1, 2, 3 … ich komme!

Kinderbuch | Daniel Barrow: Elefant, wo bist du?

So schwierig kann es ja wohl nicht sein, einen Elefanten, der sich versteckt, zu finden. Na ja, im afrikanischen Busch vielleicht. Aber doch nicht in der Wohnung oder im Garten. Zwei Freunde spielen Verstecken und sie machen das ziemlich toll, findet ANDREA WANNER.

Das Bild zeigt einen Elefanten, der sich hinter einem kleinen Bäumchen zu verstecken versucht.Der Vorschlag kommt vom Elefanten. Die Idee, dass der sich dann auch verstecken soll, hat der kleine Junge. Der Dickhäuter legt sofort nach: »Aber ich muss dich warnen. Ich bin ZIEMLICH gut.« Dann ist ja alles klar. Wobei der Elefant vielleicht nicht ganz riesig, aber doch schon sehr groß ist. Und die Wohnung eine ziemlich normale Wohnung mit Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Garten mit Wäscheleine und Gartenhäuschen. Überall sucht der Kleine mit den dunklen Wuschellocken. Und nirgends kann er seinen Freund finden. Ein resigniertes »Ich gebe auf!« und der zeigt sich am Ende.

Was vorher geschah? Eine ziemlich verrückte Suche, bei der alle, die sich das Bilderbuch anschauen, mehr Glück haben werden, als der eigentliche Sucher. Denn der Elefant ist da. Mal gut getarnt, mal weniger. Aber für die, die hinschauen schlicht unübersehbar. Was für ein wundervoller Versteckspaß, wenn das Rüsseltier ganz mit der grauen Tapete zu verschmelzen scheint und einen Lampenschirm über den Kopf zieht. Oder der nach dem Gesuchten gefragte Papa nur mit einem verständnislosen »Elefant?« reagiert, weil er gerade in ein Fußballspiel, das im Fernsehen gezeigt wird, vertieft ist. Und dabei total übersieht, dass es kein Geringerer als dieser Gesuchte ist, der quasi als Fernsehhalterung fungiert.

Die Diskrepanz zwischen Text und Bild sorgt für echte Lacher. Wenn der Junge im Schlafzimmer feststellt, dass der Elefant nicht unter dem Bett liegt, verbirgt sich der, nur spärlich getarnt mit einer Decke, auf dem Bett. Der Raum ist in ein rosarotes Licht getaucht und die monochromen Farben verschlucken die Gegenstände und Lebewesen ein Stück weit. Aber doch nicht so, dass man ein Tier in dieser Größe übersehen könnte. Man kann. Allerdings erspäht ein kleiner Hund, der sich als Randfigur an der Suche beteiligt, seinen vierbeinigen Kollegen sehr viel schneller. Aber vielleicht sieht er ihn auch nicht, sondern riecht ihn…

Ende gut, alles gut? Fast, denn außer dem Hund gesellt sich ein weiteres Tier zu den dreien. Eine Schildkröte. Und die hat gleich einen neuen Vorschlag: »Möchtet ihr vielleicht Fangen spielen«. Und als auch da zugestimmt wird, fügt sie ihrerseits eine Warnung hinzu, die man sich schon fast denken kann: »… ich bin ziemlich gut!« Und das Stirnband, das sie dann über dem Kopf trägt, verrät auch ihren Namen: Blitz. Wie es weitergeht: Dafür sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und die herrlich schräge Geschichte lässt sich weiterspinnen.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Daniel Barrow: Elefant, wo bist du?
(Have You Seen Elephant, 2015)
Aus dem Englischen von Bernd Stratthaus
Berlin: Annette Betz 2022
40 Seiten, 14,95 Euro
Bilderbuch ab 3 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Auf sein Gefühl vertrauen, kann manchmal tödlich sein

Nächster Artikel

Dieb gesucht – Detektivin Kate ermittelt

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Das ganz normale Unglück – und noch etwas

Kinderbuch | Stefan Boonen: Der Riese, der mit dem Regen kam Ein hässliches Hochhaus, unsympathische Nachbarinnen, pubertierende Rowdys, Armut und vernachlässigte Kinder, das hat man doch schon alles gelesen. Und nicht nur einmal. Aber nicht mit Riesen! Stefan Boonen hat sich für sein jüngstes Kinderbuch etwas Besonderes ausgedacht, ganz, ganz besonders. Von MAGALI HEISSLER

Eine Katze, ein Fisch, ein Hund und ein Krokodil

Kinderbuch | M. Rinck, M.v.d. Linden: Tangramkatze Langeweile ist etwas Schönes, denn dann kann man was entdecken. Zum Beispiel, dass man mit Tangram nicht nur Figuren legen, sondern ganze Geschichten erzählen kann. GEORG PATZER ist angetan von dem spielerischen Buch.

Far, far away

Kia Orana. Kinder der Cook Inseln/Südsee zeichnen, malen, erzählen Rarotonga, Aitutaki, Atiu, Mangaia, Manuae, Mauke, Mitiaro, Palmerston und Takutea: Nie gehört? Manihiki, Nassau, Penrhyn, Pukapuka, Rakahanga und Suwarrow: keine Ahnung, was das sein soll! ANDREA WANNER freute sich über einen exotischen Ausflug.

Abschied vom Sommer

Kinderbuch | Martin Klein: Finn und Frieda halten den Herbst auf Alles geht einmal zu Ende. Aber dass sogar der Sommer vorbei sein soll, können die Geschwister Finn und Frieda schlicht nicht fassen. Was jetzt? Von ANDREA WANNER

Riesig

Kinderbuch | Peter Goes: Flüsse dieser Erde Wasser ist nicht nur Baustein des Lebens, es hat für Menschen zudem eine besondere Faszination. Peter Goes hat sich von dieser Faszination leiten lassen. Vor allem die großen Wasserläufe haben es ihm angetan. Entsprechend dem Thema ist das Ergebnis einfach riesig! Von MAGALI HEIẞLER