
| FOTOS: JÖRG REICHHARDT

Showangaben
Caveman (Theater Mogul)
Darsteller
Tom – Felix Theissen
Regie: Esther Schweins
Original: »Defending The Caveman« von Rob Becker

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