/

Ein unschlagbares Duo

Jugendbuch | Jonathan Stroud: Bartimäus

Es nimmt kein Ende mit den Zauberer- und Hexenbüchern – aber wenn jemand mal wirklich eine gute, neue Idee hat wie der Engländer Jonathan Stroud im ersten Buch seiner Bartimäus-Trilogie, stürzt man sich voller Eifer auch gern mal wieder in ein Zauberabenteuer. Von ANDREA WANNER

Jonathan Stroud - Bartimaeus
Bartimaeus von Jonathan Stroud
Stroud arbeitet mit zwei Helden und zwei Perspektiven, aus denen er berichtet. Der eine Hauptdarsteller ist Bartimäus, der Namensgeber des Buches, ein arroganter und rücksichtloser Dschinn, der bereits 5000 Jahre alt ist. Der andere ist Nathanael, ein gerade mal zwölfjähriger Zauberlehrling. Aber auch diesem Anfänger in magischen Dingen mag man seine Sympathie nicht unbedingt schenken: Nathanael steht Bartimäus in Selbstüberschätzung und Hochmut in nichts nach.

Aber der Reihe nach: Wir befinden uns im London einer Epoche, in der die Zauberer das Sagen haben und an der Macht sind. »Normale« Menschen gibt es auch, aber die haben in diesem Reich wenig zu melden – und sind entsprechend unzufrieden (sich andeutenden Umsturzbestrebungen spielen eine kleine Rolle, werden uns aber sicher in Teil 2 oder 3 der Trilogie noch weiter beschäftigen).

Die Zauberer, so mächtig sie wirken, haben zwei Probleme: zum einen können sie gar nicht selber zaubern, sondern müssen das »richtige« Zauberwesen machen lassen. Das sind – in absteigende Rangfolge – Mariden, Afriten, Dschinn, Foliote und Kobolde.

Die Magier haben die besondere Macht, diese Wesenheiten beschwören zu können und sie sich zu Diensten zu machen. Das andere Handikap, mit dem sie zu kämpfen haben, besteht darin, dass sie keine Kinder haben dürfen. Um ihr Wissen weiterzugeben, müssen sie gewöhnliche Kinder adoptieren und diese ausbilden.

Und nun prallen so ein zaubermächtiger Dschinn – Bartimäus – und ein selbstgerechter Anfänger mit viel Talent – Nathanael – aufeinander. Das nur, weil Nathanael, der sich von seinem strengen Meister und dessen Kollegen gedemütigt fühlt, einen miesen kleinen Racheplan in die Tat umsetzt und dazu den Dschinn ruft. Die Sache ist nicht nur für Nathanael eine Nummer zu groß: Ausgerechnet das Amulett von Samarkand soll Bartimäus für ihn beschaffen. Welche Lawine er damit ins Rollen bringt, wird ihm zu spät klar.

Wahnsinnig spannend setzt Stroud sein Abenteuer um, kreiert die aberwitzigsten Wesen und schafft mit Bartimäus und Nathanael zwei unvergessliche Helden, die in so gar keine Schublade passen wollen. Zaubern ist hier nicht so ein bisschen Hokuspokus, sondern anstrengende Arbeit, die von der Pike auf gelernt sein will.

Und wen das alles noch nicht überzeugt, dem seinen die Fußnoten im Text empfohlen, in denen Bartimäus auf höchst unkonventionelle Art mit uns plaudert, gnadenlos angibt und uns zum Lachen bringt. Ein unschlagbares Duo, bei dem man sich auf Überraschungen gefasst machen darf!

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Jonathan Stroud: Bartimäus
Das Amulett von Samarkand
Aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung
München: Blanvalet 2004
540 Seiten 18,90 Euro
Jugendbuch ab 12 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Der Mensch ist wie eine Eisschicht

Nächster Artikel

Wie ein Wirbelwind

Weitere Artikel der Kategorie »Jugendbuch«

Was hinter der Schokoladentafel steckt

Jugendbuch | Tara Sullivan: The Bitter Side of Sweet

Der 15jährige Amadou und sein 8jähriger Bruder Seydou haben keine Ahnung, wozu die Kakaobohnen diesen, die sie seit zwei Jahren auf einer Plantage in Côte d’Ivoire unter entsetzlichen Bedingungen ernten. Ihr Leben ist ein einziger Albtraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Von ANDREA WANNER

Ein geniales Trio

Jugendbuch | Verena Hochleitner: Flimmern

Sydney, Nico und Katha gehen in die gleiche Klasse – haben ansonsten aber wenig bis nichts miteinander zu tun. Das soll sich ändern. Packende Unterhaltung – findet ANDREA WANNER

Abenteurerinnen

Jugendbücher | D.Arnold: Auf und davon / I.Kramer: Am Ende der Welt traf ich Noah Mit fünfzehn, sechzehn Jahren kommt die Überzeugung, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen kann. Was Erwachsene sagen, klingt einengend, ihre Ängste grundlos, ihre Einwände altmodisch. Frei sein ist alles! Die deutsche Autorin Irmgard Kramer und der US-Autor David Arnold erzählen von jungen Mädchen, die sich Hals über Kopf in das Abenteuer Freisein stürzen. Und von den Folgen. Von MAGALI HEISSLER

Verluste

Jugendbuch | Steve Tasane: Junge ohne Namen Die »Flüchtlingsfrage« beschäftigt die Menschen in Europa. Sie beschäftigt sie unter humanitären Aspekten und sie beschäftigt sie, weil viele Europa nach wie vor für bedroht halten. Was es heißt, 10 Jahre alt zu sein, alleine und auf der Flucht, erzählt Steve Tasane. Von ANDREA WANNER

Was für ein Mensch will ich sein?

Jugendbuch | David Safier: 28 Tage lang Das »Dritte Reich« und das, was es für viele Menschen, die es erlebten, bedeutete, bleibt ein Thema in Jugendbüchern. David Safier schildert in ›28 Tage lang‹ die Geschichte des Aufstands im Warschauer Ghetto, mittendrin Mira, ein 17jähriges jüdisches Mädchen. Von ANDREA WANNER