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Gewalt, Macht und Liebe

Bühne | West Side Story (Ettlingen)

Gefühlvoll, leidenschaftlich und spannend bis zum Schluss: JENNIFER WARZECHA hat die ›West Side Story‹ bei den Ettlinger Schlossfestspielen gesehen.

Ein Mann und eine Frau küssen sichMit entrüstetem, machtlüsternen Gesichtsausdruck gehen »Die Jets« und die »Jet Girls« auf wiederum »Die Sharks« und die »Shark Girls« in ›West Side Story‹ immer wieder aufeinander los. Mittendrin vollzieht sich die Liebesgeschichte zwischen Maria (leidenschaftlich und ausdrucksstark: Paulina Rodriguez Busquets) und Tony (gefühlvoll, authentisch und ausdrucksstark: Denis Riffel). Die beiden Protagonisten zeigen, wie viel Liebe bewirken kann – eine solche, die auch bei der Abschiedsinszenierung der scheidenden Intendantin der Ettlinger Schlossfestspiele Solvejg Bauer (Regie) zum Tod führt.

Gewalt, Macht und Liebe sind das Trio, auf dem schon andere Stücke und Filme wie Wilhelm Shakespeares ›Romeo und Julia‹ aufgebaut sind. Ähnlich bekriegen sich die Banden auch im Musical ›West Side Story‹ nach einer Idee von Jerome Robbins, dem Buch von Arthur Laurents, der Musik von Leonard Bernstein sowie den Gesangstexten von Stephen Sondheim. Was ist es da aber, dass man auf der Ettlinger Bühne erlebt? Teilweise geht von den Musicaldarstellern, eben hauptsächlich den beiden Protagonisten, eine gewisse Dynamik aus, die einen von der Zuschauerposition oftmals in den fast drei Stunden an Aufführung – mit Pause – in sich verharren und innehalten lässt.

Die Spannung steigt insbesondere immer dann, wenn die Mitglieder beider Banden aufeinander losgehen. Schließlich geht es nicht nur um gesellschaftliche Identität und Akzeptanz, sondern gleichzeitig um das Recht des Stärkeren, das man sich hier jeweils erkämpfen möchte. Und dann, da, passiert es: Tony ermordet Bernardo (feurig, leidenschaftlich und ausdrucksstark: Teodor Pop) und die Sharks töten aus Rache jemand anderen aus der gegnerischen Bande. Wen genau, das ist aufgrund der Fülle an Bandmitgliedern nicht immer genau festzustellen. Als großer Kritikpunkt ist zu sagen: Die Bandenkriege, das Auftreten deren Mitglieder auf der Bühne, wirken manchmal lahm und oberflächlich. Auch hier setzen sich der Anführer der Sharks, Bernardo, und Tony als ehemaliges Mitglied der Jets, deutlich voneinander ab.

Die Liebesgeschichte von Tony und Maria lockert die Spannung auf, gerade wenn sich beide umgarnen und das Gerüst hinab klettern (Bühnenbild: Christian Held), um beieinander zu sein. Beide singen von und sehnen sich nach Liebe. Was sich erst so schön anzubahnen vermag, nimmt eine ungewollte und unerwartete Wendung. Schlüsselfigur hierbei ist Chino (passend zu seiner Rolle kühl, geradezu eiskalt: Maram El Dsoki). Er möchte den Mord an seinem Bruder, der auch noch ausgerechnet Marias Bruder ist, rächen. Anita von den »Shark Girls« (feurig, temperamentvoll und ausdrucksstark), einst Bernardos Geliebte, warnt die Gegenseite. Wer aber am Ende dann tatsächlich umgebracht wird und wie sich die Dramatik im Musical dann tatsächlich zuspitzt, das kann man sich noch bis zum Dienstag, 4. August, in Ettlingen ansehen.

Ein Mann und eine Frau stehen Arm in Arm auf einer Bühne

Das Musical gilt laut den Veranstaltern als »theatraler Höhepunkt der Intendanz von Solvejg Bauer, mit unseren Stars aus Musical, Tanz und Schauspiel – stimmungsvoll begleitet durch das Kammerorchester Ettlingen.« Dennoch hätte man es ein Stück weit gerade für eine Abendveranstaltung kürzer fassen können. Ansonsten überzeugen Darstellung, Gesang und Schauspiel auch dieses Mal wieder. Gelungen!

| JENNIFER WARZECHA

Titelangaben
WEST SIDE STORY
Musical nach einer Idee von JEROME ROBBINS
Buch von ARTHUR LAURENTS
Musik von LEONARD BERNSTEIN
Gesangstexte von STEPHEN SONDHEIM
Deutsche Fassung von Frank Thannhäuser und Nico Rabenald

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