Tierischer Reise-Reimspaß

Kinderbuch | Patricia Cleveland-Peck: Dürfen Elefanten mit dem Bus zu ihren Tanten?

Wer würde es Elefanten verwehren wollen, ihre Verwandten zu besuchen? So ein familiäres Treffen ist schließlich eine feine Sache. Der Knackpunkt ist hier jedoch das Verkehrsmittel. Selbst ein ordnungsgemäß bezahltes Busticket würde in diesem Fall für weit mehr Ärger sorgen, als allen Beteiligten lieb sein kann. Über diese mehr oder weniger passenden Arten der Fortbewegung von A nach B staunt ANDREA WANNER.

Wenn die Fortbewegung zum Desaster wird

Ein Elefant schiebt einen roten englischen Doppeldeckerbus zur Seite.Der Elefant ist schließlich nicht der Einzige, der sich bei der Verkehrsmittelwahl völlig vergreift. Während Affen im Einkaufswagen den Supermarkt ins absolute Chaos stürzen, sorgen Tiger im Zug für kollektive Schnappatmung bei den Mitreisenden. Auch Seehunde am Steuer sind den Tücken des Straßenverkehrs kaum gewachsen. Ein Tausendfüßler auf Rollschuhen müsste wiederum erst einmal finanziell massiv in Vorleistung gehen und wäre danach tagelang nur mit dem Anziehen beschäftigt. Und was genau mit einem Nilpferd in einem Heißluftballon geschehen würde, überlässt das Buch geschickt der eigenen, lebhaften Fantasie.

Sprachwitz ohne Qualitätsverlust

Munter und schwungvoll reimt sich Patricia Cleveland-Peck durch das Tierreich. Juri Johansson hat das Werk ganz famos ins Deutsche übersetzt: So pointiert, dass auf dem Weg kein einziger Witz auf der Strecke bleibt. Für jedes Wesen wird zielsicher das absolut ungeeignetste Transportmittel gefunden. Kein Wunder, dass am Ende eine gewisse Ratlosigkeit herrscht: »Ja, wie sollen wir denn jetzt reisen?« Die Antwort liefert das Buch prompt mit einer absolut grandiosen Lösung.

Der überbordende Humor der Vierzeiler wird kongenial durch die Illustrationen von David Tazzyman ergänzt. Im Comicstil mit viel Schwung platziert er einen Walfisch auf einem Fahrrad oder ein Schwein vorschriftsmäßig mit Helm und Protektoren auf einem lila Skateboard. Er arbeitet mit grafischen Mitteln, gemusterten Flächen, vereinfachten Hintergründen und originellen Details. Genial gelöst ist auch die Typografie: Der Text passt sich perfekt ein, wobei Tier und Fahrzeug jeweils in fetter Schrift betont werden. Vom jeweiligen Akteur in der Bildmitte oder deren Nähe aus, kann- man den Blick auf die Einzelheiten schweifen lassen: jede Doppelseite ein kleines, wunderbar komponiertes Meisterwerk für sich.

Dieses Bilderbuch ist ein grandioses Zusammenspiel aus pointiertem Sprachwitz und visueller Absurdität, das als herrlich britischer Vorlesespaß für Groß und Klein überzeugt und zeigt, dass der Weg manchmal eben doch nicht das Ziel ist – zumindest nicht im Linienbus.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Patricia Cleveland-Peck: Dürfen Elefanten mit dem Bus zu ihren Tanten?
(You Can’t Take An Elephant On the Bus, 2015)
Aus dem Englischen übersetzt von Juri Johansson
Illustrationen von David Tazzyman
Berlin: Kraus Verlag 2026
32 Seiten, 18 Euro
Bilderbuch ab 3 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Gefangen im falschen Leben

Nächster Artikel

Geschäfte mit Kindern

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Unendliche Möglichkeiten

Kinderbuch | Amanda Mijangos: ErZähl mir etwas

Zählen und Erzählen sind eng miteinander verbunden, da beide strukturieren, Sinn stiften und Informationen ordnen. Während das Zählen Mengen und Reihenfolgen festlegt, kontextualisiert das Erzählen Fakten, macht Daten erlebbar. Klingt kompliziert? In dem Bilderbuch von Amanda Mijangos erlebt man das auf ganz spielerische Art, freut sich ANDREA WANNER.

Da ist viel Wurm drin!

Kinderbuch | Noemi Vola: Über das unglückliche Leben der Regenwürmer

Bei einem großen Onlinehändler findet sich das Buch unter den Schlagworten »Zoologie« und »Umwelt und Ökologie« und viel falscher ließe sich das »relativ kurze naturkundliche Traktat« wohl kaum einsortieren. ANDREA WANNER lacht über das Missverständnis – und über das Buch.

Die Suche nach Heimat

Kinderbuch | Bart Moeyaert/Sebastiaan van Donninck (Ill.): Morris

Ein Junge, ein Hund und ein seltsamer Mann. Bart Moeyaert erzählt mit ›Morris‹ den Kampf eines Jungen gegen die Natur und einen seltsamen Mann. GEORG PATZER hat das Buch des niederländischen Astrid-Lindgren-Preisträgers Bart Moeyaert gelesen

Flüchtige Momente

Kinderbuch | Géraldine Elschner: Die kleine Tänzerin

Jeanne hat einen großen Traum: Sie möchte Klavierspielen und Tanzen. Weil Ihre Mutter Clémence ihr großes Talent erkennt, bekommt sie die Chance, die Aufnahmeprüfung an Ballettschule der Pariser Oper zu machen. Sie schafft es tatsächlich. Von ANDREA WANNER

Ein paar Worte zum sozialverträglichen Verhalten

Kinderbuch | Sigrid Zeevaert: Annabel und Anton. Tür an Tür in Nr. 9 Es gab eine Zeit, da wurde viel von Benehmen gesprochen und darunter verstand man nicht bloß Tischmanieren, sondern ein anständiges Miteinander. Da das in den Ruf geriet, völlig verstaubt zu sein, wurde der Begriff in »sozialverträglich« umgetauft. Das als wesentliche Grundlage für eine Kindergeschichte zu nehmen, ist immer noch ein Wagnis, wer will schon verstaubt sein? Sigrid Zeevaert ist das Wagnis eingegangen und präsentiert ein paar Worte zum sozialverträglichen Verhalten frisch, herzlich und überzeugend. Von MAGALI HEISSLER