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Der Freund aus Damaskus

Menschen | Zum 80. Geburtstag von Rafik Schami erschien der Roman ›Das Mosaik der Frauen‹

»Ich erzähle nicht Orientalisch. Ich erzähle Rafik-Schamisch. Meinen Stil habe ich so aufgebaut. Ich konnte mit Prinzen und Prinzessinnen nichts anfangen, die dauernd in Ohnmacht fallen, wenn sie sich verlieben. Was soll das? Ich erzähle von Damaskus von heute, ich erzähle von Deutschland von heute in der Form der mündlichen Erzählkunst«, erklärte der Schriftsteller Suheil Fadel, der unter seinem Pseudonym Rafik Schami weltweit bekannt geworden ist – als begnadeter Erzähler, virtuoser Vortragskünstler, der den Kontakt zum Publikum liebt, aber auch als leidenschaftlicher Brückenbauer zwischen Orient und Abendland. »1982 ging ich das erste Mal auf Tournee. Bis Ende 2025 hielt ich 2820 Erzählabende. Auf meinen Tourneen reiste ich über 471 000 km. Ich umkreiste also erzählend elfmal die Erde«, so Schami, der am 13. Juli im Literaturhaus München zum letzten Mal auftritt. Von PETER MOHR

Sein Geburtsname Suheil Fadel bedeutet übersetzt »Freund aus Damaskus«. Schami, der am 23. Juni 1946 in der syrischen Hauptstadt Damaskus als Sohn eines christlichen Bäckers geboren wurde, kam 1971 nach Deutschland, sprach kein Wort Deutsch, studierte später Chemie und promovierte 1979 in Heidelberg. Um sein Deutsch zu verbessern, schrieb er einst Thomas Manns Monumentalwerk ›Buddenbrooks‹ mit der Hand ab.

Schami vereint in seinen Büchern orientalische Traditionen und abendländisches Erzählen. Märchenhafte Elemente stehen oft direkt neben knallharten Alltagsbeobachtungen, immer mit leichtem Augenzwinkern erzählt. Die Hamburger Wochenzeitung ›Die Zeit‹ bezeichnete ihn vor einigen Jahren als »letzten Wanderliteraten«, und für die ›Süddeutsche Zeitung‹ ist er »einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart« – inzwischen in Deutschland mit unzähligen Preisen dekoriert.

Seine Bücher wurden in 35 Sprachen übersetzt. Zu den bekanntesten Werken gehören Romane wie ›Erzähler der Nacht‹ (1989) ›Die dunkle Seite der Liebe‹ (2004) und «Der Anfang aller Geschichten« (2015) oder die Erzählungen ›Mein Sternzeichen ist der Regenbogen (2021). Große internationale Beachtung fand auch sein Eintreten für die Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis – so auch als Herausgeber der Aufsatzsammlung ›Angst im eigenen Land‹ (2001), in der Araber wie Israelis zu Wort kommen und zum Nahost-Konflikt Stellung nehmen.

Ein geometrisches Muster hinter dem titelgebenden SchriftzugIn seinem vor einigen Wochen erschienenen neuen Roman ›Das Mosaik der Frauen‹ erzählt Rafik Schami von mutigen Frauen, die mit inneren Konflikten und ausgeprägten emotionalen Schwankungen zu kämpfen haben. Die Figuren stammen aus unterschiedlichen Epochen und aus verschiedenen sozialen Schichten. Die Frauen fungieren als Assoziationspunkte im Lebensrückblick der männlichen Hauptfigur Nadim.

»Als Kind war ich oft krank und glaubte nicht, dass ich alt werde, deshalb habe ich immer sehr intensiv gelebt«, erklärte Schami, der seit einigen Jahren mit seiner Frau, der Zeichnerin und Autorin Root Leeb in Marnheim in der Westpfalz lebt.Groß feiern will er nicht, aber zurückblicken und »eine gewisse Bilanz ziehen«. Vielleicht verbringt er seinen 80. Geburtstag so ähnlich wie seinen 75sten: »Ich werde den Tag mit meiner Frau und meinem Sohn verbringen und, wenn das Wetter es erlaubt, lange spazieren gehen«, hatte er sich vor fünf Jahren vorgenommen.

| PETER MOHR

Titelangaben
Rafik Schami: Das Mosaik der Frauen
München: Carl Hanser Verlag 2026
304 Seiten, 25 Euro

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