Auf High Heels durch den Zombiemob

Digitales | The Evil Within: The Assignment

Der DLC ›The Assignment‹ krempelt das Gameplay von The Evil Within gehörig um – keine Schusswaffen, viel Schleichen und geringe Überlebenschancen, falls wir entdeckt werden. Warum die Protagonistin nicht auf ihre Stöckelschuhe verzichten kann und ob wir uns trotz Waffenmangel gegen die Mutantenplage behaupten können, beantwortet PHILIPP LINKE (mit EVA HENTER-BESTING).

2D Boxshot Wizard v1.1Zugegeben, das war gelogen. Wir haben keine Ahnung, warum Juli Kidman in engen Jeans und verdammt hohen Tretern durch das Geisterhaus stolziert. Stil ist alles. Lassen wir sie machen, schließlich ist sie die Hauptperson des Zusatzinhalts. Während wir sie in der Hauptkampagne nur oberflächlich kennenlernen, erfahren wir nun Details zu ihrer Herkunft und Rolle in der Geschichte. Kidman bewegen andere Gründe als ihre Kollegen Sebastian Castellanos und Joseph, deren Wege sich dennoch wiederholt kreuzen. Der Wiederaufgriff und die Abstecher in bekannte Level tragen maßgeblich zum Verständnis der Geschichte bei und waren nach der sehr mysteriösen Hauptstory auch bitter nötig. Eine vollständige Erklärung der Ereignisse darf trotzdem nicht erwartet werden. Anfänglich noch bodenständig entwickelt es sich zu der bereits in der Hauptgeschichte angewandten Set-Piece-Abfolge. Es geht durch Labore, Friedhöfe und Leichenhallen, wir suchen Sicherheitscodes für verschlossene Türen und Hilfsmittel zum Ablenken der lauernden Mistviecher.

Kleine Taschenlampe, brenn!

Die sind schließlich lebensnotwendig. Denn anders als im Hauptteil, halten wir die Kreaturen nicht mit Schusswaffen auf Distanz – wäre ja auch viel zu brutal -, sondern mit einer Taschenlampe. Die einzigen Waffen, die uns immer wieder auf dem Weg begegnen, sind Äxte, die nach einmaligem Gebrauch kaputt sind. Toll, dämliche Billigware. Der Einsatz muss also wohl überlegt sein. Mit unserer Funzel können wir einige Mutantenmodelle blenden, Rätsel lösen und versteckte Türen in Wänden aufspüren. Ballerei ist nicht, sondern Strategie. Gegner lassen sich durch geworfene Glasflaschen irritieren, durch klingelnde Telefonie in eine Falle und durch Pfeifen anlocken. Das Überlisten der Monster macht Spaß – die richtige Nutzung von Schleichen und Lärmen ist eine abwechslungsreiche Alternative. Allerdings bleibt die Frage offen, warum sich die geräuschempfindlichen Matschgesichter nicht durch das ständige Klackern dieser komplett unlogischen Schuhwahl aus der Ruhe bringen lassen. Aber gut, sei’s drum. Aufgelockert wird das Versteckspiel durch umfangreiche Storypassagen und optionale Rätsel, die mit Sammelobjekten belohnt werden.

Paranoia_wLegal_1429548007(1)

Atmosphärisch steht ›The Assignment‹ dem Hauptspiel in nichts nach. Tatsächlich nehmen wir unsere Umgebung durch das häufige Schleichen intensiver wahr. Aufgrund Kidmans spärlicher Verteidigung wirken Gegner bedrohlicher, wenngleich sie sich eigentlich nur durch Blut, nicht aber durch Ruhm bekleckern. Intelligenz ist anders – trotz schlechter Deckung ignorieren uns die Bestien manchmal oder laufen mit Tunnelblick an uns vorbei. Gruselig sind sie nichtsdestotrotz. Vor allem eines aus der neusten Freakkollektion jagt uns den einen oder anderen Schauer über den Rücken: eine langbeinige, bestrapste Menschenmaschine, ohne Arme, mit hungrigem Bauch und einem Scheinwerfer anstelle des Kopfes. Ein echtes Unikat.

Wem das normale Spiel nicht schaurig genug ist, kann nach dem ersten Durchspielen die Schwierigkeitsstufe »Kurayami« freischalten. Hierbei bleiben alle Lichter, abgesehen vom Schein der Taschenlampe, ausgeschaltet.

