Rike fühlt sich fremd in der eigenen Familie. Während ihre sportliche Schwester Larissa perfekt ins Bild passt, bleibt Rike eine unsichtbare Außenseiterin. Als auch noch ihre beste Freundin Lena wegzieht, bricht Rikes Welt endgültig zusammen. Doch mitten in dieser tiefen Einsamkeit taucht Nico auf – und verändert alles. Von ANDREA WANNER
Zwei Außenseiter gegen den Rest der Welt
Nico ist neu in der Klasse, selbstbewusst und erfrischend anders. Doch auch er trägt ein schweres Paket mit sich: Nico hieß früher Fabienne. Er fühlt sich als Junge und zieht diesen Weg nun konsequent durch – allen Widerständen zum Trotz. Zwischen den beiden ungleichen Jugendlichen entsteht sofort ein Band aus purer Vertrautheit. Nico gibt Rike den Mut, den Mund aufzumachen. Gemeinsam lüften sie schließlich ein schmerzhaftes Familiengeheimnis, das Rikes ganzes Leben auf den Kopf stellt: Ihr Vater ist nicht ihr leiblicher Vater.
Ein literarisches Puzzle gegen den Schmerz
Wie findet man zu sich selbst, wenn die eigenen Eltern einen nicht verstehen? Wenn der Vater die eigenen Gefühle als »zu zartes Pflänzchen« abtut und die Mutter die Identitätskrise als »zu viel Fantasie« belächelt? Rettung findet Rike in einem Schreibworkshop. In 100 kurzen, hochemotionalen Texten wirft sie ihre Zerrissenheit aufs Papier. Was als ungeordnetes, schmerzhaftes Puzzle beginnt, fügt sich Seite für Seite zu einem kraftvollen Ganzen zusammen.
Authentisch, feinfühlig und tief bewegend
Autorin Ulla Schuh weiß genau, wie Jugendliche fühlen und denken. Sie arbeitet als Gymnasiallehrerin und leitet selbst Schreibwerkstätten. Diese Erfahrung spürt man in jedem Satz ihres genial komponierten Debüts. ›Ich in 100 Teilen‹ ist ein literarisches Mosaik, das die emotionale Achterbahnfahrt der Pubertät und die radikale Suche nach der eigenen Wahrheit perfekt einfängt. Ein Buch, das im Kopf bleibt und das Herz berührt.
Titelangaben
Ulla Schuh: Ich in 100 Teilen
Weinheim: Beltz & Gelberg 2026
144 Seiten, 15 Euro
Jugendbuch ab 14 Jahren
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