»If by my life or death I can protect you, I will.«

Digitales | Games: Der Herr der Ringe: Krieg im Norden

Endlich! Die Snowblind Studios sind zurück – und dazu mit einem Action-Rollenspiel, wie sie auf der PlayStation 2 geradezu legendär waren! Mit einem der größten fiktiven Universen im Rücken hackt and slayt man sich nun durch Mittelerde. RUDOLF INDERST riskierte einen flotten Dreier.

Digitales | Games: Der Herr der Ringe: Krieg im NordenAuf ›Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden‹ habe ich lange gewartet. Noch länger warte ich mit diesem Text. Ich wollte wirklich in diesem Spiel aufgehen, es ausführlich spielen, kurzum: dieselbe Anzahl von Stunden in das Spiel versenken, die ich auch in Titel wie ›Baldur’s Gate: Dark Alliance‹ oder ›Champions of Norrath‹ steckte. Leider kam ich nur durch das erste Drittel im Splitscreen. Dann flog mein Spielpartner wieder zurück nach Mittelamerika, und ich steckte Zeit in den Online-Multiplayer. Beide Varianten steckten voller Höhen und Tiefen, Stärken und Schwächen.

Das vermochte im Übrigen auch die internationale Presse in dem Spiel erkennen, in dem Spielerinnen in Tolkiens erdachter Welt unterwegs sind und immer wieder auf die Figuren aus den Romanen und Filmen treffen und mit diesen interagieren. Der Publisher dazu: »Obwohl das Hauptaugenmerk aller lange auf der Reise des Einen Rings lag, wurde der Krieg gegen Mittelerde überall im Land ausgetragen. Der Krieg im Norden lenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen integralen Bestandteil der Geschichte, der auf in der Trilogie sowie in den verschiedenen Zusatzbänden erwähnten Details basiert.« Und tatsächlich, obgleich die Masche leicht zu durchschauen ist, ist es doch beim ersten Mal irgendwie aufregend, auf die bekannten Charaktere zu stoßen und von diesen mit einer Agenda beauftragt zu werden – immersionssteigernd fürwahr.

Während ›Der Herr der Ringe‹ schamlos Aussehen der Figuren an deren Charaktereigenschaften koppelt (Etienne Balibar lässt grüßen!) und Frauen oftmals als reine, schmückende Ornamente auftauchen (während Jackson eher die Rettung der Welt ironiefrei durch den gemeinen Kleinbürger mit Pfeife und offenen Kamin zelebriert), reduziert das Spiel die Welt Tolkiens auf eine Action-Einbahnstraße, in der es reichlich Beute zu machen gilt.

Dass der Titel von einer gewissen grafischen Grobschlächtigkeit durchdrungen ist, kratzt Freunde des Franchise natürlich nicht, allerdings dürften diese, wenn auf die AI der Mitkämpferinnen zurückgeworfen, mehr weiße Haare als Gandalf bekommen. Diese ist taktisch wie strategisch leider fast durchgehend zweitklassig. Allerdings ist das nichts, was angesichts einer satten Zeitlupe zur rechten Zeit schwer wiegen würde.

| RUDOLF INDERST

Titelangaben
Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden
Action-RPG
Xbox 360, Playstation 3, PC
ENTWICKLER: Snowblind Studios

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Auf Marcel Prousts Spur

Nächster Artikel

Nährboden des braunen Terrors

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Willkommen bei den Bakers!

Digitales | Games: Resident Evil 7: Biohazard Warum interessieren wir uns für Horror? Ist es nicht widersprüchlich, sich absichtlich Angst einjagen zu lassen, obwohl man eigentlich nichts zu befürchten hat? Wie auch immer der Ursprung von Horrorgeschichten aussieht, eines ist sicher: Eine gruselige Atmosphäre sorgt für ordentlich Spannung. Dafür reichen oft schon ein dunkler Flur, ein nervös flackerndes Licht und unbekannte Geräusche. ›Resident Evil 7: Biohazard‹ (RE7) bietet davon jede Menge. Das gewisse Flair bringt dann noch ein heruntergekommenes Landhaus, inklusive gewalt(tät)ig großer Familie. Mit einer ordentlichen Portion Selbstüberwindung schleicht PHILIPP LINKE durch die digitale Folterkammer.

Tokyo sucht den Superstar

Digitales | Games: Tokyo Mirage Sessions #FE So viel vorweg: ›Tokyo Mirage Sessions #FE‹ wurde für den japanischen Markt entwickelt. Das verrät schon einiges, oder? Zumindest erwarteten die Entwickler offensichtlich keinen allzu großen Umsatz in Europa, denn es wird ausschließlich ein englischer Bildschirmtext in japanischer Sprachausgabe geboten. Zudem ist der Name des Hauptcharakters »Itsuki Aoi «für den Standard-Europäer nicht ohne Grimassen auszusprechen. Wenn das alles nicht abschreckt: Macht euch bereit für eine bunte Mischung voller Kitsch und Absurdität! Liebe Anime-Fans, hier ist TMS. Von PHILIPP LINKE.

Ich bin ein kleiner König, gib‘ mir nicht zu wenig

Digitales | Games: Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs Erneut tauchen wir in fantasievolle Parallelwelten zwischen mächtigen Zauberern und niedlichen Geisterwesen ein, dieses Mal um uns als König in einem neugeborenen Königreich zu versuchen. Doch kann der Mix aus Rollenspiel- und Aufbausimulation seinem Vorgänger gerecht werden? Fragt DANIEL MEYER. 

Eine ganz neue Welt

Digitales | Games: No Man’s Sky Es fühlt sich schon wieder an, als sei ein halbes Jahrhundert vergangen, seitdem Developer Hello Games ›No Man’s Sky‹ zum ersten Mal bei den VGX Awards präsentierte. Und dennoch: Die Versprechen, die das kleine Team aus Guildford an diesen Tagen für ihre Weltraum-/Überlebenssimulation gegeben hatten, sind vielen Menschen lange Zeit in Erinnerung geblieben. Ein Spielraum, so groß, dass es niemandem möglich sei, ihn jemals komplett zu erkunden; Ganze 18 Trillionen (1018) Planeten sollte es geben, jeder mit einer einzigartigen Flora und Fauna, mit seinen eigenen klimatischen Bedingungen, die es zu erforschen und zu überwinden galt, kurz und gut: ein Traum

Die Rückkehr der Zinnfiguren

Digitales | Essay: Über den Reiz von ›World of Tanks‹ Rechnet man die Kampfpanzer im Dienst der Armeen weltweit zusammen, dann kommt man auf die Zahl von 110.250 aktiven Panzern. Geht man davon aus, dass ein solcher Panzer im Schnitt vier Mann Besatzung hat, dann gibt es derzeit ca. 441.000 Soldaten, die hauptberuflich Panzer fahren. Mit Ausbildern und Reservecrews kommt man dann vielleicht auf eine halbe Million Panzerfahrer. Das klingt viel, ist aber kein Vergleich zur Anzahl der virtuellen Panzerfahrer. Ein Essay von JULIAN KÖCK.