Lyrik | Vierzeiler der Woche – von Michael Ebmeyer

Wohin verschlägts die Sprache
und wie hoch geht der Hut?
Erst Bresche und dann Brache,
erst Ebbe und dann Blut?
| MICHAEL EBMEYER
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| Webseite von Michael Ebmeyer
Menschen | Zum 90. Geburtstag von Günter Kunert Der bedeutende Lyriker Günter Kunert ist eher selten als Erzähler in Erscheinung getreten. Umso größer war die Überraschung, als ein (längst vergessenes) Romanmanuskript aus den 1970er Jahren auftauchte und nun – unbearbeitet – veröffentlicht wurde. Von PETER MOHR
Lite Ratur | Wolf Senff: Zu Besuch Paul misstraute äußerlichen Abläufen, einer davon war eingeteilte Arbeit, er sträubte sich gegen Vorschriften jeglicher Art, er hatte nie eine Armbanduhr getragen, als man noch Armbanduhren trug. Er hätte als Versager gelten können, doch bei ihm war kein Gedanke daran. Tim hatte ihm die Fahrkarte zugeschickt, das war nun einmal Tim, er erwarte ihn gegen Mittag, sie kamen gut miteinander aus, mehr konnte niemand wünschen.
Das 3er-Kollektiv Böke Heuer Lenthe haben nach Vielleicht ein paar Raben in diesem Sommer einen weiteren Band mit Lyrik und Collagen (von Jürgen O. Olbrich, Böke, Heuer) bei Moloko Print vorgelegt. Die Fische werden fressenversammelt 99 metaphernreiche und provokant-originelle Gedichte. Von HUBERT HOLZMANN
Er gelangte mit seiner Sprache an die Grenze des Sagbaren. Seine ›Todesfuge‹, im Jahr 1947 erstmals veröffentlicht, wurde zu einem der berühmtesten deutschen Gedichte nach 1945 - auch durch die Verszeile »… der Tod ist ein Meister aus Deutschland«. Es wird gelesen, wiedergelesen und Interpretiert als eines der eindrücklichsten Versuche, das Grauen der Shoa mit lyrischen Mitteln zu fassen. Von DIETER KALTWASSER
»Man muss nämlich im Auge behalten, dass Jandls Werk sich nicht in Reduktion, Lautgedicht, Typogramm erschöpft, sondern dass ebenso das Ausschreiten des Sprachinnenraums, der semantischen Färbungen und Mischungen, der Bedeutungsmodalität eine Rolle spielt«, hatte Helmut Heißenbüttel 1984 in seiner Laudatio zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises an Ernst Jandl erklärt. Ein Porträt von PETER MOHR