Wir treffen Aali gemeinsam mit seinem Freund Frank, einer Brasse, an einem trüben Morgen im Frühherbst im Nord-Ostsee-Kanal. Was hier seinen Anfang nimmt, ist eine der ungewöhnlichsten Geschichten aus dem Tierreich. Und das Beste daran, findet ANDREA WANNER, sie ist wahr.
Irgendetwas ist anders an diesem Tag. Frank, eine Brasse, sagt ihm: »Du guckst wie eine Salami!« Aali ist irgendwie nicht er selbst, hat keinen Appetit und es zieht ihn fort. Das gab es noch nie. Aber dieser Ruf, den der Aal in sich spürt, ist so drängend, dass er ihm einfach nachgeben muss. Aali, will nicht, nein er muss los. Das tut er. Und er bricht auf in das größte Abenteuer seines Lebens.
Aale beginnen ihr Leben als winzige Eier weit draußen im Meer. Daraus schlüpfen durchsichtige Larven, die mit den Meeresströmungen nach Europa treiben. Dort werden sie zu glasklaren Glasaalen und schwimmen in Flüsse. Dort wachsen sie viele Jahre als dunkle Gelbaale heran. Wenn sie erwachsen sind, bekommen sie einen silbernen Bauch und machen sich als Blankaal auf die lange Reise zurück ins Meer, zurück zur Sargasso-See, um Nachwuchs zu bekommen. So kann man das nachlesen. Das klingt wirklich faszinierend, was sich die Natur da ausgedacht hat. Aber was Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich daraus machen, ist grandios.
Das wissenschaftliche Sachwissen ist der Ausgangspunkt für eine Geschichte voller Spannung, unerwarteter Begegnungen, neuer, kurzer Freundschaften, Gefahren und vielen Geheimnissen. Schon nach wenigen Sätzen ist aus dem Aal, der wahre Held geworden, mit dem man mitfiebert. Wir begleiten ihn durch eine faszinierende Unterwasserwelt, wo es Quallen und Schildkröten, Krabben und Muscheln und Haie gibt. Aali feiert eine Party im Hafenbecken und wird ein Stück von Jorla, einer Robbe begleitet. Alles ist fremd und neu, bedrohlich und spannend. Aali weiß, dass er weitermuss und findet seinen Weg, obwohl er ihn noch nie zuvor geschwommen ist.
Die Illustrationen von Nele Brönner nehmen uns mit in dieses unbekannte Reich unter Wasser. In Grün- und Gelbtönen, mit viel Schwarz sind die Seiten gestaltet, auf denen der Text um seinen Platz kämpfen muss. Es schwimmt und plantscht, gluckert und wogt, erreicht die Wasseroberfläche und taucht wieder ab: wow!
Ein Sachbuch? Ja, es gibt ganz viele Fakten und auch die Illustrationen orientieren sich bei aller Abstraktion an der Realität: Aber Aalis Reise ist viel mehr. Eine poetische Quest, eine Mission, die es zu erledigen gilt, um den Sinn des eigenen Daseins zu erreichen. Was für ein unglaubliches Wunder, so unglaublich märchenhaft erzählt.
Titelangaben
Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich: Aali muss los
Mit Illustrationen von Nele Brönner
Hamburg: Huckepack im mairisch Verlag 2025
64 Seiten. 20 Euro
Kinderbuch ab 7 Jahren
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