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Sich selbst hinterfragen

Menschen | Zum Tod des Oscar-Preisträgers Robert Redford

»Das Leben wird einfach spannender, während man es lebt: Man wird reflektierter, man erkennt sein eigenes Potenzial besser, und gleichzeitig lernt man, die Dinge besser zu genießen«, hatte Robert Redford 2018 in einem Interview mit der Welt« verraten. Und mit dem Altern habe er überhaupt kein Problem. Ihm gefalle es auch, wie sich Frauen mit dem Alter entwickeln, hatte der als Herzensbrecher auf den Kinoleinwänden weltberühmt gewordene Schauspieler schon vor etlichen Jahren erklärt. Von PETER MOHR

2017 war er noch einmal in der Krimi-Komödie ›Ein Gauner und Gentleman‹ an der Seite von Jane Fonda zu sehen gewesen, im gleichen Jahr wurde er in Venedig für sein Lebenswerk mit dem ›Goldenen Löwen‹ ausgezeichnet.

1976 spielte Redford in ›Die Unbestechlichen‹ eine der Hauptrollen – an seiner Seite der ein Jahr jüngere Dustin Hoffman. Zwei Hollywoodstars, deren Image kaum unterschiedlicher sein könnte: Hoffman, der Perfektionist für die schwierigen Charakterrollen, und Robert Redford der geborene Charmeur, dem die Damenwelt stets zu Füßen lag.

Gegen das zu Unrecht in der Öffentlichkeit lancierte Klischee von »Everybodys Darling« hat Robert Redford mit zunehmendem Alter vehement angekämpft, sich von der Kommerzmaschine Hollywood distanziert und auf seine Farm in den Bergen von Utah zurückgezogen. Dort frönte er an der Seite seiner Ehefrau, der 20 Jahre jüngeren deutschen Malerin Sybille Szaggars, seinen Hobbys: Reiten, Wandern und Skifahren.

»Ich habe nichts gegen Filme, die einfach nur unterhalten wollen, aber wenn eine Geschichte nicht eine bestimmte emotionale Tiefe besitzt, dann bin ich nicht daran interessiert, daraus einen Film zu drehen«, sagte Redford 2005 in einem Interview. Ein Sinneswandel, den sich der 2002 mit einem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnete Star erlauben kann.

Robert Redford, der am 18. August 1936 in Santa Monica geboren wurde, machte in seiner Jugend durch etliche Eskapaden auf sich aufmerksam: auf der Highschool erhielt er einen Verweis wegen eines Diebstahls, und ein Baseball-Stipendium (er war ein talentierter Sportler) am College verlor er wegen wiederholter Trunkenheit. Erst über den Umweg eines Paris-Abstechers, wo er Malerei studierte, fand Redford an der American Academy of Dramatic Arts in New York den Weg zur Schauspielerei.

Der künstlerische Durchbruch gelang ihm 1966 an der Seite von Jane Fonda in ›Barfuß im Park‹. Danach stellen sich die Erfolge in rasantem Tempo ein. Jeweils mit Paul Newman spielte Robert Redford in den Kassenschlagern ›Zwei Banditen‹ (1969) und ›Der Clou‹ (1973). Trotz des einsetzenden Erfolges gründete Redford schon 1969 seine eigene Produktionsgesellschaft: »Als Schauspieler war ich irgendwann total frustriert. Da wollte ich lieber den ganzen Film selbst in der Hand haben – wie ein Künstler, der ganz allein seine Leinwand vollmalt.« Redford zeigte Hollywood die kalte Schulter, als ihm die Hauptrolle für die ›Love Story‹ angeboten wurde. Über das Drehbuch befand er: »It’s shit!«

Unvergessliche Kinohighlights sollten da noch folgen – an der Seite von Meryl Streep in »Jenseits von Afrika« (1985) oder zusammen mit Demi Moore in ›Ein unmoralisches Angebot‹ (1992). Zudem erhielt er 1981 den ›Oscar‹ für die beste Regie des Films ›Eine ganz normale Familie‹, im selben Jahr den ›Golden Globe‹, und die Universitäten von Colorado und Massachusetts verliehen ihm Ehrendoktorwürden.

Redford war immer gefragt, ob als Schauspieler, Regisseur oder Produzent, wie die späten Erfolge mit ›Der Pferdeflüsterer‹ (1998), ›Die Legende von Bagger Vance‹ (2000), ›Ein ungezähmtes Leben‹ (2005) oder ›Die Akte Grant‹ (2012) beweisen. »Man ist nie zu alt oder zu erfolgreich, um nicht noch etwas dazulernen zu können. Und ganz gleich, was du erreicht hast: Es kann nie schaden, sich selbst zu hinterfragen«, hatte Redford 2014 in einem Interview mit der Wochenzeitung ›Die Zeit‹ erklärt. Gestern ist der einstige Hollywood-Sunnyboy und spätere selbstkritische Grandseigneur im Alter von 89 Jahren n seinem Haus in Sundance gestorben.

| PETER MOHR
| Titelfoto: Ken Dare, Los Angeles Times, Robert Redford 1973-2, CC BY 4.0

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