Backe, backe Kuchen …

Kinderbuch | Alice Brière-Haquet: Mein erster Kuchen

… der Bäcker hat gerufen. Wer will guten Kuchen backen, der muss haben sieben Sachen. – Sieben? Ja, das scheint zu stimmen. Denn mit sieben Zutaten kann man Leckeres veranstalten. ANDREA WANNER hat es probiert.

Mein erster Kuchen

Das Rezept ist einfach, wirklich kinderleicht. Soll es ja auch sein, denn die angesprochenen Kuchenbäcker haben noch wenig Erfahrung. Aber statt eines simplen »Man nehme…« und eines Rundgangs durch den Supermarkt lässt Alice Brière-Haquet ihr Bilderbuch an einer ganz anderen Stelle beginnen. Wir starten draußen im Hühnerhof.

Glückliche Hühner, glückliche Kinder

Klar, wir brauchen Eier. Aber vorher brauchen wir dazu ein Huhn, ein bisschen Stroh und ein Dach für das Hühnerhaus. Und dann den Bauern (es könnte auch die Bäuerin sein) mit einem Korb. Darin liegen – klar: die drei Eier, die wir für den Kuchen brauchen.
Für das Mehl gibt es zunächst einen Ausflug zu einem gold leuchtenden Weizenfeld unter blauem Himmel. Von dort geht’s zur Mühle und der Müller hat dann 200 Gramm Mehl für den Kuchen. Die Beschaffung von Zucker führt weit weg zu einer Zuckerrohrplantage und eine weite Reise hat auch die Vanilleschote hinter sich. Backpulver, Milch und Salz fehlen noch – auch bei diesen Zutaten erfahren wir, woher sie kommen.

Und dann liegen alle sieben Sachen bereit und es könnte los gehen. Von wegen! Denn jetzt verrät die uns die Autorin die achte und wichtigste Zutat: Freunde, die mit uns den Kuchen teilen.

Für die Bilder, die die Geschichte begleiten, braucht Barroux, leuchtende Farben, die viel von der guten Laune, die zum Kuchenbacken gehört, ausstrahlen. Da spürt man die Hitze eines fernen Landes, in dem exotische Gewürze wachsen und die frische Brise am Meer, wo Möwen über den Salzgärten fliegen. Das Bilderbuch strahlt eine gelassene Heiterkeit aus und vermittelt ganz elementare Dinge. Es verrät, das Lebensmittel nicht aus dem Supermarkt kommen, sondern eine viel längere Reise hinter sich haben. Es berichtet davon, dass viele Menschen beteiligt waren und ihre Arbeit in den Produkten steckt, die uns so selbstverständlich erscheinen. Es legt auf wundervolle Art Respekt und Achtung nahe: vor den Dingen und vor der Arbeit der Menschen, die dafür arbeiten. Es erzählt von dem Glück der kleinen Dinge, wie einen selbstgebackenen Kuchen mit Freunden zusammen zu essen. Und natürlich verrät es das Rezept für den Kuchen – mit dem Hinweis darauf, dass es ein Grundrezept ist, das kleine Kuchenbäcker nach Belieben variieren können. Lecker! Ein wundervolles Backbuch, für Kinder mit genau einem Rezept für einen Kuchen, den alle probieren sollten.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Alice Brière-Haquet: Mein erster Kuchen, mit Illustrationen von Barrox (Mon voyage en gâteau, 2012)
Aus dem Französischen von Claudia Sandberg
Wien: Annette Betz 2014
36 Seiten, 12,95 Euro
Kinderbuch ab 4 Jahren

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