Musikalisches Potpourri

Musik | Colm Boyd: Book of Songs

Colm Boyd ist ein irischer Musikblogger, und mit seinem »Book of Songs« wird er besonders jene Musikfans faszinieren, deren Interesse ein wenig übers einfache Musik-Konsumieren hinausgeht, denn: da ist garantiert für jeden etwas dabei, für jeden Geschmack, jedes Alter, jede Generation. Und während man die Klänge im Ohr hat, liest man Dinge, die man vorher sicher nicht immer wusste. So auch BARBARA WEGMANN.

Book of Songs»Worte lassen dich denken, Musik lässt dich fühlen, und ein Song lässt dich einen Gedanken fühlen», so zitiert Boyd den US- Texter E. Y. Harburg, der ›Over The Rainbow‹ schrieb. Wie ein Motto für seine 500 in diesem Buch aufgenommenen Titel, alle stammen aus verschiedenen Genres, sind in 70 Kapitel gegliedert, eine große Stoffsammlung, eine intensive Recherche. Und geworden ist daraus so etwas wie eine prächtige musikalische Pralinenschachtel: Für jeden wird garantiert etwas dabei sein. Da sind die Songs über das Essen, das Trinken, die Hoffnung, die Liebe, das Pleitesein. Da gibt es Songs über Prostituierte, über ultimative Vollidioten, den Krieg und das Älterwerden. Und genau das schaue ich mir doch direkt einmal an, stolpere über den guten alten Jim Croce, ›Time in a bottle‹.
»If I could save time in a bottle
The first thing that I’d like to do
Is to save every day till eternity passes away
Just spend them with you.«

1970 schrieb Croce diesen Song, drei Jahre später starb er bei einem Flugzeugabsturz.

Texte werden angerissen, Boyd bietet kurzweilige Informationen zu dem Song, ein bisschen Hintergrund, ein bisschen Geschichte, plaudert kurzgefasst über Band, Werdegang, Studios, die Zeit, Instrumente und Kurioses. Alle Musiktitel übrigens sind u.a. bei Spotify zu finden, der entsprechende Code steht jeweils unter der Kapitel-Überschrift.

Über Mischung und Auswahl der Titel kann man streiten, so ist das ja auch bei Pralinen, einige bleiben immer übrig in der Packung. So ist das bei Musik wohl auch. Boyd stellte die Sammlung mit einem Team zusammen. »Was für die eine Bob Dylan ist, ist für den anderen Adele… wir tendieren dazu, Lieder, die wir mögen, mit einer Art elterlichem Beschützerinstinkt zu verteidigen.« Dennoch lohnt es sich, auch die kurzen Abrisse über jene Titel zu lesen, die man nicht kennt. Bei den meisten aber liegt die Musik gleich mit zwischen den Zeilen und manchmal stellt sich heraus, dass es durchaus spannend ist, sich einmal Textzeilen genauer anzusehen, wie bei ›Riders in the Storm‹, dem berühmten Titel der Doors.

Jim Morrison soll als Teenager auf seinen Tramp-Reisen durch Florida Skizzenbücher »mit oft gewaltsamen Zeichnungen eines mysteriösen Landstreichers« angefertigt haben. Jahre später dann der Hit ›Riders on the Storm‹ über einen mörderischen Tramper. Fans sahen darin »den berüchtigten Mörder Billy Cook, der als Anhalter auf dem Weg nach Kalifornien sechs Menschen tötete.«
»If you give this man a ride
Sweet family will die
Killer on the road.«

Ganz schön gruselig, kurz vor Morrisons Tod wurde der Song veröffentlicht und wer genau hinhört, so Autor Boyd, könne ein düsteres Wispern hören, das Jims Gesang begleitet. Das, so einer seiner Bandkollegen, sei das Letzte gewesen, das er aufgenommen habe.

So manche Texte sind nicht ohne, schließlich bekam Bob Dylan den Literaturnobelpreis 2016, andere Texte sind durch Bücher angeregt, tragen persönliche Handschriften oder erzählen lohnende Geschichten. Zeit also, den Texten einmal genauer zuzuhören. Vollständig gibt es die Texte in diesem Buch leider nicht, dafür aber genug Anreiz, selbst weiter zu recherchieren. Bei der Recherche habe er gestaunt, gibt Boyd zu, er habe geweint, lauthals gelacht, verschiedene Quellen herangezogen und dabei immer wieder fassungslos gerufen: »Kann das denn wirklich wahr sein?«

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Colm Boyd: Book of Songs
Die Playlist für jede Lebenslage
Prestel Verlag
272 Seiten, 22 Euro
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

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| Leseprobe

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