LightwomanAfterKidman_1425663521(1)

Fortsetzung folgt…

›The Assignment‹ zeigt sehr gute Ansätze. Das Gänsehaut-Gefühl des Hauptspiels wird beibehalten und in ein anderes Gameplay gebettet. Schleichen statt Ballern, das ist nett. In der zwischen drei und fünf Stunden liegenden Spielzeit kann es durchaus überzeugen, darf aber bei Weitem nicht alles geben, was möglich gewesen wäre. Hinsichtlich der Geschichtserzählung füllt das DLC einige Lücken und ist weitestgehend konsistent. Wenn es dann aber wieder von Geistern im System erzählt, sich durch Zombie-Klischees und angestrengte Boss-Fights windet, büßt es am Next-Gen-Horror-Charakter ein. Schade, denn das müsste nicht sein. Wir sind gespannt, ob die zweite Erweiterung ›The Consequence‹ den richtigen Ansatz weiterdenkt.

| PHILIPP LINKE
| EVA HENTER-BESTING

Titelangaben
The Evil Within
Bethesda Softworks
seit dem 09.03.2015 für PC, Xbox 360, PlayStation®3, PlayStation®4 und Xbox One erhätlich
UVP 9,99€ (nur mit The Evil Within spielbar)

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Wer ich bin? Wer bist du?

Nächster Artikel

Die unheimlichen Fälle des Scotland Yard

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Freundschaft am Ende der Welt

Digitales | Games: Final Fantasy XV Seit Release-Ankündigung belagerte ›Final Fantasy XV‹ den ersten Platz der Vorbestellerlisten, nach nunmehr einem Jahrzehnt konnte sich der Titel endlich aus der Entwicklungshölle befreien. Doch kann das lang ersehnte Spiel den Erwartungen gerecht werden? Ein Bericht von DANIEL MEYER. 

Tokyo sucht den Superstar

Digitales | Games: Tokyo Mirage Sessions #FE So viel vorweg: ›Tokyo Mirage Sessions #FE‹ wurde für den japanischen Markt entwickelt. Das verrät schon einiges, oder? Zumindest erwarteten die Entwickler offensichtlich keinen allzu großen Umsatz in Europa, denn es wird ausschließlich ein englischer Bildschirmtext in japanischer Sprachausgabe geboten. Zudem ist der Name des Hauptcharakters »Itsuki Aoi «für den Standard-Europäer nicht ohne Grimassen auszusprechen. Wenn das alles nicht abschreckt: Macht euch bereit für eine bunte Mischung voller Kitsch und Absurdität! Liebe Anime-Fans, hier ist TMS. Von PHILIPP LINKE.

 »Du hast mich enttäuscht, mein Sohn!«

Digitales | Games: Größte Enttäuschung und Digitale Spiele Wieder einmal steckten die ›TITEL‹-Jungs und -Mädels die Köpfe zusammen und überlegten gemeinsam, was für sie die größten Enttäuschungen im Bereich der digitalen Spiele in den letzten Jahren waren. Einmal angefangen kommt da einem so manche Soft- und Hardwaregurke in den Sinn. Hypes wie Faust III oder Titanic II sind dagegen Kleinkram …

Willkommen im Albtraum

Digitales | The Evil Within Blut. Blut. Blut. Leichenteile. Oh, ein Zombie! Bethesdas ›The Evil Within‹ ist nichts für Spieler mit schwachen Nerven. Flackernde Lampen, ein verlassenes Irrenhaus, eine Horde Zombies – ja, das Leben ist kein Ponyhof. Furchtlos stellte sich PHILIPP LINKE dem Horror-Abenteuer und schlüpfte in die Rolle von Polizeidetektiv Sebastian Castellanos. Ein schrecklicher Test!

Märchen von Zestiria

Digitales | Games: Tales of Zestiria V Das neuste Spiel der ›Tales‹-Serie verspricht feinste japanische Rollenspielkost mit tapferen Hirten und mystischen Seraphim. Wir haben jede Menge Schleime und Fledermäuse verprügelt, Freundschaften mit Ritter-Prinzessinnen geknüpft und uns durch schier endlose Dialoge geklickt, um die Märchen von Zestiria zu erfahren. Von PHILIPP LINKE.